"Sonnenhof"-Musikfete : Das ganze Dorf steht dahinter

Nach und nach findet jeder Besucher seinen Platz. Fotos: Ursula Konitzki
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Nach und nach findet jeder Besucher seinen Platz. Fotos: Ursula Konitzki

Die Veranstaltung auf dem "Sonnenhof" ist legendär. Jugendliche haben hier Gelegenheit, ihr Können an Instrumenten zu beweisen. Denn immer wird auch aufgeräumt. Ärger und Randale gab es auch bei der fünften Großfete nicht.

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20. August 2008, 09:31 Uhr

Emmelsbüll-Horsbüll | Auf der Landstraße von Klanxbüll in Richtung Horsbüll sind Jugendliche in Gruppen fröhlich schnackend unterwegs. Ihr Ziel ist der "Sonnenhof". In der ehemaligen Schule werden Jugendbands auftreten, berichten die jungen Leute.

Der Weg ist ziemlich weit. 30 Minuten werden die Musikfans sicher noch laufen müssen. Ein Bus fährt nicht. Den jungen Leuten macht das nichts aus. Sie wollen dabei sein, wenn auf dem "Sonnenhof" mal wieder die "Post abgeht".
400 Jugendliche - keine Beanstandungen
Je später der Abend, desto zahlreicher die Gäste beim "Horsbüller Open Air", einem Projekt der Kirchengemeinde Emmelsbüll, das in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge stattfindet. Es ist wieder ein Riesenerfolg. 400 Jugendliche werden registriert, die an der Kasse zwei Euro zahlen. Dafür erhalten sie später von Organisatorin Helga Christiansen "Monopoli-Geld", für das sie sich mit Bratwurst und Getränken versorgen können. Was übrig bleibt, fließt, wie immer, in die Jugendarbeit.
Wenn sich bei einer Open-Air-Veranstaltung 400 Jugendliche treffen, die letzten Gäste erst um sechs Uhr morgens nach Hause gehen und es rein gar nichts zu beanstanden gibt, dann kann jeder Organisator zufrieden sein und beschließen: "Das machen wir im nächsten Jahr wieder." Helga Christiansen und ihre ehrenamtlichen Helfer von der evangelischen Jugend sind sehr zufrieden.
Eine Frau hat alles im Griff
Auf dem Gelände des Sonnenhofes hat die engagierte Frau alles im Griff. Wer Fragen hat, wird an Helga verwiesen, die auch im größten Gewusel freundlich und gelassen bleiben. Ihr schönster Lohn, wie sie sagt, ist, dass "alles ruhig verläuft". Es gibt weder Streit noch Randale. "Die Jugendlichen räumen alles blitzblank auf, es ist einfach super", schwärmt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, die tüchtig mithelfen.

Helga Christiansen engagiert sich als ehrenamtliche Jugendwartin seit langem für junge Menschen in den Dörfern ihrer Kirchengemeinde Emmelsbüll-Horsbüll und Neugalmsbüll. Bürgermeister Günther Carstensen schätzt sich glücklich, "eine so gute Seele für die jungen Menschen in den Gemeinden zu haben". Der Bürgermeister, der mit Ehefrau Ursel gekommen ist, eröffnet die Veranstaltung mit wohlwollenden Worten. Die Bandmitglieder von "Craisy Noice", "De Levery", "String 24", "srambledX", "Jan Wächter" und "Cross over" sind nicht älter als 25. Helga Christiansen: "Sie sind glücklich, dass sie hier ihre Talente unter Beweis stellen und öffentlich auftreten können." Bereits eine Woche vorher haben die Jugendlichen ihre Technik aufgebaut, die am Veranstaltungsabend erst einmal durchknallt. Der Grund: Statt 220 gelangen 400 Volt durch die Kabel - ein Versehen eines Elektrikerbetriebes. Es dauert knapp zwei Stunden, bis Ersatz beschafft werden kann.
"Das ist hammergut."
Die Gruppe "scrambledX" mit Thies Henning, Mats, Dominic und Simon spielt kurzerhand ihren Powerpop und Rock statt auf der Bühne auf den bereit gestellten Strohballen, was der ganzen Sache einen urig-gemütlichen, improvisierten Touch gibt. Marie Lenke aus Stedesand und ihre Freundinnen Schalin Backes aus Dagebüll und Anna Paysen aus Niebüll haben beim "Open-Air 2007" bis vier Uhr durchgehalten. "Das ist hammergut hier", schwärmen sie. Man könne sogar auf dem Sonnenhof-Gelände in Zelten nach der Veranstaltung noch ein paar Stunden schlafen.

"Das ganze Dorf steht hinter der Veranstaltung", erklärt Helga Christiansen. "Die Mädchen und Jungen haben was vor, sind von der Straße weg." Man solle die Jugend nicht schlecht reden, meint sie. "Wir wollen die jungen Menschen doch." Alle sechs Bands spielen ohne Gage. Die Helfer werden zum Dank im November zum "After-Open-Air" eingeladen.

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