Über die „Landungsbrücken“ in die Arbeitswelt : Das Leben in den Griff bekommen

Die harte Arbeit hat ihm nichts ausgemacht – nun möchte Dennis einen Arbeitsplatz im Schiffbau    finden.
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Die harte Arbeit hat ihm nichts ausgemacht – nun möchte Dennis einen Arbeitsplatz im Schiffbau finden.

Beim Restaurieren eines alten Schiffes haben acht Arbeitslose bei der Diakonie in Husum viel fürs Leben und einen Einstieg in einen künftigen Job gelernt.

shz.de von
05. Juni 2014, 19:00 Uhr

Die Nieten am Schiffsrumpf sitzen fest. Jens kriecht aber lieber nochmal in den Bauch der „Hillyards“ und überprüft die Arbeiten. Er gehört zu den acht Teilnehmern des Wiedereingliederungsprojektes „Landungsbrücken“ unter Regie des Diakonischen Werkes Husum. Für das Vorhaben ist in der Kreisstadt eine Halle angemietet worden. „Mit dieser zertifizierten Maßnahme wollen wir Jugendliche wieder in den Arbeitsmarkt bringen“, erläutert der Geschäftsleiter für Soziales und Arbeit, Dieter Pelties. „Die Maßnahme ist ein umfangreiches Hilfsangebot, das sich nicht nur auf handwerkliche Beschäftigung beschränkt. Denn zum Projekt gehört auch ein Schulden- und Suchtpräventionsprogramm.“

Die Männer sind zwischen 17 und 38 Jahre alt und vom Sozialzentrum in Husum aus unterschiedlichen Gründen zu den „Landungsbrücken“ vermittelt worden. „Unser Ziel ist es, Vermittlungshemmnisse zu verringern oder wenn möglich, komplett zu beseitigen“, sagt Anleiter Thorsten Schnoor. Er ist gelernter Zimmermann und beschäftigt sich seit Jahren mit der Restaurierung von alten Schiffen. „Als ich die stark verrotteten Schiffe zum ersten Mal sah, bezweifelte ich, ob daraus noch was werden kann“, merkt Dieter Pelties an. Nach der wochenlangen, harten Arbeit zollt er den Projektteilnehmern Respekt und Anerkennung.

„Alle mussten ganz neu lernen, was es heißt, regelmäßig und pünktlich zur Arbeit zu erscheinen“, berichtet Schnoor. Und das musste schnell geschehen, denn es galt unter anderem, an der englischen Yacht mehr als 400 Nieten zu setzen. „In den vielen Wochen haben die Männer Durchhaltevermögen bewiesen und sind dabei als Mensch gewachsen“, freut sich der Anleiter. Das unterstreichen auch die Teilnehmer Dennis und Jens. „Für mich sind die Kameradschaft und das gemeinsame Arbeiten an einer Sache sehr wichtig gewesen“, betont Dennis. Nun hofft er, im Schiffbau Arbeit zu finden. Auch Jens, seit acht Jahren ohne Arbeit, ist mit seinen neuen Erfahrungen sehr zufrieden. „Ich hatte Langeweile und sah für mich keine Zukunft mehr.“ Doch dann wurde er über das Sozialzentrum in das Projekt vermittelt. „An den geregelten Ablauf musste ich mich erst gewöhnen. Doch dann machte es unglaublich viel Spaß. Man kann sich nicht immer die Arbeit aussuchen. Was vorliegt, muss gemacht werden, ob man will oder nicht.“

Für Dieter Pelties ist das Bootprojekt eine Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann. „Der Erfolg stellt sich aber nur dann ein, wenn die Betroffenen länger eingebunden sind.“ So werde nach einem halben Jahr eine Überprüfung des bisher Erreichten für jeden Teilnehmer vorgenommen. Bei positiver Bewertung bestehe die Möglichkeit einer Verlängerung um mehrere Monate. Dies sei in der Regel der Fall.

„In dieser Zeit geht es dann um eine ganz individuelle Förderung“, erläutert Thorsten Schnoor. Die Teilnehmer werden beispielsweise beim Erwerb des Führerscheins unterstützt. Diese Möglichkeit hat Dennis in Anspruch genommen und steht kurz vor der Prüfung. „Das ist für mein künftiges Berufsleben äußerst wichtig.“

Ohne die finanzielle Unterstützung des Kreises Nordfriesland und die hervorragende Zusammenarbeit mit den Sozialzentren in der Region gäbe es diese Hilfe nicht. Darauf weist Dieter Pelties nachdrücklich hin. „Allein könnten wir diese Aufgabe nicht bewältigen.“

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