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Vielfalt in der Integration : Das Amt und der Lotse

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Hans Degen zieht Bilanz seiner bisherigen Integrationsarbeit im Amt Mittleres Nordfriesland. Der 60-Jährige appelliert an Haus- und Wohnungseigentümer, sich beim Amt zu melden, wenn sie Wohnraum anzubieten haben.

Sie suchen Schutz in einem Land ohne Krieg. Immer mehr Ausländer flüchten nach Deutschland. In ein fremdes Land. Ohne Sprach- und Ortskenntnisse. Sie sind geflüchtet aus den Krisengebieten dieser Welt und oft traumatisiert. Der Integrationslotse Hans Degen kennt zahlreiche ihrer Geschichten und hilft, wo er kann.

In Deutschland werden Asylsuchende den Kreisen und kreisfreien Städten zugeteilt und von dort aus an verschiedensten Orten untergebracht. Wie beispielsweise im Amt Mittleres Nordfriesland, wo sich die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Integrationslotsen um die Unterbringung der Flüchtlinge kümmert. Der 60-jährige Nordfriese hat viel Erfahrung auf dem Gebiet, denn er war 25 Jahre lang bei der Ausländerbehörde des Kreises Nordfriesland beschäftigt. Davon viereinhalb Jahre als Leiter. Seit vergangenem Jahr ist er in Altersteilzeit und hat im Prinzip noch mehr zu tun, als während seiner Dienstzeit.

Degen ist zwar beim Amt Mittleres Nordfriesland geringfügig beschäftigt, allerdings ist das in Anbetracht seiner vielfältigen Lotsenarbeit eher als Obolus anzusehen. Vom dem, was er täglich tut, ist er überzeugt. Er weiß durch seiner langjährige Arbeit in der Behörde um die Missstände, wenn Asylbewerber illegal nach Deutschland kommen. Der Bredstedter kennt kaum einen Flüchtling, der legal Asyl sucht.

Seitdem die Bundesregierung 2011 den nationalen Integrationsplan ins Leben rief, haben die Ausländerbehörden jede Menge zu tun. Täglich kommen neue Flüchtlinge. Sie haben lange, illegale Wege hinter sich, werden irgendwann aufgegriffen, stellen dann Asylanträge und kommen in Auffanglager.

In Schleswig-Holstein sind das Neumünster und Boostedt. Nach bis zu drei Tagen Aufenthalt werden sie von dort aus weiterverteilt. Im Kreis Nordfriesland angekommen, führt sie der Weg zuerst nach Niebüll in die Gemeinschaftsunterkunft, wo sie maximal eine Woche verweilen. Anschließend werden sie in der Fläche verteilt, wie Hans Degen skizziert. Einmal wöchentlich erhält das Amt eine Liste mit der Anzahl und Herkunft der Asylbewerber.

„Dann schauen wir, wer zu wem passt“, erklärt der Nordfriese und schiebt hinterher, dass man kaum einen Serben mit einem Kosovo-Albaner unter ein Dach bekommt. Obwohl: „Ich kenne einen Fall, wo die beiden später nicht mehr ohne den anderen wollten.“ Es geht unter anderem um Glaubensrichtungen, wenn das Amt und der Lotse darüber entscheiden, wer mit wem wo untergebracht wird. Auch darum, ob es sich um Menschen aus sicheren Drittstaaten handelt, denn diese sind nur kurz in Deutschland, bevor sie in ihr Heimatland zurück geschickt werden. Apropos Unterbringung: Fährt man durch Nordfriesland, sind viele Wohnungen sichtbar frei. Warum fehlt es dann an Unterkünften? Hans Degen dazu: „Die Miete muss bezahlbar sein und die Unterbringung sollte möglichst zentral erfolgen.“ Soll heißen: die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und die Busverbindung muss stimmen. Außerdem sollten die Objekte möglichst energiesparenden Standards entsprechen, denn größtenteils kommen die Flüchtlinge aus warmen Ländern und drehen die Heizungen entsprechend hoch.

Verwaltungsmitarbeiterin Ose Martensen und Hans Degen schauen sich die Objekte an, bevor sie angemietet werden. Angst um ihr Hab und Gut müssten Vermieter nicht haben, denn „falls irgendetwas sein sollte, kümmern wir uns umgehend darum“, beschwichtigt er. Bisher ist Degen noch keine Klage seitens Vermietern zu Ohren gekommen. „Vermieter sollten sich beim Amt melden, wenn sie möglichst langfristig etwas anzubieten haben“, richtet er seinen Appell an Haus- und Wohnungseigentümer.

Melden sollten sich auch Menschen, die den Asylbewerbern im Alltag helfen möchten. „Sie können sich melden und sagen, an welchen Tagen und wie viel Zeit sie haben. Ein wenig Englisch sollte man können, um sich mit den Flüchtlingen unterhalten zu können.“ Helfer zeigen ihnen unter anderem die Umgebung und machen darauf aufmerksam, wo was zu finden ist. Derzeit gibt es schon einige Alltagshelfer, die jederzeit mit Hans Degen per Handy Kontakt aufnehmen können – er ist im Prinzip jederzeit erreichbar und wird zukünftig von einem weiteren Integrationslotsen unterstützt. Wer Wohnraum vermieten oder im Alltag unterstützen möchte, meldet sich bei der Amtsverwaltung unter der Telefonnummer 04671/919227. Dort steht Ose Martensen auch für weitere Fragen zur Verfügung.

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