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Orkanschäden beim TSV Hattstedt : Dach weg: Sportler im Dilemma

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Sportlerheim des TSV Hattstedt soll zwar im kommenden Jahr abgerissen werden, aber bis dahin wird es noch dringend gebraucht. Deshalb bemüht sich der Bürgermeister um eine vertretbare Übergangs-Lösung.

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erstellt am 07.Dez.2013 | 11:00 Uhr

An ein geköpftes Frühstücksei muss unwillkürlich denken, wer das Hattstedter Sportlerheim jetzt sieht. Der Sturm hat mit einem Riesen-Ruck das Dach komplett abgehoben. Es liegt nun platt wie eine Flunder neben dem Gebäude. Um die Mauern herum flattert lediglich noch die Dichtungsfolie. „Wir müssen nun sehen, was wir machen“, sagt Bürgermeister Ralf Heßmann.

Das Dilemma: Das Sportlerheim ist abgängig. Aber eben noch nicht gleich. Denn es soll ja erst abgerissen werden, wenn daneben der neue Sportpark errichtet ist – und das dauert noch ein dreiviertel Jahr. „Aber bis dahin brauchen wir es unbedingt für unseren Ligaspiel-Betrieb“, erläutert Heßmann. „Unsere erste Herrenmannschaft steht gut da, und wir wollen in die Verbandsliga aufsteigen“, macht er die Problematik deutlich.

Der Bürgermeister will sich nun umgehend mit der Versicherung in Verbindung setzen, damit sie einen Gutachter schickt. Heßmann: „Wir werden sehen, dass wir einen Weg finden. Und wenn wir mit Plane oder Blech arbeiten.“

Beim Sturm „Christian“ war der Wind von Süden über das Flachdach gefegt, und es war nichts passiert. Doch gestern Nacht kam er von Nordwesten, und da konnte die Konstruktion offenbar nicht gegen halten. „Ansonsten sind wir in Hattstedt mit einem blauen Auge davon gekommen“, seufzt der Gemeinde-Chef erleichtert auf. Es seien lediglich ein paar Laternen umgeknickt, Zäune weggeweht und etliche Bäume umgestürzt. Bis gestern Nacht um 4 Uhr waren Helfer im Feuerwehr-Gerätehaus in Bereitschaft. Heßmann: „Das Dorf hat zusammengehalten. Was Besseres kann uns gar nicht passieren.“ Sein Dank galt, ebenso wie der aller anderen Bürgermeister und Wehrführer in der Region, allen Ehrenamtlern.

Auch im Amt Mittleres Nordfriesland sind alle erleichtert: „Es ist nicht so schlimm gekommen, wie wir es befürchtet haben“, so der stellvertretende Amtswehrführer Jan-Eric Jessen. Dennoch hatten die Aktiven alle Hände voll zu tun. Sie rückten zu 50 Einsätzen aus – es galt überwiegend, umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen. Um 21.30 Uhr traf die erste geballte Ladung an Alarmierungen ein. Die zweite kam gegen Mitternacht. Die Serie setzte sich dann gegen 4 Uhr und dann noch einmal gegen 6 Uhr fort. Glimpflich kam diesmal auch Drelsdorf davon. Beim Sturmtief „Christian“ war die Wehr zu 30 Einsätzen gerufen worden – diesmal waren es lediglich vier. Die Befürchtung, dass das notdürftig abgedeckte Loch im Dach der Schule Angriffsfläche für „Xaver“ werden konnte, traf nicht ein. Jessen: „Das Dach sitzt noch, alles sieht so aus wie vorher.“ Beim Orkan im Oktober war die Stromversorgung des Dorfes für dreieinhalb Stunden unterbrochen gewesen. Vorsorglich hatte sich die Wehr diesmal ein Notstrom-Aggregat fürs Gerätehaus besorgt – doch es wurde nicht gebraucht. Wohl aber die Motorsägen, die Gemeindearbeiter Björn Blamüser mit geschärften Ketten und jeder Menge Benzin und Öl in Kanistern bereitgestellt hatte.

Den meisten Wind bekamen naturgemäß die Bewohner direkt hinterm Deich ab. So wie die in Ockholm. „Hier knackt es an allen Ecken und Enden“, berichtete Christina Weinbrandt. Wehrführer Hans-Willi Weinbrandt koordinierte die Deichläufer. Voralarm war ab 13 Uhr, der Ausnahmezustand wurde eine Stunde später ausgerufen. Und dann ging es los. Der Trupp besteht jeweils aus neun Mann: sechs Deichläufer, zwei Funker und ein Fahrer. Aber Gottseidank: Auch in Ockholm lief alles glimpflich ab – ebenso wie in den Reußenkögen. Bürgermeister und Oberdeichgraf Dirk Albrecht: „Bei uns ist alles in Ordnung.“ An den Deichen zwischen Ockholm und den Kögen seien keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen. Ganz anders hatte es noch nach der Wüterei von „Christian“ ausgesehen. Da waren im Sönke-Nissen-Koog etliche Dächer abgedeckt worden. Ein Bauernhof war so demoliert, dass er abgerissen werden musste. Mit einem blauen Auge davon kamen ebenso die Pellwormer. Die Deichläufer um Deichgraf Ernst-August Thams meldeten: „Keine besonderen Vorkommnisse auf der Insel.“

Relativ ruhig hatte es die Polizei in Bredstedt. Eigentlich wollten die Beamten am Donnerstag eine vorweihnachtliche Verkehrskontrolle durchführen, aber die wurde im Hinblick auf den bevorstehenden Orkan verschoben. An der B 5 am Stollberg kippten einige Bäume um. Einer streifte gestern gegen 4 Uhr morgens einen Lkw, aber es blieb beim Sachschaden.

Eines klang gestern bei allen Bewohnern der Westküste durch: die Erleichterung, dass alles so glimpflich abgelaufen ist und der Wunsch nach einer ungestörten, erholsamen Nachtruhe.

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