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Husumer Nachrichten

24. Oktober 2017 | 06:39 Uhr

Husum : Das Dilemma der Informationstechnik

vom

Betreuung der Schulen nach dem Minimalprinzip: Eine städtische Abteilung im Spannungsfeld zwischen Machbarem und Wünschenswertem.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 08:19 Uhr

Husum | Fünf Millionen Papierseiten werden pro Jahr an den acht Husumer Schulen und im Rathaus kopiert. Das ist im wahrsten Wortsinn eine Menge Holz, die natürlich Kosten aufwirft. Und die gilt es wiederum so weit wie möglich im Rahmen zu halten. Erst recht in Zeiten der stringenten Haushaltskonsolidierung. Der Abteilung Informationstechnik (IT) im Hauptamt der Stadt ist, was das angeht, ein großer Wurf gelungen. Denn dort konnten jetzt 25 000 Euro eingespart werden - 19 000 an den Bildungseinrichtungen und 6000 im Verwaltungssitz. Das machte Frank Brinkmann in seinem Jahresbericht zur Betreuung und Verwaltung der schulischen IT-Bildungslandschaft deutlich, den er in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport im Rathaus abgab.

"Eines unserer großen Ziele war die gemeinsame Ausschreibung der Drucker und Kopierer sowie des Verbrauchsmaterials", erklärte der Leiter der IT-Abteilung. Hatten die Schulen vorher jeweils eigenständige, einheitlich zum 28. Februar diesen Jahres auslaufene Verträge auf ihr Verbrauchsvolumen abgeschlossen, sollte dadurch nun ein wesentlich besserer Preis erzielt werden. Kopien herzustellen, Drucker vorzuhalten und Verbrauchsmaterial bereitzustellen kostete die Stadt bislang 105 000 Euro pro Jahr. Mit dem neu abgeschlossenen Gesamtvertrag für die Stadt konnte diese Summe auf 80 000 Euro reduziert werden. Schlug eine Seite früher mit 0,8 bis 1,0 Cent zu Buche, so liegt der Einzelpreis nun bei 0,46 Cent.

Weniger erfreulich stellt sich der Zeitumfang dar, den man für die acht Schulen und zwei Außenstellen erübrigen kann. "Die Betreuung erfolgt nach dem Minimalprinzip", so Brinkmann. Eine Stelle mit einer Wochenarbeitszeit von 39 Stunden werde dafür vorgehalten. Für Rüstzeiten, Verwaltungsarbeiten, Fahrten, Dokumentation und Disposition fielen täglich rund drei Stunden an. Allein eine Tour zur Außenstelle der Klaus-Groth-Schule in Schobüll dauere rund 30 Minuten. "Es bleiben insgesamt 24 Stunden, um vor Ort zu sein - das ergibt eine wöchentliche Betreuungszeit von unter drei Stunden pro Einrichtung", verdeutlichte Brinkmann dieses Ressourcen-Problem. Das führe an den Schulen zu Unzufriedenheit.

Dazu meldet sich auch noch eine Katze namens Technischer Fortschritt, die sich in den Schwanz beißt: Neuanschaffungen im größeren Stil sind nicht drin, weil der Schuletat das nicht hergibt - daraus resultiert, dass die IT-Experten der Stadt veraltete, nicht mehr besonders leistungsfähige Hardware betreut. Das wiederum erhöht den Wartungsaufwand. Besonders an einzelnen Schulen, die durch Fördervereine die Möglichkeit hätten, zum Beispiel einen Arbeitsraum mit neuen Computern auszustatten, sorge dieser Teufelskreis für Unmut. Brinkmann: "Dabei kommt auch von Elternseite immer wieder die Forderung auf, dass die Betreuung dieser Räume nicht durch die IT-Abteilung der Stadt erfolgt, weil diese aufgrund der genannten Gründe nicht zufriedenstellend sei. Unbefriedigend ist, dass gerade von den Schulleitungen nicht ausreichend Aufklärungsarbeit betrieben wird."

Zum einen werde seiner Abteilung die mangelhafte Ausstattung der Schulen zum Vorwurf gemacht ("Auch wir können aus Stroh kein Gold machen!"), zum anderen solle neu angeschaffte Hardware durch Fremdfirmen kostenintensiv betreut werden. Brinkmann stellte an dieser Stelle die Frage, ob die Gesamtfinanzierung nicht grundlegend geregelt werden könne: "Aus meiner Sicht ist es absolut erforderlich, dass eine finanzielle Ausstattung der IT an den Schulen zentral erfolgt und uns dadurch die Möglichkeit gegeben wird, Projekte in Absprache mit den Schulen umzusetzen." Die Beispielrechnung des Experten: Ein Computerraum mit 16 Arbeitsplätzen kostet rund 20 000 Euro. An den Husumer Schulen gibt es zehn solcher Räume. Um diese nun in einem Fünf-Jahres-Rhythmus neu auszustatten, werden in fünf Jahren entsprechend 200 000 Euro benötigt - per anno also 40 000 Euro, um jährlich zwei Räume zu modernisieren. "Dabei sind die verbliebenen rund Schülerrechner außerhalb der Computerräume noch gar nicht berücksichtigt."

Brinkmann ("Wir verstehen uns komplett als Dienstleister!") sprach abschließend noch einen weiteren Umstand an, der einen größeren finanziellen Aufwand erfordert: den Austausch der mit dem Landesnetz verbundenen Arbeitsplätze. "Die beiden Gymnasien wurden 2007, die Gemeinschaftsschulen 2008, die Pestalozzischule und die Grundschulen 2009 mit Landesnetzarbeitsplätzen ausgestattet", erklärte er. Die sechs Jahre alten Geräte an den Gymnasien seien dringend auszutauschen. "2014 müssen die Arbeitsplätze an den anderen Schulen erneuert werden, weil damit gleichzeitig der notwendige Wechsel auf das Betriebssystem Windows 7 gewährleistet werden kann." Im laufenden Jahr werden laut Brinkmann 15 000 Euro überplanmäßig benötigt - und für 2014 22 500 Euro angemeldet. "Auch diese Mittel sollten zentral für alle Schulen gemeinsam zur Verfügung gestellt werden."

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