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Giftpflanze auf dem Vormarsch : Das Kreuz mit dem Jakobskraut

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das heimische Jakobskreuzkraut ist für Mensch und Tier gefährlich, doch bekämpft wird es nicht. Auch wenn die markante Pflanze an Straßenrändern in voller Blüte steht, darf sie stehenbleiben.

Mit Macht hat der Frühling Einzug gehalten, überall grünt und blüht es, auch auf den Seitenstreifen der Gemeinde-, Kreis-, Landes- und Bundesstraßen. Bevorzugt dort, aber auch auf Brachflächen finden sich die ersten grünen Pflanzenrosetten, die unscheinbar zwischen allerlei Gräsern wachsen und ähnlich wie Löwenzahn oder Rukola aussehen. Doch darin verbirgt sich eine Gefahr für Weidetiere, die Pflanze ist in allen ihren Stadien hochgiftig. Aus den unscheinbaren grünen Blattrosetten haben sich bis zum Sommer etwa ein Meter hohe Pflanzen entwickelt, die eine Vielzahl von schön anzusehenden gelben Blüten tragen. Die Rede ist vom Jakobskreuzkraut.

Im vergangenen Jahr gab es die ersten Nachweise von Giftstoffen im Naturprodukt Bienenhonig. Darin wurden giftige Bestandteile der Pflanze gefunden, teilweise lagen sie um ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzwert. Die im Kreuzkraut enthaltenden Stoffe wie Pyrrolizidin, Alkaloide und PE werden durch Stoffwechselvorgänge zu toxischen Stoffgruppen und zerstören das Lebergewebe. Sie bewirken eine irreversible Schädigung dieses Organs. Sollten Tiere, deren Fleisch als Lebensmittel dient, die Giftstoffe aufgenommen haben, kann es auch zu einer Anreicherung und zur Schädigung der Leber beim Menschen kommen. Dies kann auch bei übermäßigem Verzehr von belasteten Honig geschehen.

Die Gefahr ist auch dem Kieler Umweltministerium bekannt. Daher wurden dort nach dem Nachweis des Stoffes im Honig verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet, die Lösungsvorschläge erarbeiten sollten. Unter anderem gab es auch Kontakt zu allen öffentlichen Liegenschaftsverwaltungen. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sei noch einmal explizit auf die Problematik und die Bekämpfungsmaßnahmen hingewiesen worden, teilte die Sprecherin des Ministeriums, Nicola Kabel, mit.

Karl-Heinz Roos, Leiter der Niederlassung Flensburg und daher auch zuständig für die Bereiche Viöl und Friedrichstadt, ist die Problematik wohl bekannt, gleichwohl aber gebe es keine Anweisung an die Straßenmeistereien, die Pflanze zu bekämpfen. „Das können wir bei der Vielzahl unserer Aufgaben gar nicht leisten“, sagt Roos. Anders sehe es aus, wenn beispielsweise neben einem Straßenabschnitt ohnehin das Jakobskreuzkraut auf einer Brachfläche bekämpft werde, dann würden auch seine Leute mit einsteigen, um in dem betreffenden Abschnitt die erneute Ausbreitung auf den Seitenstreifen zu verhindern. Ob es denn eine Anweisung gebe, speziell im Sommer, wenn die Pflanze ganz markant und gut sichtbar blüht, einzugreifen, verneint der Niederlassungsleiter. Dabei wäre dies nach Einschätzung von Biologen eine effektive Bekämpfungsmethode. Das Jakobskreuzkraut als Doldenblütler bildet ähnlich wie der Löwenzahn Unmengen von Samen aus, die vom Wind sehr weit getragen werden.

Gezielt werde nicht gegen das Jakobskreuzkraut vorgegangen, sagt der Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Viöl, Martin Hurst. Das sei den jeweiligen Gemeinden überlassen. Im Nachbaramt Nordsee-Treene sei die Diskussion verfolgt und auch die Bauhöfe unterrichtet worden, sagt Thomas Magnussen von der dortigen Ordnungsbehörde. Eine gezielte Bekämpfung finde aber nicht statt.

Blühendes Jakobskreuzkraut enthält das meiste Gift, schmeckt aber bitter und riecht beim Zerreiben unangenehm. Im Rosettenstadium dagegen sind die Pflanzen nicht bitter und werden von Weidetieren gefressen. Ebenfalls gefährlich ist getrocknetes Jakobskreuzkraut, wenn es auf gemähten Weiden liegen bleibt oder in Futtermittel wie Silage gerät. Es verliert dann nur den bitteren Geschmack, aber nicht das Gift. Die heimische Pflanze hat sich in den vergangen Jahren stark ausgebreitet, besonders an Straßenrändern, Bahndämmen, auf Naturschutzflächen und extensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen.

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erstellt am 23.Apr.2015 | 10:00 Uhr

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