Husumer Sommerpausen-Plauderei : „Das Einzelkämpfertum ist zu Ende“

Frank Hofeditz
Frank Hofeditz

Grünen-Fraktionschef Frank Hofeditz im Interview: Was ihn ärgert, was ihn freut – und was nach der Sommerpause anliegt.

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28. Juli 2018, 17:00 Uhr

Sommerpausen-Plauderei: Während der Ferien lassen wir die Fraktionschefs der Husumer Parteien Revue passieren, was sie im vergangenen Jahr besonders beschäftigt hat, und sprechen über die Themen, die nach der Sommerpause anstehen. Heute: Frank Hofeditz (Grüne).

Die Husumer Grünen haben sich jüngst mit sehr viel Herzblut dafür eingesetzt, dass ein Neubau nicht so dicht neben einer alten Blutbuche gebaut werden darf. Nun ist der Baum sogar gefällt worden – mit diesem Anliegen sind Sie also gescheitert. Kommunalpolitik kann manchmal auch frustrieren, oder?

Ja, das stimmt. Man meint ja, dass so ein mehr als 200 Jahre alter Baum per se Schutzstatus genießt, aber das ist leider mitnichten so. Zumal wir ja in Husum auch keine Baumschutzsatzung haben. Aber das Baurecht ist an dieser Stelle nach Auskunft der Verwaltung stark und die Erhaltung eines Baumes stünde gegenüber den Bau-Planungen zurück, wenn wie in diesem Fall kein B-Plan existiert. Das Gebäude zu versetzen, wurde ja mit der Argumentation abgelehnt, dass dies zu einer unzumutbaren Verzögerung führen würde. Ich finde, man kann als Bauträger frühzeitig so planen, dass ein schöner alter Baum nicht der Säge zum Opfer fällt.

Ein weiteres Thema, bei dem ich davon ausgehe, dass es für Sie ein Frust-Thema ist: Die Neuausschreibung des Busverkehrs. Der geplante Halbstunden-Takt und die neue Linienführung, für die sich die Grünen ja so eingesetzt haben, sollte eigentlich Anfang August starten. Nun klappt das nicht.

Ich kann nicht begreifen, wie eine Ausschreibung so fehlerhaft gestaltet wurde, dass beim Rufbus des Kreises Nordfriesland die Ausschreibungs-Modalitäten interpretationsfähig sind. Da konnten beide Unternehmen, die geboten haben, jeweils selbst einen anderen Leistungskatalog erstellen und danach ein Angebot für den Rufbus machen. Jetzt heißt es natürlich, die Politik ist nicht fähig, ein neues Bussystem auf die Räder zu bringen und die Leute sind mit Recht verärgert. Und wenn ich höre, dass es es bis zu einem Jahr dauern kann, bis die Gerichtsverfahren durch sind . . .

Wenn wir dabei sind: Gibt es noch was, was Sie ärgert?

Der Parkplatz Harmsens Koppel. Ursprünglich war ja die Idee, nur die Pendler-Parkplätze in Rödemis und das Parken in den Anliegerstraßen in Bahnhofsnähe zu kanalisieren. Aber was jetzt daraus gemacht worden ist, ist ein weiterer Großparkplatz mit 280 Parkplätzen. Wir Grünen haben im letzten Ausschuss versucht, das Ganze räumlich einzudampfen. Ziel bei Aufstellung des B-Plans war es ja eigentlich auch, die Parkplätze und Grünflächen zu ordnen. Wenn die Mehrheit der Politik das gesamte Gelände bis hinten hin mit Parkplätzen vollstellen möchte, ist das nicht im Sinne der Stadtentwicklung und im Sinne der Anlieger schon gar nicht. Ich hoffe wirklich, dass die letzte Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Kommen wir zu einem Thema, über dass Sie sich nicht ärgern sollten: Das Ergebnis der Grünen bei der Kommunalwahl.

Das war für unsere Motivation auf jeden Fall gut. Wir sitzen jetzt in den Ausschüssen mit zwei Leuten statt nur mit einem – dieses Einzelkämpfertum, das wir immer leben mussten, ist zum Glück zu Ende. Auch dass wir jetzt zu Fünft in der Stadtvertretung sitzen, motiviert uns natürlich – bringt aber auch mehr Arbeit. Aber es macht einfach Spaß, es ist eine tolle Truppe, die gut harmoniert.

Einer Meinung sind Sie aber innerhalb der Fraktion trotzdem nicht immer. Bei der Schwimmbad-Standort-Debatte war die Meinungsfindung auch nicht ganz eindeutig, munkelt man.

Ja, gut, wir waren alle nicht wirklich begeistert vom Gewerbegebiets-Standort. Aber letztendlich hat die Vernunft gesiegt: Den idealen Standort mit Lage am Meer und gleichzeitig guter Erreichbarkeit, den gibt es in Husum nicht.

Blicken wir auf die Zeit nach der Sommerpause: Was sind Ihre Herzensthemen die im Herbst/Winter auf der Agenda stehen?

Zum einen das Hallenbad: Wir haben den Standort festgelegt, jetzt geht es um die Finanzierung. Wir müssen jetzt gucken, dass wir einen oder mehrere Fördertöpfe finden.

Aber ist es nicht unrealistisch, dass die Stadt für den Bau dieses Bades Fördermittel vom Land bekommt?

Man muss es auf jeden Fall probieren. Darum ging es ja auch bei dem Versuch, die touristischen Eigenschaften des geplanten Bades herauszustellen. Beim touristisch geprägten Bad sehen die Chancen auf Fördermittel besser aus als beim normalen Hallenbad.

Die Pläne zeigen aber, wenn man ehrlich ist, doch nur ein normales Hallenbad.

Ja, irgendwo schon. Es ist aber deutlich besser als das Bad, das wir haben. Wir werden in Husum keine Therme bauen. Das hat uns der Planer übrigens auch nicht geraten.

Wenn es keine passenden Fördertöpfe gibt, was dann?

Wir können ja nicht auf ein neues Bad verzichten. Da muss man gucken, was man abspecken kann, um die Baukosten zu senken. Letztendlich werden wir den Bau über Kredite finanzieren müssen und hoffen, dass der Etat vom Land genehmigt wird. Wir wissen aber, dass die Hauptlast bei den Betriebskosten liegen wird.

Welche Themen, die auf dem Programm stehen, liegen Ihnen noch am Herzen?

Der soziale Wohnungsbau. Ich bin dafür, dass ein städtischer Träger in die Bresche springen muss. Es gibt ja noch einige größere Flächen, die in städtischer Hand sind oder bei den Stadtwerken liegen. Beispielsweise das alte Stadtwerke-Areal, das Gelände des jetzigen Hallenbads oder auch die Neue Freiheit.

Die Verwaltung wehrt sich gegen die Idee, dass die Stadt Wohnungen bauen soll.

Man könnte das ja vielleicht auch nicht bei der Stadt direkt ansiedeln, sondern als neues Geschäftsfeld bei den Stadtwerken. Dann müsste man auch keine neue GmbH gründen. Bei den Stadtwerken, das weiß ich, könnte man sich mit dieser Idee auch anfreunden.

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