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Prozess im Schöffengericht Husum : Das fast perfekte Verbrechen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Raubüberfall auf Husumer Schnellrestaurant: Ein 25-Jähriger legt ein umfangreiches Geständnis ab – obwohl ihm die Polizei noch gar nicht auf die Schliche gekommen war.

Diesen Strafprozess kann man als Lehrstück gegen religiöse Vorurteile bezeichnen: Im Mittelpunkt stand der bewaffnete Raubüberfall auf ein Husumer Schnellrestaurant in der Flensburger Chaussee. Als – damals „trinkfreudiger“ – Christ hatte der Angeklagte die Tat Mitte August 2013 begangen. Inzwischen zum Islam übergetreten, legte der 25 Jahre alte Mann ein volles Geständnis ab, zeigte erkennbar echte Reue und Mitleid für seine Opfer, die er damals in Angst und Schrecken versetzt hatte. Darüber hinaus half er der Polizei bei der Ermittlung von Straftaten, die andere begangen hatten, rührt keinen Tropfen Alkohol mehr an, hat inzwischen geheiratet, ist Vater geworden und hat sogar Chancen auf eine berufliche Tätigkeit. In der Vergangenheit war er weder mit seiner Arbeit noch mit seinen Kollegen zurechtgekommen, hatte mehrmals eine Ausbildung abgebrochen und schließlich seinen letzten Job verloren.

Vom Gericht vor diesem Hintergrund außer zur Tat auch zu seinem Glaubenswechsel befragt, distanzierte sich der Angeklagte deutlich von Gewalttaten wie denen des IS und gab von sich aus zu: Er – nicht sein Mittäter, gegen den später verhandelt wird, – sei bei dem Raubüberfall die treibende Kraft gewesen. Der 25-Jährige habe die Warnschüsse bei dem Überfall abgegeben. Die Tat sei von beiden gleichermaßen geplant worden. Allerdings habe er die Idee gehabt, wo und wie man alle Beweismittel beseitigen konnte – und natürlich habe er auf mehr Beute spekuliert als jene 3320 Euro, die ihm und seinem Mittäter damals in die Hände gefallen waren, so der Angeklagte. Beide Männer hätten sich die Beute geteilt. Ausgegeben habe er das Geld „für nichts Sinnvolles“, sondern für Disco-Besuche und modische Kleidung, fügte der Geständige hinzu.

Auf die Frage, warum er sich selbst so belastete, hatte der einstige Christ eine einfache Antwort: „Muslime dürfen nicht lügen.“ So meinte denn die Staatsanwältin, der Islam sei für den Angeklagten eine „wichtige“ Stütze, und das Schöffengericht Husum verurteilte ihn nach seinem „perfekten Geständnis“ statt zu einer mehrjährigen Haftstrafe ohne Bewährung zu einem Jahr und zehn Monaten mit Bewährung. Allerdings muss der Familienvater, obwohl er derzeit Hartz-IV-Empfänger ist, in 50-Euro-Raten insgesamt 600 Euro an eine Flüchtlingseinrichtung bezahlen.

Zum damaligen Tatgeschehen: Als der in Husum geborene Mann in Nürnberg seinen Job verloren hatte und das Arbeitslosengeld auf sich warten ließ, stattete er seiner Heimatstadt einen Besuch ab und hatte eine Schreckschusspistole dabei, die er einst „zur Knallerei an Silvester“ gekauft hatte. Während seines Aufenthalts in Husum war er fast direkt gegenüber des bekannten Schnellrestaurants untergekommen. Das brachte ihn und einen alten Bekannten auf die Idee, die Filiale zu überfallen. In Flensburg wurden Platzpatronen für die Schreckschusspistole sowie Motorradmützen gekauft, die die Männer als Masken benutzten. Am Tattag warteten die beiden bis kurz vor Ladenschluss. Gegen 0.55 Uhr gab der Angeklagte in dem Restaurant zwei Warnschüsse ab, bedrohte den Filialleiter mit der Waffe und ließ sich die Beute aushändigen während der zweite Täter die vier bis fünf Mitarbeiter im Auge behielt. Nach der Tat flüchteten die beiden Männer in die Wohnung des Angeklagten. Die beim Überfall verwendete Sporttasche und die Waffe warfen sie später in einen abgelegenen See bei Hollingstedt.

Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht waren sich einig: Die beiden hatten „eigentlich das perfekte Verbrechen begangen“, das normalerweise wohl kaum aufgeklärt worden wäre.

Einige Monate nach dem Raubüberfall konvertierte der Angeklagte zum Islam. Schon kurz zuvor hatte er sich gestellt und seine Tat in vollem Umfang zugegeben, ohne dass er bis dahin ins Visier der Polizei geraten war. Und noch etwas sprach für den Angeklagten: Der damalige Mittäter ist gebürtiger Albaner und war zusammen mit einem Kurden, einem Afghanen und einem Deutsch-Russen in Drogengeschäfte verwickelt. Diese vier versuchten damals, den Angeklagten durch Druck auf ihn und seine Angehörigen zum Mitmachen bei anderen Straftaten zu bewegen. Doch der 25-Jährige blieb standhaft und offenbarte sich der Polizei.

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