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Schmöker von gestern : Das Museum eines Büchersammlers

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Wahl-Nordstrander Manfred-Guido Schmitz liebt historische Werke: Seine wertvollen Schätze präsentiert der Verleger nun der Öffentlichkeit in Nordfrieslands erstem Buchmuseum.

Die Halbinsel Nordstrand ist um eine Attraktion reicher. Am Herrendeich 22 gibt es jetzt ein kleines Buch-Museum. Dort präsentiert der Historiker, Verleger, Autor und frühere Zeitungs-, Radio- und Fernsehjournalist Manfred-Guido Schmitz (61) seine Schätze. Das Besondere: Jedes noch so alte und wertvolle Werk ist nicht hinter Glas verschlossen, sondern darf in die Hand genommen und vorsichtig – manchmal mit parat liegenden Handschuhen – betrachtet und durchgeblättert werden.

Im Mittelpunkt steht 2014 die Dauerausstellung „Der Krieg in Wort und Bild“: Denn vor 100 Jahren begann der erste und vor 75 Jahren der zweite Weltkrieg. Herausragende Werke sind unter vielen anderen eine zweibändige Fotodokumentation „Der Weltkrieg im Bild“ mit mehr als 1000 Aufnahmen. Das Buch ist nie im Handel erhältlich gewesen und konnte nur bei der „Vertriebsstelle amtlicher Schriften des Reichsarchivs“ in der Münchener Landwehrstraße bestellt werden. Zu sehen ist auch eine Zeitung (No. 18/19) vom 24. Dezember 1914 mit dem Titel „Kriegszeit. Künstlerflugblätter“, begründet und herausgegeben von Paul Cassirer und Alfred Gold. In dieser Ausgabe lassen sich beispielsweise das „Kaiserlied“ von Engelbert Humperdinck finden sowie ein Hinweis des Verlages: „Max Liebermann, […] Ernst Barlach, […] Käthe Kollwitz […] werden unsere Zeichner bleiben.“

Auf Wunsch und nach Voranmeldung zeigt Schmitz gern weitere Kleinode, wie beispielsweise einen Original-Luftpost-Brief, der im Mai 1936 mit der „Hindenburg“ nach Frankfurt am Main befördert worden war – ein Jahr später ging das Luftschiff am 6. Mai beim Landeanflug auf Lakehurst in Flammen auf – oder einen (Briefmarken-)Gedenkblock „Road to Victory“, mit dem die USA 1993 an die Invasion in der Normandie und den Sieg der Alliierten über Hitler-Deutschland erinnerten. „Geschwärzte“ Hitler-Briefmarken, die nach Kriegsende weiter verwendet wurden, Notgeld, Postkarten aus deutschen Kolonien oder sogenannte Propaganda-Münzen sind weitere Exponate. Lesenswert ist ein Original-Brief „Prisoner of War“, den ein deutscher oder österreichischer Soldat aus der Gefangenschaft in den USA an seine „Puppie“ in Wien schrieb.

Ein Namensvetter aus Husum (Hermann Schmitz) hat Manfred-Guido Schmitz als Leihgabe einen kompletten Jahrgang 1917 der „Berliner Illustrierte Zeitung“ als Leihgabe zur Verfügung gestellt; es gelang außerdem, einen kompletten Jahrgang von 1918 dieses ersten deutschen Massenblattes für das Buchmuseum anzuschaffen. Beide Jahrgänge – die unter anderem die Russische Revolution, die Erschießung des Zaren, die Abdankung des deutschen Kaisers, Verlauf und Ende des 1. Weltkrieges und die Anfänge der Weimarer Republik thematisieren – sind inzwischen unter journalistischen Aspekten ausgewertet worden. Daraus entstanden ist die Publikation „Der 1. Weltkrieg und das erste deutsche ,Massenblatt“. Die Zeitungen hatten auf dem Dachboden des Elternhauses von Hermann Schmitz in Husum gelagert. Die Einbanddeckel wurden durchnässt, als bei der Sturmflut von 1962 das Dach abgedeckt worden war – der Innenteil blieb unversehrt.

Unabhängig von wechselnden Ausstellungen werden historische Märchen- und Tierbücher genauso gezeigt wie Titel zu Nordstrand. Der Ausstellungsraum wird auch für Veranstaltungen genutzt. „Ich biete Vorträge zu verschiedenen Themen an“, erklärt Schmitz – unter anderem zu: „Von der Höhlenmalerei zum E-Book“, „Geschichte des Buchdrucks“ oder „Wie die Oma der Gebrüder Grimm gestohlen wurde – eine wahre Geschichte“. Gruppen und Vereine dürfen sich nach Absprache ebenfalls im Buchmuseum treffen. Eine „Stöber-Ecke“ für große und kleine Leseratten gibt es ebenfalls. „Es ist ein Versuch. Ich hoffe, dass meine Angebote angenommen werden und sich das Museum selbst trägt. Ich kann auf die Wünsche meiner Gäste eingehen.“

Er hat im Laufe der Jahre bedeutsame Bücher gesammelt. Doch sie im Wohnzimmer herumstehen zu lassen, erschien ihm auf Dauer zu schade, vor allem nutzte das nur ihm etwas. Und da der Wahl-Nordstrander mit hessischen Wurzeln über jedes Exemplar auch Hintergrundwissen hat, sagte er sich, dass er es genauso gut an Interessierte weitergeben könnte. Dass Bücherfreunde bei ihm alle Druckerzeugnisse in die Hand nehmen dürfen, gibt es anderswo so nicht.

Museen, in denen es vor allem um Bücher geht, sind selten. Nach seinen Recherchen gibt es vor allem Häuser mit besonderen Thematiken, wie beispielsweise das Bilderbuchmuseum in Troisdorf, das Comic-Museum in Recklinghausen und das Zeitungs-Museum in Wadgassen – oder solche, die schwerpunktmäßig das Werk einzelner Künstler präsentieren, wie das Storm-Museum in Husum. „Nach meiner bescheidenen Kenntnis handelt es sich immer eher um Buchausstellungen. Besonders wertvolle Exemplare dürfen Sie dann oft nur hinter Glas sehen und finden erklärende Texte dazu.“ Udo Rahn

 

Geöffnet ist dienstags bis sonnabends von 13 bis 15 Uhr sowie freitags von 19 Uhr an für Vorträge. Info: www.buch-museum-nordstrand.de oder Telefon 04842/900215.

 

Workshop für angehende Autoren

Am Sonnabend, 24. und 31. Mai, wird im Nordstrander Buchmuseum jeweils ein halbtägiger Workshop für angehende Sachbuch-Autoren angeboten. Die Teilnehmerzahl pro Workshop ist auf zehn begrenzt; Anmeldungen: an kontakt@schmitz-verlag.de oder unter Telefon 04842/900215. In der Einleitung geht es um grundsätzliche Aspekte wie: Hat das Thema eine Chance auf dem Buchmarkt? oder Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Geleitet wird der Workshop von Manfred-Guido Schmitz.

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