Küstenschutz-Route in Husum : Das Meer als ständige Bedrohung

Sonja Niemann (r.) vom Hamburger Büro Skope Inventive Spaces stellt an der Station 5 der Route das von ihrer Firma entwickelte Konzept und die zugehörige App vor.
Sonja Niemann (r.) vom Hamburger Büro Skope Inventive Spaces stellt an der Station 5 der Route das von ihrer Firma entwickelte Konzept und die zugehörige App vor.

Eine Freiluft-Erlebnisprojekt in Husum soll Einheimischen und Gästen die Bedeutung des Küstenschutzes näherbringen.

shz.de von
01. Juli 2018, 09:00 Uhr

„Wir lieben das Meer – aber wir müssen das Wasser nicht nur als Schönheit der Natur sehen, sondern auch als ständige Bedrohung“, brachte Husums Bürgermeister Uwe Schmitz die Bedeutung des Küstenschutzes für die Region auf den Punkt. Und um diese für Einheimische und Gäste erlebbar zu machen, gibt es seit gestern die Küstenschutz-Route Husum. Vom Nordfriesland-Museum/Nissenhaus in der Innenstadt bis zur vier Kilometer entfernten Dockkoogspitze geben zwölf Info-Stehlen – begleitet durch eine für IOS- und Android-Smartphones herunterladbare App – Informationen zum Thema.

„Wie ein ausgeklügeltes System von Kanälen, Pumpen und Sperrwerken das Wasser aus dem Binnenland befördert, wie ein Deich mit Reserve gebaut wird und warum Schafe mehr können als nur Wolle geben, das lässt sich jetzt allein oder in von uns organisierten Gruppen erfahren“, erläuterte Uwe Haupenthal, der Geschäftsführer des Museumsverbunds Nordfriesland, der bei der Einweihung die gute Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und der Stadt Husum bei diesem und anderen Projekten hervorhob.

LKN-Chef Johannes Oelerich freute sich, die Route noch an seinem letzten Arbeitstag im LKN – er wechselt am Montag als neuer Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz ins Kieler Umweltministerium – mit eröffnen zu können. Er wolle in seiner neuen Position dazu beitragen, die Storm-Stadt zu einem zentralen Ort für Küsten- und Hochwasserschutz in Schleswig-Holstein zu machen. „Husum kann von vorne und hinten absaufen – im Westen ist die Nordsee und im Osten die Mühlenau mit den gesteuerten Überflutungsgebieten“, stellte er plakativ fest. Daher gebe es hier auch so viel, was man Besuchern zeigen könne: „Ein Hafen mit Sielzügen und Sperrwerk ebenso wie Regenrückhaltebecken, Wehlen, Buhnen, Lahnungsfelder und verschiedene Deichtypen.“ Besucher hätten nun die Chance, sich damit vertraut zu machen, „wie wir in Zukunft mit dem Küstenschutz umgehen wollen“. Auch Oelerich warnte vor der Unberechenbarkeit der Natur: „Nichts wäre schlimmer, als sich jetzt einem trügerischen Sicherheitsgefühl hinzugeben, nur weil lange kein Mensch mehr durch Sturmflut umgekommen ist!“

Sieben Jahre hat die Vorbereitung des 220.000 Euro teuren Projekts gedauert. Finanziert wurde es durch EU-Fördergelder und Beiträge von LKN, Museumsverbund NF und der Stadt Husum, die mit der Route „eine neue Attraktion“ bekommen hat, wie Bürgermeister Schmitz betont.

Die App „Küstenschutz Route Husum“ lässt sich kostenlos am dafür eingerichteten WLAN-Hotspot am Nordseemuseum herunterladen. Ein Faltblatt liefert ebenso Informationen wie die Homepage www.kuestenschutz-route.de.

Für Schülerinnen und Schüler gibt es zudem unter dem Motto „Werde Küstenschutzforscher/in!“ spezielle museumspädagogische Angebote des Nordfriesland-Museums. „In Schulklassen das Interesse für das Thema zu wecken ist eines unserer vordringlichen Ansinnen“, sagt Oelerich. Für die Lehrkräfte der Husumer Schulen werde es dazu auch nach den Sommerferien Einführungsseminare geben.

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