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Einwohnerversammlung : Das Thema Windkraft spaltet die Bürger

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bargumer sind sich nicht einig, ob sie einen Bürgerwindpark wollen oder ob ein Investor einspringen soll. Für Anfang August ist jetzt eine zweite Versammlung geplant.

Voll besetzt waren die Reihen im Bargumer Gemeindehaus zur Einwohnerversammlung. Das erste Thema war zügig abgehakt: Breitband. Noch ist die Gemeinde nicht mit dem schnellen Glasfasernetz versorgt, aber „ich würde mich sehr freuen, wenn Bargum mit auf den Zug springt“, so Bürgermeister Bernd Wolf. Die Finanzierung steht, sagte er. Eine Informationsveranstaltung dazu wird es am Dienstag, 1. September, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus geben. Anschließend finden drei Beratungstermine vor Ort statt, der Anmeldeschluss wird dann der 24. September sein.

Windkraft war das zweite Thema des Abends – und das zog sich in die Länge. Als Sonder-Bedarfsempfänger könnte Bargum zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen zwar gut gebrauchen, aber die Gestaltung zur Errichtung von Windkraftanlagen in Form eines Bürgerwindparks scheint schwierig. Die geeigneten Flächen liegen in einem FFH-Gebiet – einem speziellen Gebiet im Natur- und Landschaftsschutz, das nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde. Und im alten Regionalplan kommt das der Alarmstufe Rot in Punkto Naturschutz gleich. Außerdem warten im gesamten Land Schleswig-Holstein annähernd 400 Anträge auf eine inhaltliche Prüfung und letztendlich eine Genehmigung. Da das Land zurzeit eine Verfügungssperre erlassen hat, werden vorerst auch keine neuen Anträge genehmigt. In dieser Zeit soll der Regionalplan V vom Land neu auferlegt werden – Ergebnis offen und damit bleibt Unsicherheit.

Es ginge allerdings auch anders: Ein Investor, der dank guter Kontakte zu einem Anlagenbauer und der Möglichkeit eines Zielabweichungsverfahrens schneller agieren könnte. Die Einwohner könnten sich an den Mühlen beteiligen. Laut dem Investor würde es kein Risiko geben, was wiederum heißt, dass die Rendite dementsprechend niedriger ausfällt, als bei einem konventionellen Bürgerwindpark. Würde Bargum diesen in Eigenregie errichten, dann mit einer noch ungewissen Anzahl an Anlagen von drei bis vier Megawatt und einer maximalen Flügelhöhe von 150 Metern. Nimmt der Investor das Projekt in die Hand, dann sind zwei Anlagen mit je sieben Megawatt und einer Flügelhöhe von knapp 200 Metern geplant.

Beide Windkraftanlagen will der Investor zu Übungszwecken seines Unternehmens nutzen, damit Monteure für den Offshore-Betrieb ausgebildet werden können. Abseilen, retten, bergen gehören zu den Trainingseinheiten – auch mit Einsätzen eines Helikopters. Die Frage, ob Bargum das oder das lange Genehmigungsverfahren ohne konkrete Aussicht auf Erfolg in Eigenregie auf sich nehmen will, stellte Bürgermeister Bernd Wolf in die große Runde interessierter Bürger.

Eine Abfrage der Einwohner gab es bereits 2009, allerdings schriftlich. Seinerzeit ging es um die Ausweisung von Windeignungsflächen. In 91 Rückmeldungen sprachen sich die Bargumer zu mehr als 80 Prozent dafür aus. Ob eine Beteiligung an einem zukünftigen Bürgerwindpark überhaupt infrage kommen würden, beantworteten 43 Prozent damals mit Ja.

Einige Stimmen der anschließenden Diskussion im Gemeindehaus: „Man muss ja nicht alles mitmachen, jedenfalls nicht um jeden Preis“, „Bargum ist frei von Windmühlen und soll es auch bleiben“, „wir hätten vorher auf den Zug aufspringen sollen, ehe wir soweit sind, sind die fetten Jahre der Windkrafteinnahmen vorbei“, „noch können wir in der Gemeinde alles selber gestalten und sollten es auch tun“, sowie „von einem Investor rate ich ab“.

Eine Diskussion darüber, ob ein Bürgerwindpark gewünscht ist oder nicht, ergab letztlich kein nachhaltiges Ergebnis. Daher werde es Anfang August eine zusätzliche Einwohnerversammlung geben. Die Bürgerwindpark Bargum Verwaltungs GmbH, die sich im April 2014 gegründet hat und der Investor werden dazu eingeladen. Näheres wird rechtzeitig bekanntgegeben.

 

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