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Husumer gewappnet : Das Sturmtief kann nach Nordfriesland kommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Orkan "Xaver" soll sich am Donnerstag und Freitag austoben. In Husum sind Stadt, Feuerwehr, Bundeswehr sowie Schiff- und Luftfahrt auf das Sturmtief vorbereitet.

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erstellt am 05.Dez.2013 | 11:00 Uhr

In der Formulierung schwingt ein Hauch von Galgenhumor mit. Dafür dürfte es nur wenige  geben, die besser wissen, was Orkantief „Christian“ in Husum alles angerichtet hat, als Thomas Leißner. Und nun rollt mit „Xaver“ bereits  der  nächste Sturm an. „Was sollen wir noch groß sichern?“, gibt Leißner, Teamchef  des Kommunalen Service-Betriebes Husum (KSH), die bange Frage zurück. „Das meiste ist ja schon weg.“

Mehr noch: Ein Großteil der Schäden, die der erste große Herbststurm des Jahres hinterlassen hat, ist noch gar nicht geräumt. Und so fuhr gestern auch schnell noch ein KSH-Bautrupp zum Dockkoog, um den großen Badesteg abzubauen.  Denn durch die  nordwestliche Richtung des neuen Sturmtiefs  sagen Meteorologen Wasserstände und eine Springtide voraus, die ähnliche Dimensionen erreichen könnte wie die von 1962 und  der das Bauwerk wahrscheinlich nichts entgegenzusetzen hätte. „Zur Sicherheit haben wir gestern auch noch einen Baum heruntergenommen, den ,Christian‘ zwar stehen gelassen hatte, der sich aber bedrohlich auf eine Garage senkte“, erläutert der andere  KSH-Teamleiter, Dirk Dibbern.

Erhöhte Wachsamkeit herrscht  auch bei Stadtverwaltung und Feuerwehr. „Wir werden auf jeden Fall zusätzliches Personal bereitstellen“, erklärte Ordnungsamtsleiter Günter Zumach, bevor er sich zu einer  Lagebesprechung mit der Feuerwehr zur Feuerwache am Marienhofweg aufmachte. Als er dann zwei Stunden später ins Büro zurückkehrte, lag dort  bereits die Empfehlung des Kreises Nordfriesland, die Schulen   heute und die Kindergärten sogar heute und morgen  geschlossen zu lassen. Auch auf den Weihnachtsmarkt  werden Besucher zumindest heute verzichten müssen. „Wie es danach weitergeht, werden wir im Laufe des Nachmittags entscheiden“, sagte Zumach unter Hinweis auf die  doch  „recht unterschiedlichen Wetterprognosen“.   Während im Schobüller Wald und   in den Mausebergen unzählige Bäume verloren gingen, ist in der Innenstadt erst kürzlich einer hinzugekommen. „Aber     die Weihnachtstanne auf dem Marktplatz sollte ,Xaver‘ trotzen können“, sagt Zumach, „zumindest, was das Fundament angeht.“ Eineinhalb Meter sei sie in einen Betonsockel eingelassen, so der Ordnungsamtsleiter.  Das sage zwar nichts über den Rest der Tanne aus, „aber das behalten wir im Auge“.

Im Husumer Hafen, in dem „Christian“ vor fünf Wochen ziemlich gewütet hatte, herrscht ebenfalls Wachsamkeit.  Umso besser, dass ein Unfall am Sperrwerk für die Schleusentore ohne Folgen blieb. Der   3400 Bruttoregistertonnen schwere  Frachter „Smaragd“ hatte die Anlage bei der Einfahrt in den Hafen beschädigt, wie Kapitän Michael Hinz von der Schifffahrtsabteilung der Firma ATR-Landhandel gestern berichtete. Wegen des bevorstehenden Sturms habe er dem Kapitän darüber hinaus nahegelegt, das Schiff doppelt zu vertäuen.  Ferner wird überall auf dem Hafengelände in Sicherheit gebracht, was beim jüngsten Sturm teilweise im Hafenbecken gelandet war.  „Und natürlich werden die Kräne  so in den Wind gedreht, dass der ihnen so wenig wie möglich anhaben kann“, berichtet Hinz.

Zu einem anderen „Hafen“: Auf dem  Flugplatz Husum-Schwesing werden alle Maschinen – drei Hubschrauber und 15 Flugzeuge, davon vier der Sportfluggruppe Husum – in Erwartung von „Xaver“ in den Hangars untergebracht. „Bei uns denkt in den nächsten zwei Tagen keiner ans Fliegen“, sagte ein Sprecher der Flughafen Husum GmbH & Co. KG gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

 Das Flugabwehrraketengeschwader 1 „Schleswig-Holstein“ der Lufwaffe mit der Flugabwehrraketengruppe 26  sind noch nicht in Bereitschaft. Heute ist in der Fliegerhorstkaserne und auf dem Flugplatz Schwesing, der zur Hälfte immer noch militärisch, dabei aber nicht mehr für den Flugbetrieb genutzt wird, Routine angesagt: Fahrzeuge werden in den ehemaligen Flugzeugschutzbauten und Hallen  sturmsicher abgestellt und alle  Maßnahmen getroffen, die der normale Menschenverstand gebietet: Fenster schließen und Gegenstände, die dem Sturm eine Angriffsfläche bieten und herumfliegenderweise eine Gefahr für Leib und Leben darstellen können, in Hallen oder Gebäude bringen.

 In der Julius-Leber-Kaserne sieht es da schon anders aus: Das Spezialpionierbataillon 164 ist telefonisch vom  Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin in 24-Stunden-Bereitschaft gesetzt worden. Die Husumer Soldaten sollen mit ihren Spezialkräften gegebenenfalls Schnee räumen und Eisenbahnschienen von umgestürzten Bäumen befreien. Die Spezialpioniere werden im Rahmen der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit (ZMZ) eingesetzt. Das heißt, sie stellen Kräfte und Mittel zur Hilfeleistung bei Naturkatastrophen und schweren Unglücken bereit.

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