Kz-Gedenkstätten modernisiert : Das Leid nachvollziehbar gemacht

Besuch im KZ-Außenlager Schwesing: Vor 73 Jahren kämpfte Wim Alosery (94) aus den Niederlanden hier ums nackte Überleben. Seit Botschaft heute: „So etwas darf nie wieder geschehen.“.
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Besuch im KZ-Außenlager Schwesing: Vor 73 Jahren kämpfte Wim Alosery (94) aus den Niederlanden hier ums nackte Überleben. Seit Botschaft heute: „So etwas darf nie wieder geschehen.“.

Nordfrieslands KZ-Gedenkstätten in Schwesing und Ladelund modernisierten ihre Ausstellungen.

shz.de von
04. Januar 2018, 16:00 Uhr

Ein aufregendes Jahr liegt hinter den Akteuren in der Gedenkstätten-Arbeit in Nordfriesland. Noch im März hatte der Historiker Klaus Bästlein in einem Vortrag in Husum aufgelistet, was in den vergangenen Jahrzehnten seiner Ansicht nach in der Präsentation der beiden Außenstellen des Konzentrationslagers Neuengamme in Ladelund und Schwesing alles schiefgelaufen sei. Im Kern beklagte er eine Konkurrenz beider Orte um die beste Darstellung. Unabhängig von Bästleins kritischem Rückblick, dem öffentlich deutlich widersprochen wurde, begannen kurz darauf die in die Zukunft weisenden Modernisierungen an den Standorten. Sowohl in Ladelund als auch in Schwesing krepierten rund 300 Häftlinge durch schwerste Zwangsarbeit, ständige Misshandlungen, mangelhafte sanitäre Verhältnisse und völlig unzureichende medizinische Versorgung.

In etwa gleicher Weise wurden in beiden Orten die Ausstellungen auf die Zukunft ausgerichtet. Modernisierte Schautafeln in mehreren Sprachen, Hörstationen sowie Audioguides machen das Leiden in den Lagern für die Besucher nachvollziehbar. Während in Schwesing auf Workshops im Haus der Geschichte abgestellt wird, deren Ergebnisse nachfolgenden Gruppen bereitgestellt werden sollen, bauen die Akteure in Ladelund auf die einprägsamen Darstellungen der Biografien Einzelner.

Im April kam Kulturministerin Anke Spoorendonk zur Eröffnung der völlig neugestalteten Anlage nach Schwesing. Im November reiste ihre Nachfolgerin im Amt, Karin Prien, zur Einweihung der neuen Ausstellung nach Ladelund – und drückte ihre große Anerkennung für die Initiative ihrer Vorgängerin aus: „Sie haben das Projekt aus tiefer Überzeugung gefördert“, rief sie Anke Spoorendonk zu. Im Namen der Landesregierung versprach Karin Prien: „Wir wollen die Gedenkstätten zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten weiter unterstützen und diesen Weg mit viel Mut und Selbstbewusstsein weiter fortsetzen.“

Finanziert wurden die Modernisierungen beider Standorte unter anderem durch das Land, den Bund, die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und den Kirchenkreis. In Schwesing legte Uwe Thomas Carstensen mit seiner privaten 100.000-Euro-Spende den Grundstein zur Weiterentwicklung der Anlage. Bei der Einweihung hielt er ein anrührendes Plädoyer für Zivilcourage, das in die eindringliche Botschaft mündete, dass sich Feigheit nicht auszahlt.

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