Bauprojekt in Husum : Das Ende eines über 200 Jahre alten Baums

So sah der Baumstamm heute Nachmittag aus.
So sah der Baumstamm heute Nachmittag aus.

Ein Husumer Bauherr lässt ein 200 Jahre alte Blutbuche fällen – es drohe Gefahr, dass sie aufs Nachbarhaus stürzt . Von den Grünen kommt scharfe Kritik.

von
19. Juli 2018, 17:13 Uhr

Damit hätte Frank Hofeditz in seiner ersten Woche als amtierender Bürgermeister von Husum nicht gerechnet: Zum ersten Mal vertritt er Uwe Schmitz, der im Sommerurlaub ist, und prompt wird er mit einer dramatischen Entwicklung eines seiner Herzens-Themen in seiner Funktion als Grüner Fraktionsvorsitzender konfrontiert. Die Grünen hatten sich in den vergangenen Monaten stark dafür eingesetzt, dass eine über 200 Jahre alte Blutbuche auf einem Baugrundstück an der Asmussen-Straße erhalten bleibt. Am Donnerstagmorgen Morgen dann die Nachricht: Der Baum soll noch am selben Tag gefällt werden. „Ich habe überlegt, ob ich in meiner aktuellen Funktion als Bürgermeister die Baustelle stilllegen kann, wurde dann aber vom Bauamt darauf hingewiesen, dass dies doch einige Konsequenzen für die Stadt haben könnte“, erklärt Hofeditz. Und auch Gespräche mit dem Bauherren und anderen Behörden brachten nichts – gegen viertel vor elf machten sich die Arbeiter auf der Baustelle mit der Motorsäge ans Werk.

Ast für Ast wurde die Blutbuche abgesägt.
Foto: Stefan Patersen
Ast für Ast wurde die Blutbuche abgesägt.
 

Auch wenn dies rechtlich offenbar möglich ist – unter anderem gibt es für das Gebiet der Baustelle keinen Bebauungsplan –, ein wenig überraschend ist diese Entwicklung schon: Der Bauherr werde „alle erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt des Baumes“ treffen, hatte Bauamtschef Jörg Schlindwein noch auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses versichert. Und auch der Bauherr selbst, Hans-Peter Sobottka, erklärte gegenüber unserer Zeitung, „dass dieser prächtige Baum erhalten bleiben soll, daran habe ich auch ein persönliches Interesse“. Garantieren, das sagte Sobottka allerdings schon damals, könne er das nicht – er wisse beispielsweise nicht genau, wo die Wurzeln des Baumes entlang führen.

Donnerstagvormittag begann die Fällung des Baumes.
Foto: Silke Kurtz
Donnerstagvormittag begann die Fällung des Baumes.
 

Damit hatte sich Hofeditz dagegen beschäftigt: Er wies das Bauamt im Mai darauf hin, dass die Wurzeln auf der Westseite durch den Bau des geplanten Mehrfamilienhauses stark beeinträchtigt werden. Und diese Wurzeln sind nun auch der Grund, warum der Baum doch verschwinden muss, hieß es am Donnerstag auf der Baustelle. Genauer erläutert Bauherr Sobottka die Gründe: Der gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsbeauftragte der Baustelle habe erklärt, er könne die Bauarbeiten so nicht verantworten: Es bestehe die Gefahr, dass die Blutbuche auf das Nachbargrundstück stürze. „Ich habe also keine andere Möglichkeit, als den Baum fällen zu lassen, wenn ich nicht irgendwann wegen Fahrlässigkeit vor Gericht stehen will“, sagt Sobottka. Er weist zudem darauf hin, dass er rechtlich ohnehin auch vorher schon in der Lage gewesen wäre, den Baum fällen zu lassen. „Es gibt jetzt natürlich große Proteste, die Leute zeigen meinen Leuten auf der Baustelle den Stinkefinger“, so Sobottka weiter, „aber die können ja gar nichts dafür. Es kann keiner was dafür.“ Er kündigte an, als Ausgleich in Absprache mit der Stadt Buchen im Schlosspark pflanzen zu lassen.

Vor einigen Monaten sah der Baum noch so aus.
frr
Vor einigen Monaten sah der Baum noch so aus.
 

„Es ist eine windige Geschichte“, kommentiert der Grünen-Chef Frank Hofeditz die Argumentation des Bauherren: „Herr Sobottka wollte den Baum von Anfang an weg haben – das hat er jetzt erreicht.“ Die Grünen hatten sich zuletzt dafür eingesetzt, dass das Gebäude, das neben der Blutbuche gebaut wird, versetzt wird. Diesem Wunsch hatten sich alle anderen Fraktionen angeschlossen – allerdings vergeblich, da sich der Bau der beiden geplanten Häuser so aus Sicht des Bauherren zu lange verzögert hätte.

Vom Bauprojekt sei die Politik im Februar dieses Jahres in nicht-öffentlicher Sitzung unterrichtet worden, erinnert sich Hofeditz. „Damals war der Baum in den Planungen gar nicht eingezeichnet. Ich habe das Bauamt darauf aufmerksam gemacht, dass er dort steht.“ Die Politik habe dann den Beschluss gefällt, dass sich das Bauamt wegen der Buche mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzen sollte – dies sei aber zunächst nicht geschehen.

Auch deshalb sieht der Grünen-Politiker die Rolle der Verwaltung in dieser Sache kritisch: „Das Bauamt hätte die Untere Naturschutzbehörde und die Politik besser mit einbinden müssen.“ Die Husumer Grünen würden sich jetzt jedenfalls noch einmal dafür einsetzen, dass es in der Stadt endlich eine Baumschutzsatzung gibt.

Von Seiten des Bauamtes hieß es am Donnerstag auf Nachfrage, weder das Bauamt noch die Untere Naturschutzbehörde hätten eine rechtliche Handhabe, die Fällung zu verhindern. Vom Kreis Nordfriesland heißt es, dass man Gemeinden in derartigen Fällen rät, „einen Bebauungsplan zu erlassen, in dem für mehrere oder auch einzelne Bäume festgelegt wird, dass diese nicht gefällt werden dürfen. Diese Festlegungen hat das zuständige Bauamt dann bei der Erteilung künftiger Baugenehmigungen zu beachten und dem Bauherrn entsprechende Auflagen zu machen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen