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Das saugute Leben der Husumer Protestschweine

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Sie grunzen, tollen herum, buddeln, suhlen und stecken ihre Rüssel tief in Tröge, um schmatzend zu fressen – die tierischen Neulinge auf Hof Backensholz in Oster-Ohrstedt (Kreis Nordfriesland) führen ein saugutes und vor allen Dingen artgerechtes Leben. Im vergangenen Jahr startete Jasper Metzger-Petersen eine hofeigene Zucht mit sogenannten Husumer Protestschweinen, einer Kreuzung aus Tamworth-Schwein (England) und Angler Sattelschwein.

Die vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse ist der Resteverwerter auf dem Hof, denn die Tiere ernähren sich außer von Weidegras und sojafreiem Kraftfutter größtenteils von der Süßmolke, die wiederum als Nebenprodukt aus der Käserei Backensholz stammt. Aus der kleinen Herde von anfangs 20 Husumer Protestschweinen mitsamt Eber „Cäsar“ gehen inzwischen über 40 Ferkel hervor – und auch die fühlen sich sauwohl.

Der Ansporn von Jasper Metzger-Petersen, mit den Schweinen eine ökologische Kreislaufwirtschaft zu erzeugen und den Erhalt der Rasse zu fördern, hat sich bislang bewährt. Dank der betriebseigenen Futtermittel und der artgerechten Haltung ist die Qualität des Fleisches einzigartig im Geschmack. In der Küche von Hof Backensholz kommt mittlerweile auch wieder Schweinefleisch auf den Tisch, was zuvor als undenkbar galt. Wenn es überhaupt Fleisch als Mahlzeit gab, dann nur von den eigenen Rindern oder Geflügel vom benachbarten Höfen.

Im Hofladen von Backensholz wird das Fleisch schockgefrostet angeboten. Ebenfalls neuerdings in der Kühltheke zu finden: Bratwurst vom Schwein, gespickt mit Deichkäse aus eigener Produktion.

Dass einige der hofeigenen Tiere irgendwann zum Schlachter müssen, kennt Jasper Metzger-Petersen von Kindheit an. Sein Opa hielt Angler Schweine, die letztendlich für die Hofküche bestimmt waren. Die Husumer Protestschweine werden ausschließlich von zertifizierten Bio-Schlachtern aus der Region geschlachtet. Kurze Transportwege versprechen Stressfreiheit für die Tiere. Doch bis sie schlachtreif sind, dürfen sie glücklich aufwachsen und sich unter freiem Himmel bewegen.

Husumer Protestschweine sind robust, können sogar draußen überwintern, denn sie bekommen einen Winterpelz. Ihren Namen und ihr Aussehen haben sie dem Widerstand der dänischen Bevölkerung in Nordfriesland Ende des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Die preußischen Besatzer hatten das Hissen der dänischen Nationalflagge verboten. Darum züchteten die dänischen Bauern rote Schweine mit weißem Sattel, um so das nationale Symbol auf vier Beinen weiterleben zu lassen.

„Sie sind neugierig, zutraulich und blitzgescheit“, beschreibt Jasper Metzger-Petersen die Schweine dieser besonderen Rasse, von der er sich erhofft, dass die Vermarktung des Fleisches zum weiteren Standbein auf Hof Backensholz wird. Von Verbrauchern, darunter auch Gastronomen, bekommt er viel positive Rückmeldungen und das freut den 29-jährigen Landwirt sehr.

Am 18. Mai verlässt er den Hof mitsamt ein paar Schweinen kurzzeitig, um zum Gottorfer Landmarkt zu fahren. „Aufgrund der Regionalität sind wir alljährlich gerne dort. 2014 erstmalig mit zwei Ständen, mit Käse und Fleisch und einem Gatter mit den Schweinen“, erzählt er.

Angela Merkel, Claudia Roth, Ursula von der Leyen und weitere weibliche Vertreter der Bundespolitik sind im Übrigen Namensgeberinnen der Sauen. „Das hat sich ein Mitarbeiter ausgedacht“, sagt Jasper Metzger-Petersen lachend und murmelt etwas von „politischen Schweinereien“ vor sich hin. Mit Blick auf die Massentierhaltung auch eine Art des stillen Protestes.

> Weitere Informationen:

www.backensholz.de

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erstellt am 16.Mai.2014 | 13:26 Uhr

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