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Husumer Nachrichten

15. Dezember 2017 | 02:23 Uhr

Langenhorn : „Das ist Kirche zum Anfassen“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vier Leser der Husumer Nachrichten gingen mit HN-Redakteur Stephan Bülck auf den Dachboden der Langenhorner St.-Laurentius-Kirche.

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 11:00 Uhr

Theresia Siefert, Joachim Hoffmann (beide Langenhorn), Brigitte Wolff (Mildstedt) und Jürgen Paulsen (Husum) sind gespannt. Sie dürfen heute dorthin, wo außer Handwerkern nur wenige jemals waren: auf den Kirchenboden von St. Laurentius.

Pastor Guido Jäckel begrüßt die Gäste der Husumer Nachrichten, dann übernimmt Küster Ernst-Uwe Brodersen, der einen Tag zuvor sein 20-jähriges Dienstjubiläum beging, beginnt den Rundgang mit einer kurzen Einführung in die Kirchengeschichte. Von ihm erfahren die Gäste, dass die Kirche, der ursprüngliche Teil besteht seit 1240, mehrfach umgebaut wurde. 1684 wurde der Innenraum mit Altar, Kanzel und Taufbecken eingerichtet, der gotische Kern wurde 1721/22 im Süden durch einen Anbau ergänzt. 1759 folgte die Ostverlängerung, 1838 wurde neu verblendet. Zu erkennen seien die unterschiedlichen Bauabschnitte an verschiedenfarbigen Außenmauern.

„Jetzt wollen wir aber nach oben“, sagt Brodersen. Zunächst geht es eine schmale Treppe hinauf auf die Empore. Eine Alu-Leiter führt weiter nach oben durch eine schmale Bodenluke. Dann sind Theresia Siefert, Joachim Hoffmann, Brigitte Wolff und Jürgen Paulsen am Ziel: der Dachboden. Riesig, nach oben hin fast endlos wirkend, wären da nicht die vielen eingezogenen Träger. Der größte Teil ist aus Holz unterschiedlicher Jahrhunderte – immer wieder ausgetauscht und ergänzt. Schnell verteilen sich die Besucher auf der T-förmigen Fläche, die durch Holzwände zweigeteilt ist, durch Ständerwerk, an dem die Kirchendecke aufgehängt ist, unterbrochen. Alte Holzleitern führen, an die Balken genagelt, senkrecht in die Höhe, die Sprossen sind teilweise schon weggebrochen. „Dorthin nehmen wir sowieso nur noch Aluleitern“, sagt Ernst-Uwe Brodersen lachend.

Für Architektin Brigitte Wolff und Ingenieur Jürgen Paulsen, gelernter Zimmermann, ist das eine Fundgrube. Sie sind begeistert, diskutieren, wie die Handwerker von damals, die sich häufig in Wänden und Balken mit Namen und Jahreszahl verewigt haben, hier vorgegangen sind. Mit Taschenlampen und Fachkenntnissen nehmen sie das Sprengwerk unter die Lupe, betrachten interessiert die gezapften Sparren und suchen nach den Gebindemarkierungen – alte Zimmermannszeichen. Einige der uralten Balken haben auffällige Aussparungen, wo sie eigentlich keinen Sinn machen. Für Jürgen Paulsen ein Hinweis darauf, dass sie mehrfach verwendet wurden, ursprünglich vielleicht sogar aus anderen Gebäuden stammten. „Holz war rar damals.“ Er ist begeistert: „Ich habe Ehrfurcht vor der alten Handwerkskunst. Nur aus Gefühl und Überlieferung hat man etwas geschaffen, wozu wir heute eine riesige Statik benötigen.“ Und auch die Architektin Brigitte Wolff ist beeindruckt: „Es ist kulturprägend, was hier erhalten wird.“

„Ich bin fasziniert und begeistert“, bekennt Joachim Hoffmann. „Es ist eine Einmaligkeit, die Kirche einmal von oben zu sehen.“ Und der Dachboden birgt noch mehr. Trotz fehlender Lichtquellen tauchen immer wieder Dinge auf, die irgendwann hier abgelegt wurden: Kirchenbänke für Kinder und Erwachsene, ein altes Holzwappen – und Beweise dafür, dass es hier oben Leben gibt: Fledermauskot. „Die sind hier zu finden“, bestätigt Ernst-Uwe Brodersen. Dann geht der Küster zum Ostflügel und öffnet die Luke nach außen – die einzige Möglichkeit, mit Seilen sperrige Gegenstände hier herauf zu bekommen. Frei wird eine umwerfende Sicht über den großflächig angelegten Friedhof.

Den Abschluss der fast zweistündigen Entdeckungsreise bilden ein Blick auf die Orgel und in den Glockenturm. Theresia Siefert: „Diese Kirche strahlt Leben und Geschichte aus. Ich bin fasziniert davon, was sie erlebt hat.“ Und sie freut sich darüber, dass die Kirchengemeinde und die Husumer Nachrichten diese Besichtigung ermöglicht haben. „Das sollte unbedingt wiederholt werden, damit noch mehr Menschen diese Chance erhalten, die Kirche zum Anfassen erleben zu können.“

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