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Husumer Nachrichten

24. Oktober 2017 | 06:13 Uhr

Serie : Das einstige erste Haus am Platz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Serie “Was sich in Husum ändert“ geht es diesmal um das Parkhotel Thordsen.

von
erstellt am 19.Dez.2016 | 08:30 Uhr

W        as sich in Husum verändert – und was nicht. In loser Folge beschäftigen sich die Husumer Nachrichten in dieser Serie damit, wo sich in der Storm-Stadt etwas tut und mit welchen Baustellen sich die Bürger seit Jahren beschäftigen. In dieser Folge geht es um das Parkhotel Thordsen und die Kongresshalle.

Der Komplex war prägend für den Bau-Boom Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre, als im Norden Husums ganz neue Straßenzüge entstanden: An der Ostseite des Schlossparks entstanden im verlängerten Erichsenweg das Parkhotel Thordsen und die Kongresshalle, später als Irene-Thordsen-Kongresshalle bekannt. Mit dem sechsstöckigen Vier-Sterne-Haus stieg die Storm-Stadt in die Hotel-Oberliga der Bundesrepublik auf. Und die Kongresshalle blieb ein halbes Jahrhundert lang das Husumer Veranstaltungszentrum.

   Bauherr des quaderförmigen, gegenüber des Kreiskrankenhauses gelegenen Brockens war der Verleger und Ehrenbürger der Stadt Husum Johannes Thordsen, der das Grundstück des 1960 abgerissenen Schützenhofs für seinen fünf Millionen D-Mark teuren Neubau nutzte. Ganz weichen mussten die Schießsportler allerdings nicht: Im hinteren Bereich zum Heckenweg hin befinden sich noch heute die Schießanlagen und der Versammlungsraum der Schützengilde von 1586.

   Das Hotel war das erste Haus am Platz. Im Februar 1962 kam sogar der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke zu Besuch. Bekannt war es zudem für seine exzellente Küche. „In nördlichen Feinschmeckerkreisen hat das Husumer Parkhotel Thordsen einen guten Ruf. Man koste als Vorspeise frische Nordseekrabben in Curryrahm mit Früchten und dazu Siam-Patna-Reis. Auch die Husumer Krabbensuppe mit Weinbrand gehört zu den Delikatessen, die man nicht überall bekommt“, beschrieb der „Zeit“-Autor Horst Hachmann 1965 in seinem Artikel „Feinschmeckerreise in Deutschland“ die Köstlichkeiten, denen er an der Nordsee begegnet war. Und im Varta-Hotel- und Restaurant-Führer von 1967 wurde das Parkhotel nicht nur in die zweitbeste Kategorie (nach den Luxushäusern) „Hotels mit großem Komfort“ eingereiht, sondern auch in die Rubrik „Besonders angenehme Hotels“ aufgenommen. Als solches fand es im selben Jahr auch in der Architektur-Zeitschrift „Bauwelt“ Beachtung.

   In den 1970er Jahren begann der Niedergang, Anfang der 1980er Jahre wurde der Betrieb ganz eingestellt. Das Parkhotel Thordsen war Geschichte. Die Zimmer wurden zu Appartements umgestaltet, das Gebäude war nun ein Block mit Miet- und Eigentumswohnungen.

   Die Kongresshalle hielt drei Jahrzehnte länger durch. Ihre Mauern waren Zeugen unzähliger gesellschaftlicher und kultureller Ereignisse. Bälle zum Beispiel. Schon beim ersten Tennisball im Jahr 1962 tummelten sich 450 bis 500 Gäste im großen Saal, und 1971 kamen sogar mehr als 500 Besucher. Schreck-Momente gab es aber auch: Während eines Sängerballs, mit dem 1969 die Vereinigung der Männerchöre von 1844 und 1870 gefeiert wurde, stand bei dem Lied „Himmel und Erde müssen vergeh’n“ zunächst der „Himmel“, sprich die Decke, und kurz darauf das gesamte Gebäude in Flammen. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder, doch wie durch ein Wunder kam keiner der 400 Gäste zu Schaden. Als mögliche Brandursache nannten die Husumer Nachrichten eine defekte Lichtleitung. Der Schaden wurde auf eine Million D-Mark geschätzt. Erst kurz zuvor war die Halle von der Stadt für 700  000 D-Mark aus dem Hotel-Komplex herausgekauft worden.

   Auch Komiker Otto Waalkes dürfte an die Kongresshalle eher unangenehme Erinnerungen haben und froh darüber gewesen sein, dass das Krankenhaus gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt, denn zu Beginn seiner Karriere erlitt der ostfriesische Blödel-Barde auf der Bühne einen Stromschlag. Und bundesweite Aufmerksamkeit bekam die Kongresshalle, als Cornelius Kohl hier 1993 per Losverfahren zum Bürgermeister gewählt (?) wurde.

   Als zu Beginn des neuen Jahrtausends bekannt wurde, dass es das geplante Nordsee-Congress-Centrum (NCC) nur geben werde, wenn die Kongresshalle im Gegenzug für immer ihre Türen schließt, stieß das nicht bei allen Husumern auf Gegenliebe. Viele wollten ihren Kultur-Mittelpunkt im Stadt-Zentrum behalten und nicht nach Kielsburg – auf die grüne Wiese – verlegt sehen. Vergeblich: Das NCC trat 2010 das Erbe der Kongresshalle an. Vier Jahre später tat der Abrissbagger im Erichsenweg seine Arbeit.

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