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Christdemokraten betroffen : „Das ist leider in die Hose gegangen“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schlappe bei der Landratswahl arbeitete die CDU jetzt bei ihrem Kreisparteitag in Husum auf. Trotz ihrer Mehrheit im Kreistag hatten Christdemokraten, Grüne und Liberale den eignen Bewerber nicht durchbringen können.

Die Schlappe bei der Landratswahl ist noch nicht verwunden: „Wenn es so einen Betriebsunfall gibt, dann ist das bitter“, räumte Reimer Böge beim CDU-Kreisparteitag im Husumer Nordsee-Congress-Centrum freimütig ein. Für den Landesvorsitzenden gibt es da nur einen Weg: Raus an den Deich oder zum Spaziergang über die Felder, kräftig durchatmen, um den Kopf wieder freizubekommen und dann weiterzukämpfen.

Fraktions-Chef Tim Hanke hatte sogar seinen Rücktritt angeboten, nachdem sich nicht der gemeinsame Bewerber der Kreistags-Fraktionen von CDU, Grünen und FDP durchgesetzt hatte, sondern per Losentscheid Nordfrieslands amtierender Landrat Dieter Harrsen (wir berichteten). Die Mehrheit der Dreier-Kooperation gab es nur auf dem Papier. „In geheimer Wahl ist das leider in die Hose gegangen“, stellte Hanke am Donnerstagabend nüchtern fest. Aber in einem demokratischen Prozess könne das passieren. Er gehe Schwierigkeiten nicht aus dem Weg, und die Fraktion habe sich einstimmig hinter ihn gestellt. „Mein Vertrauen in die CDU-Fraktion und in die Kooperation ist so groß, deshalb bleibe ich noch ein bisschen“, so Tim Hanke. Betroffen zeigte er sich allerdings über ehrenrührige und verletzende Anwürfe seitens des politischen Gegners.

Als bedauerlich bezeichnete der CDU-Kreisvorsitzende Ingbert Liebing (MdB) den Ausgang der Landratswahl und wies Kritik an dem im Vorfeld mit den Fraktionen vereinbarten Verfahren zurück. Dass zwei CDU-Abgeordnete angekündigt hatten, für Harrsen zu stimmen sei zu akzeptieren, so Liebing, Dass sich zwei weitere – „aus welcher Fraktion auch immer“ – schließlich in der geheimen Wahl enthalten hatten nannte er schlichtweg „ärgerlich“.

Immerhin sprach Liebing an diesem Abend Klartext, warum Dieter Harrsen bei der CDU dermaßen in Ungnade gefallen war. Das „No-go“ sei sein Konterfei auf SPD-Plakaten zur Kommunalwahl gewesen: „Als hauptamtlicher Landrat oder Bürgermeister darf man sich nie von einer Partei instrumentalisieren lassen. So etwas macht man nicht“, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende vor rund 100 Anwesenden. Wichtig sei es nun, zur Sachpolitik zurückzukehren. Liebing: „Wir werden mit dem ausgelosten Landrat vernünftig zusammenarbeiten, wie wir es in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben.“

Der Fokus richtet sich natürlich auch auf die bevorstehende Bundestagswahl am 22. September. „Die Stimmung ist gut, aber das Rennen ist noch nicht gelaufen“, warnte Liebing und brach eine Lanze für die Kanzlerin Angela Merkel. Im Übrigen befürchtet auch Landes-Chef Reimer Böge, dass es knapp werden könnte bei der Bundestagswahl.

In Sachen Infrastruktur und Verkehr warf Liebing der Landesregierung schwere Versäumnisse vor. „Wir sehen, dass Schleswig-Holstein unter einer solchen Politik zu leiden hat. Das darf im Bund nicht Schule machen.“ Nach ihrem guten Ergebnis bei der Kommunalwahl wollen die Christdemokraten nun durchstarten, um erneut mit deutlichem Abstand stärkste politische Kraft im Land zu werden. „Da ist noch Luft nach oben“, sieht Ingbert Liebing zumindest die Christdemokraten in Nordfriesland dabei auf einem Erfolg versprechenden Weg. Denn erstmals seit Jahren ist es nach seinen Aussagen gelungen, die Mitgliederbasis zu stabilisieren und netto neue Mitstreiter hinzuzugewinnen. Derzeit gehören dem Kreisverband rund 1400 Mitglieder an.

Der CDU-Landesvorsitzende und Europaabgeordnete Reimer Böge skizzierte Herausforderungen der Zukunft. Für alle wichtigen Verkehrsprojekte gelte es, so schnell wie möglich Planungs- und Baureife herzustellen, „sonst werden wir irgendwann aus der Luft versorgt“. Der Ausbau von Kita-Plätzen sei ein absoluter Erfolg. Immer noch stünden aber zu viele junge Leute am Ende ihrer Schulzeit ohne Abschluss da. „Das können wir uns nicht mehr leisten“, betonte Böge mit Blick auf den demografischen Wandel. Und zum Thema Migration: „Integration heißt am Ende auch Zukunftssicherung.“

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erstellt am 31.Aug.2013 | 13:27 Uhr

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