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61-Jähriger vor Gericht : Das eigene Haus angezündet

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61-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt: Breklumer wollte Gebäude- und Hausratversicherung kassieren.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 06:21 Uhr

Breklum | Vor gut eineinhalb Jahren war in Breklum ein leerstehendes Wohnhaus in Flammen aufgegangen. Jetzt wurde der 61 Jahre alte Hauseigentümer in einem Indizienprozess vor dem Amtsgericht Husum zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt - allerdings wegen versuchten Versicherungsbetruges in zwei Fällen, nicht jedoch wegen Brandstiftung. Wie der Richter am Rande des Verfahrens erläuterte, ist es nämlich nicht strafbar, sein Eigentum anzuzünden.

In dem Haus hatten früher die Mutter des Angeklagten und deren Lebens gefährte gewohnt. Als beide verstorben waren, hatte der Hauseigentümer das nunmehr leerstehende Gebäude renoviert, um es nach eigenen Angaben zu vermieten. Allerdings räumte der Mann vor Gericht ein: "Die Elektrik war nicht so prickelnd." Beispielsweise handelte es sich bei dem Lichtschalter neben dem alten Sicherungskasten nicht um die seit langem üblichen Kippschalter, sondern noch um einen Drehschalter, der nur an einer ganz bestimmten Position den Strom fließen ließ. Bis diese Stellung gefunden war, gab es offenbar häufig einen Kurzschluss, was laut Zeugenaussagen auch Nachbarn bekannt war. Als sich der Eigentümer am 19. September 2011 bei der Renovierung wieder einmal in dem Haus zu schaffen machen und dabei am frühen Abend das Licht einschalten wollte, war mehrmals die Sicherung herausgesprungen. Jetzt offenbar versuchte der Mann, an der Steckdose direkt unter diesem Lichtschalter eine Kabelleuchte anzuschließen und hielt dabei die Kippsicherung fest, damit sie nicht erneut auslöste.

Nach der nicht immer einfach zu verfolgenden Aussage des Mannes hörte er nun ein "Zischeln". Er bekam es mit der Angst zu tun und verließ das Haus, um einen Nachbarn zu rufen. Er habe aber niemanden gesehen. Nun wollte er in das Haus zurück, jedoch sei ihm bereits der Qualm entgegengekommen. Daraufhin habe er aus dem Auto sein Handy holen und die Feuerwehr alarmieren wollen. In der Aufregung habe er an der Fernbedienung des Autoschlüssels mehrfach die falsche Taste gedrückt und auf dem Handy zunächst eine falsche Rufnummer gewählt. Kurzum: Bis die Feuerwehr eintraf, stand das Haus bereits lichterloh in Flammen.

Der Hauseigentümer meldete den Gebäudeschaden umgehend seiner Versicherung, von der er die Auszahlung von 57 000 Euro erwartete. Am 1. Januar 2012 meldete er den Schaden an der Inneneinrichtung seiner anderen Versicherung, bei der sein Hausrat mit 15 000 versichert war. Das führte zu dem Prozess wegen versuchten Versicherungsbetruges in zwei Fällen. Die Polizei hatte nämlich einen Brandexperten des Landeskriminalamtes Kiel eingeschaltet. Spürhunde fanden in der Ruine an vier Stellen Brandbeschleuniger und die sichergestellten Proben wurden mit modernsten Verfahren untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Brandbeschleuniger unterschiedliche Zusammen setzungen hatten und sich trotz des Vollbrandes in einer ungewöhnlich hohen Konzentration nachweisen ließen. Obwohl auch das Gutachten nicht alle Fragen klären konnte, hatte das Gericht bei der Würdigung aller Begleitumstände keinen Zweifel, dass der Mann sein Haus selbst in Brand gesteckt hatte, um die Gebäude- und Hausratversicherung zu kassieren.

Der Anwalt des Angeklagten schloss nach der siebenstündigen Verhandlung nicht aus, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Unabhängig davon dauert der Rechtsstreit mit der Gebäude- und der Hausratversicherung noch an.

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