Friedrichstadt : „Das ist einfach inakzeptabel“

Zur Zeit nicht sehr ansehnlich: die Wand des Hauses Nummer 52.
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Zur Zeit nicht sehr ansehnlich: die Wand des Hauses Nummer 52.

Die Polizei ermittelt gegen Unbekannte, die Nazi-Parolen an das Schiefe Haus am Mittelburgwall gepinselt haben.

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20. Januar 2018, 08:00 Uhr

„Für mich sind das Schmierfinken. Was soll denn sowas?“, fragt die Bewohnerin des Hauses, das am Mittelburgwall 52 steht, kopfschüttelnd. „Ich bin empört, dass so etwas wieder aus der Schublade geholt wird und will das nicht hinnehmen. Das ist einfach inakzeptabel.“ Man muss sich etwas anstrengen, um zu entziffern, was mit schwarzer Lackfarbe an die Hauswand gepinselt wurde. Es ist kein vollständiger Satz, aber nach einem kurzen Moment wird klar, dass es sich um Nazi-Parolen handelt.

Am Sonnabendnachmittag (13.) war die Friedrichstädterin gerade dabei, den Weg vor ihrem Haus zu fegen und nach den Rosen zu schauen, als sie bemerkte, dass irgendetwas an ihrer Hauswand klebte. „Erst dachte ich, das sei Matsch. Doch nach einer Weile konnte ich entziffern, was da wirklich stand.“ Bemerkt habe sie von der Tat nichts, geht aber davon aus, dass der oder die Unbekannten ihr „Werk“ in großer Eile verrichtet haben. Seit vielen Jahren wohne sie schon in dem Eckhaus, das auch das Schiefe Haus genannt wird. Es zählt zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden der Grachtenstadt und stammt aus den 1620er-Jahren. Seinen Namen verdankt es dem weit nach vorne geneigten Westgiebel. Vor allem für Touristen ist das denkmalgeschützte Haus ein beliebtes Fotomotiv.

Da die Polizeistation in Friedrichstadt am Wochenende nicht durchgehend besetzt ist, wollte sich die Bewohnerin gleich am Montag bei den Beamten melden und Anzeige erstatten. Zufällig fuhr in der Nacht zum Sonntag jedoch eine Streife der Husumer Kollegen vorbei, die den Fall dann aufnahmen, berichtet die Friedrichstädterin.

Die Abteilung K 5, Staatsschutz, habe nun die Ermittlungen aufgenommen, teilt Sandra Otte, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg, auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Die Kollegen werden immer dann eingeschaltet, wenn es um mögliche politisch motivierten Themen geht“, erklärt Otte. Andere Farbschmierereien in Friedrichstadt seien der Polizei bislang nicht bekannt.

Die Bewohnerin hat mittlerweile einen Maler zu Rate gezogen, der sich kommende Woche um die Hauswand kümmert. Einfach überstreichen sei bei der Lackfarbe nicht möglich, die Stelle müsse vorher gefräst werden. Was das kosten werde, sei offen. Da es sich um Vandalismus handele, sei die Versicherung angeschrieben worden.

Zeugen und Hinweisgeber können sich an die Flensburger Polizei, Abteilung, Staatsschutz unter Telefon 0461/4840 oder an jede andere Polizeidienststelle wenden, betont Polizeisprecherin Sandra Otte.

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