zur Navigation springen

Husum als Tagungsort : Das Ferdinand-Tönnies-Symposium bleibt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In einer Nachbesprechung einigte sich der Beirat darauf, das alle zwei Jahre stattfindende Ferdinand-Tönnies-Symposium auch künftig in Husum zu belassen. In Kiel soll es Ferdinand-Tönnies-Tage geben.

von
erstellt am 18.Jan.2016 | 11:30 Uhr

Selbstkritisch gaben sich die Beiratsmitglieder in ihrer ersten Sitzung nach dem 9. Internationalen Ferdinand-Tönnies-Symposium in Husum. Am 22. und 23. November hatten Wissenschaftler aus aller Welt im Nordsee-Congress-Centrum über Fragen „Nationaler Minderheiten in Europa“ beraten (wir berichteten). Jetzt bat Bürgermeister Uwe Schmitz, Schirmherr der Veranstaltung, zur Nachbesprechung ins Rathaus. Dabei ging es vor allem um drei Fragen: Wird Husum Schauplatz des Symposiums bleiben? Wenn ja, auf welcher Basis? Und wer wird dann noch mit an Bord sein?

Die gute Nachricht zuerst: Obgleich der langjährige Geschäftsführer der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft in Kiel, Dr. Uwe Carstens, mit 67 Jahren in den Unruhestand wechselt und sich fortan ganz der Forschung zuwenden will, bleibt die FTG Hauptveranstalter des Symposiums. Der etwas andere Wissenschaftskongress hatte vor fünf Jahren in der Storm-Stadt eine feste Bleibe gefunden, nachdem er zuvor von einer europäischen Metropole zur nächsten gewandert war.

Die Wahl des neuen Domizils – mit dem Soziologen Tönnies und dem Hirnforscher Oskar Vogt war Husum selbst Herkunftsort respektive Wirkungsstätte namhafter Wissenschaftler – veränderte zugleich das Profil des Kongresses. Hatten sich die Tagungen bis dahin doch recht eng am Leben und Werk ihres Namensgebers orientiert, so öffneten sie sich 2011 für aktuelle Fragen der Zeit. Unter der Überschrift „Life Sciences – Die Neukonstruktion des Menschen?“ ging es unter anderem um Entwicklungen in der Nano- oder Computer-Technologie, die den Menschen unwiderruflich und mit allen erdenklichen Folgen ins Zentrum des Geschehens auf unserem Planeten rücken.

An diesen Punkt knüpfte auch die Neuausrichtung an: „The congress goes public“ – zu deutsch: Weil sie jeden betreffen und alle Menschen an den „Life-Sciences-Prozessen“ teilhaben, sollten Themen künftig so aufbereitet werden, dass auch Bürger ohne akademische Bildung sie verstehen.

Das gelang nicht immer und machte aus dem Symposium auch keinen Publikumsmagneten. Mit der Resonanz gerade des jüngsten Kongresses waren die Beiratsmitglieder dennoch zufrieden. Natürlich sei es schwierig, eine breite Öffentlichkeit für derlei Themen zu interessieren – noch dazu, wenn diese nur in ihren hochkomplexen Zusammenhängen dargestellt und begreiflich gemacht werden könnten“, räumte Arno Bammé, emeritierter Professor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, ein. Gleichwohl wollen die Beiratsmitglieder an diesem Konzept festhalten.

Karsten Rüsch von der Sektion Husum der Universitätsgesellschaft Schleswig-Holstein sprach sich zudem für „eine feste Adresse“ aus – „auch wenn wir nicht erwarten können, dass sich die Stadt über Nacht in einen Wallfahrtsort für die Wissenschaft verwandelt“. Uwe Carstens zitierte den Präsidenten der FTG, Prof. Alexander Deichsel, der das Symposium ebenfalls gern in Husum belassen möchte. Allerdings habe die FTG beschlossen, quasi als Ergänzung sogenannte Tönnies-Tage einzuführen, in denen es ausschließlich um das Leben und Werk des Soziologen gehen soll.

Prof. Thomas Steensen, Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und vierter Mitveranstalter des Symposiums, lobte Inhalt und Verlauf der Veranstaltung und sagte zu, sich auch weiterhin aktiv einzubringen. Und Arno Bammé fasste die Situation mit den Worten „Andere scheitern, wenn sie in der Krise stecken; da sollten wir nicht auf dem bisherigen Höhepunkt des Erfolges die Segel streichen“ zusammen.

Es wird also weitergehen. Auf ein Thema verständigte sich der Beirat allerdings noch nicht, da er dem neuen FTG-Geschäftsführer, der im März benannt werden soll, nicht vorgreifen will. Einig waren sich alle Beteiligten, dass künftige Themen mit Blick auf das öffentliche Interesse stets einen regionalen Bezug haben müssten.

Natürlich seien auf organisatorischer Ebene Fehler gemacht worden, hieß es abschließend. Aber eben auch: „Beim nächsten Mal werden wir andere Fehler machen  .  .  .“ Gewiss, aber wichtiger ist: „Das es ein nächstes Mal gibt“, fand Bürgermeister Schmitz.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen