zur Navigation springen

Verliebt in Holsteiner : Das größte Glück der Erde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Tönninger Wilhelm Harring züchtet seit vielen Jahren Holsteiner. Stolz ist er auf seine Siegerstute Cassinja. Die Gewinnerin der vergangenen Schau in Behrendorf gehört Sohn Torge – die beiden Männer sind sich einig: Diese Schönheit wird nicht verkauft.

Für die einen ist es nur ein grasendes Pferd auf der Weide, für die anderen ein ganz besonderes Tier, das mit Geld nicht zu bezahlen ist. Der Tönninger Wilhelm Harring kann von seinem Wohnzimmer aus auf seine kleine Pferdeherde schauen: für ihn eines der schönsten Bilder, die er sich vorstellen kann.

Friedlich laufen die Stuten mit ihren Fohlen umher und genießen das saftige Grün. Gleich nebenan, auf einer anderen Weide, grast eine braune Stute. Es ist Cassinja, die bei der vergangenen Stutenschau in Behrendorf den ersten Platz belegt hatte. Für Züchter Wilhelm Harring war es der erste Sieg mit einem seiner Tiere in Behrendorf. Anschließend gab es zwar Kauf-Angebote für die dreijährige Stute, aber verkauft werden soll Cassinja nicht. Sie ist zu wertvoll für Harring und seinen Sohn Torge, dem das schöne Pferd gehört – an Geld denken die beiden dabei nicht.

Seit Kindesbeinen an gehören Pferde zum Leben des
74-Jährigen; an die Zucht wagte sich der Nordfriese 1968 erst einmal langsam heran. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern waren Kaltblüter viele Jahre wichtige Helfer auf dem Hof. Die robusten Pferde hatten die Kraft, um Pflüge und Wagen zu ziehen. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Technisierung wurden sie jedoch wegrationalisiert. Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre, hielt mehr und mehr das Holsteiner Pferd Einzug in Nordfriesland.

„Sie haben einen guten Charakter und eine hohe Leistungsbereitschaft“, weiß Wilhelm Harring aus Erfahrung. Dass er die zur Genüge hat und dazu noch ein enormes Fachwissen, wird schnell deutlich, als er in die Welt der Holsteiner Zucht eintaucht. So erzählt der Nordfriese von den Fohlen, dessen langsame Gewöhnung an die Menschen, von ersten Prüfungen für die Jungtiere, verschiedensten Stämmen, Bewertungen der Jury, Eintragungen ins Register und die dafür zu erfüllenden Kriterien, Qualifizierungen in Elmshorn, Urkunden und Abstammungsscheinen sowie vom Idealismus, der zur Zucht „einfach dazu gehört“. Denn die kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Und auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Harrings mit Ackerbau und Milchviehhaltung gibt es auch ohne Pferdezucht alle Hände voll zu tun.

Wenn Wilhelm Harring von der Siegerstute Cassinja spricht, fällt das Wort „Vertrauen“. Das Pferd vertraue ihnen und sie vertrauten dem Pferd. „Sie gewinnt mit jeder Vorführung an Selbstvertrauen“, meint Torge Harring, während der Vater von „Bereicherung“ und „Lebensqualität“ in Bezug auf die Pferde spricht.

Seine erste Holsteiner Stute, die er erwarb, hieß Bora. 1975 und 1989 kaufte Harring aus einem bewährten Stamm Fohlen und baute darauf seine Zucht auf. Unter anderem verkaufte er eine Stute an den bekannten Springreiter Paul Schockemöhle.

Geld sei in der Zucht nicht entscheidend, betont der Senior, sondern „das züchterische Denken“. Die Gleichung teure Stute plus teurer Hengst gleich teures Fohlen funktioniere Gott sei dank nicht. „Nach wie vor liegt die Geburt eines Fohlens in der Sache der Natur, und das ist auch gut so. Eine hübsche Mutter und ein hübscher Vater machen ja auch nicht nur hübsche Kinder.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen