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Husumer Nachrichten

17. Oktober 2017 | 19:47 Uhr

Husumer Herrenhaus : Das Geheimnis des Phönix

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stuckdecke im Herrenhaus bietet Interpretationsspielraum: Verrät sie, dass die Herzogin Augusta eine heimliche Liebschaft pflegte?

von
erstellt am 11.Jun.2017 | 10:17 Uhr

Da sie eine der ältesten erhaltenen Renaissance-Decken überhaupt ist, hat die Stuckdecke im Herrenhaus am Husumer Markt ohnehin historischen und touristischen Alleinstellungscharakter in Nordfriesland. Doch auch für Freunde romantischer Geschichten bieten die Verzierungen in dem 1441 erstmal erwähnten Haus Unterhaltungsstoff – auch wenn der sich historisch nicht knallhart belegen lässt.

Fest steht: Die Herzogin Augusta bewohnte das Herrenhaus von 1624 bis 1639 als Stadtresidenz und ließ das Gebäude prachtvoll ausstatten. Die Stuckdecke im ersten Obergeschoss stammt aus dem Jahr 1625, im Zentrum steht ein aus der Asche auferstehender Phönix, weiterhin zeigt die Decke unter anderem verschiedene Obst- und Gemüse-Ensembles. Die offensichtliche Deutung der Motive: Sie spiegeln die christlich-lutherische Glaubenshaltung der Herzogin wieder, der Phönix symbolisiert also den auferstandenen Jesus, die Trauben das Blut Christi.

Anlässlich der Sanierung der Decke haben sich allerdings auch Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Fachrichtungen mit ihr beschäftigt, erzählt Hausbesitzer Bernd Biermann. Und ein Professor für englische Literaturwissenschaft fand für die Symbole eine weitere Interpretation. Kurz zusammengefasst: Die wechselnde Anzahl der Früchte in den einzelnen Stuckelementen deuten für ihn auf das Versmaß eines Shakespearschen Gedichts hin. Vom Barden, mit dessen Werken die zu dieser Zeit schon verwitwete Herzogin vertraut war, stammt auch das Klagegedicht „The Phoenix and the Turtle“ (Der Phönix und die Turteltaube), das die Liebe zwischen dem starken Phönix und der treuen Taube behandelt.

Es könne nun durchaus sein, so die Theorie, dass am Schnabel des Stuck-Phönix im Herrenhaus einst eine kleine Taubenfigur gehangen habe, die verlorengegangen sei, sagt Biermann. Und dass – Doppeldeutigkeiten und Rätsel waren in der Renaissance beliebt – die Herrenhaus-Decke eine heimliche Hommage an eine Beziehung der mächtigen Herzogin (= Phönix) zu einem Liebhaber (= Taube) gewesen ist.

Ob’s so war? Man weiß es nicht. Hübsch (und publikumswirksam) ist die literaturwissenschaftliche Liebes-Interpretation der Herrenhaus-Decke allemal.

Eine ganz neuzeitliche Verzierung weist das prominente Husumer Gebäude jetzt an seiner Außenwand im Schlossgang auf: Am Freitag montierte dort Günter Klatt, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, gemeinsam mit Biermann eine Bronzetafel mit dem Hinweis „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der GlücksSpirale“. Die Stiftung hat die Sanierung des 1441 erstmal erwähnten Hauses mit 14  000 Euro und das Land die Arbeiten mit insgesamt 144  000 Euro unterstützt.


Wer die Stuckdecke selbst in Augenschein nehmen will, kann dies zu den Öffnungszeiten der dort untergebrachten Galerie tun.

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