Shopping-Center : Das Leben ist eine Baustelle

Fast vollständig von der Baustelle umschlossen: dasWohnhaus in der Schlossstraße 20.
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Fast vollständig von der Baustelle umschlossen: dasWohnhaus in der Schlossstraße 20.

Die Arbeiten auf dem Gelände des geplanten Shopping-Centers in Husum gehen zügig voran, haben aber auch ihre Schattenseiten: Einigen Anliegern rückt das schwere Gerät doch sehr auf die Pelle.

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15. Januar 2018, 13:00 Uhr

Es geht voran – auf Husums größter Baustelle. Und das nicht nur an der Frontseite, die bereits erahnen lässt, wie das geplante Shopping-Center später einmal aussehen könnte. Auch an der Rückseite des Geländes wird kräftig gearbeitet. Das schwere Gerät, das entlang der Schlossstraße, aufgefahren wurde, werde zum Bohren von Löchern benötigt, mit deren Hilfe die Grube abgestützt werden solle, erklärt Volkmar Drescher auf Anfrage. Dieses Verfahren bringe „für die unmittelbaren Anwohner eine gewisse Geräuschentwicklung mit sich“, so der Prokurist und Diplom-Ingenieur für Architektur der Prelios Management Deutschland GmbH, die den Bau des Shopping-Centers betreut. Das sei dem Umstand geschuldet, „dass das zu Tage geförderte, recht zähe Bodenmaterial von Zeit zu Zeit von der Bohr-Schnecke abgeschüttelt werden muss.“ Boden-Erschütterungen gebe es allerdings nicht, weil eben nicht gerammt, sondern gebohrt werde. Dieser Teil der Arbeiten solle bis Ende Februar abgeschlossen sein, sagt Drescher.

In den vergangenen Wochen sei der Neubau im Süden „erkennbar weit vorangeschritten“. Da die Arbeiten am nördlichen Ende jedoch noch etwas Zeit benötigten, werde der Rohbau von Süden nach Norden fortentwickelt. „In Kürze starten die Fassaden-Arbeiten und die Dachabdichtung“, kündigte Drescher an. Wenn die notwendigen Vorleistungen abgeschlossen seien, werde mit dem Bau des Parkhauses und – parallel dazu – mit dem Innenausbau begonnen.

Für die Anlieger ist der Baufortschritt natürlich eine nicht ganz so nüchterne Angelegenheit wie für den Experten. „An Lärm und Dreck kann man sich nicht gewöhnen“, sagt Margaret Carstensen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wohnt sie in der Schlossstraße 20. Doch was sich dort in diesen Tagen abspielt, „ist schon sehr speziell und wird es hoffentlich auch bleiben“. Das Einfamilienhaus am Rande der großflächigen Baustelle gleicht in vielem einem gallischem Dorf. Zur Straßenseite hin ist es weitgehend eingezäunt, Fußgänger werden auf die Parkplätze vor dem Haus umgelenkt. Auch an den Seiten wird es eng; rechts reicht es hinter der Eingangstür gerade noch für die drei Mülltonnen. Und an der Rückseite tut sich ein Abgrund auf. Die Schaufelbagger, die dort noch vor einem Dreivierteljahr übers Grundstück rumpelten, sind inzwischen abgezogen worden. Doch dafür wurden die schon erwähnten riesigen Bohrer in Stellung gebracht, mit denen das Erdreich auf den Neubau des Parkhauses vorbereitet wird. „Die rücken uns schon ganz schön auf den Pelz“, sagt Carstensen. Dass damit – wie ursprünglich angekündigt – schon Ende des Monats Schluss sein sollte, hielt sie von Anfang an für einen frommen Wunsch.

Es wird laut im Wohnzimmer. Die schweren Baugeräte haben wieder zu bohren begonnen. „Merken Sie das?“, fragt Carstensen. Tatsächlich: Der Fußboden beginnt leicht zu vibrieren. „In der Küche ist es noch stärker“, erklärt die Mieterin, die sich zwar nicht mehr aufregen will, „den Lärm aber auch nicht völlig ausblenden kann. Und den ganzen Tag mit Ohropax herumzulaufen, ist ja auch keine Lösung“, sagt sie. Ihre Vermieterin im Erdgeschoss, die das Haus auf ihre alten Tage nicht mehr verlassen wollte, „ist noch ärger dran. Da klatscht der ausgehobene Lehmboden bisweilen gegen die Fensterschreiben“. Und so ist es fast ein Segen, dass Carstensen morgens mit dem ersten Lärm zur Arbeit gehen kann. Allerdings ist sie nur halbtags beschäftigt. „Und an eine Mittagsstunde ist hier nun wirklich nicht zu denken.“ Dass sie nicht allein auf weiter Flur ist und die ohrenbetäubenden Monster anderen Anrainern noch bedrohlicher auf die Pelle rücken als ihr, ist für Carstensen nur ein schwacher Trost. Außerdem kommt zum Lärm noch der viele Dreck – „seit Monaten, jeden Tag“. Kein Wunder also, dass sie den Tag herbeisehnt, wenn „das alles hier vorbei ist“. Das dürfte aber noch ein bisschen dauern. Die Rede ist von Sommer 2019.

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