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50 Jahre Nordfriisk Instituut : „Darum studiere ich Friesisch“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Inga Werth hat sich für einen seltenen Bildungsgang entschieden – und ist auf dem besten Weg, Sprach-Expertin zu werden. Im Radio hat sie sogar eine eigene Friesisch-Sendung.

Inga Werth – in Lüneburg geboren, im Herzen Nordfriesin. Die 25-Jährige beeindruckt durch die Liebe zur Region, in der sie wohnt: Nordfriesland. Als sie vier Jahre alt war, zog die Familie nach Bredstedt, zurück zu den Wurzeln ihrer Mutter, die in Bordelum aufwuchs. Mit ihr sprach Inga Plattdeutsch, mit dem Vater Hochdeutsch. Interesse an der regionalen Kultur, Literatur, den Menschen und den Bräuchen keimte früh in ihr auf. Nach ihrem Abschluss an der Theodor-Storm-Schule in Husum stand deshalb auch fest, was sie anschließend machen wollte: studieren – und zwar Skandinavistik und Frisistik an der Universität in Kiel.

„Da wir nur recht wenige waren, konnte man vollends in die Materie eintauchen“, erzählt Inga Werth. Bei einer so überschaubaren Gruppe war ihr und anderen Studierenden die vollste Aufmerksamkeit der Dozenten gewiss. Drei Jahre dauerte das Bachelor-Studium, das ihr erweiterte Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden auf dem Gebiet der Friesischen Philologie vermittelte.

Seit 2013 ist Inga Werth an der Europa-Universität Flensburg, studiert Kultur-Sprache-Medien und wird die Uni wohl Anfang 2016 mit dem akademischen Abschluss Master of Arts verlassen. Zudem hat sie vier freiwillige Kurse absolviert und damit ein Master-Zertifikat in der Tasche, mit dem sie Friesisch an Schulen unterrichten kann. Englisch, Dänisch, Französisch, Niederdeutsch und Friesisch gehören fest zu ihrem Sprachgebrauch. Wer sie Friesisch sprechen hören möchte, schaltet mittwochs zwischen 20 und 22 Uhr den NDR-Hörfunk der Welle Nord ein. Abwechselnd mit zwei weiteren Kolleginnen gestaltet Inga Werth friesische Beiträge und führt Interviews.

Mit ihrem bisherigen Lebenslauf ist sie fast so etwas wie ein Exot, da es nicht viele junge Menschen gibt, die sich so intensiv für das Friesische interessieren und sich damit beschäftigen. Das wiederum wissen alle zu schätzen, die sich für die friesische Kultur einsetzen. Das ganz in ihrer Nähe gelegene Nordfriisk Instituut war für Inga Werth ein steter Anlaufpunkt. Schon zu Studienzeiten war sie beim Institutsleiter Professor Dr. Thomas Steensen und seinem Team willkommen, stieß mit ihren Fragen und Anregungen auf offene Ohren und absolvierte dort ein mehrwöchiges Praktikum. Später wirkte sie an einem gemeinsamen Projekt der Universität und des Bredstedter Instituts mit.

Bei Professor Dr. Volkert Faltings, Leiter der Ferring-Stiftung auf Föhr, lernte sie vieles weitere, unter anderem nordfriesische Texte aus dem 18. Jahrhundert zu lesen und zu übersetzen. „Das kann heute kaum noch jemand“, weiß sie. Dass es heutzutage noch zahlreiche unentdeckte und nicht transkribierte Texte gibt, ist für sie Ansporn, in dem Bereich weiterzumachen.

Den Erweiterungsanbau des Nordfriisk Instituut, der am
5. Dezember eingeweiht wird, sieht Inga Werth als riesige Bereicherung für die friesische Kultur und Sprache. Alleine mit Blick auf die Möglichkeiten der neuen Medien. „Mit der Globalisierung gerät vieles in Vergessenheit und deshalb ist es umso wichtiger, dass man an der Geschichte der Friesen festhält“, ist sie sich sicher.

Rückblickend war es für die 25-Jährige die richtige Entscheidung, den äußerst seltenen Studiengang aufzunehmen. „Es ist eine Bereicherung für mich gewesen – und ist es noch“, meint sie und erzählt von ihrem nordfriesischen Gefühl, von der Weite der Region, den Menschen und den Traditionen. „Ich weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehöre. Friesisch öffnet Türen – und ich bin mittendrin.“

 




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