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Husumer Nachrichten

24. September 2017 | 00:01 Uhr

„Da laufen wir auf ein Desaster zu“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie ticken die Direkt-Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis 2? Heute in unserem Kandidaten-Check: Matthias Ilgen (SPD)

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 10:00 Uhr

Noch zehn Tage bis zur Bundestagswahl. Im Wahlkreis 2 Nordfriesland/Dithmarschen-Nord buhlen am 24. September sieben Direktkandidaten um die Gunst der Wähler. In einer lockeren Serie lässt unsere Zeitung sie nach und nach zu Wort kommen. Heute steht Matthias Ilgen (SPD) Rede und Anwort. Der 33-Jährige Bundestagsabgeordnete, von Beruf selbstständiger Veranstaltungskaufmann, ist verheiratet und wohnt in Husum.


Warum, glauben Sie, gewinnen Sie Ihren Wahlkreis direkt?

Erstens, weil ich der einzige amtierende Bundestagsabgeordnete bin, der sich wieder bewirbt. Zweitens, weil ich über diverse Fernsehauftritte eine hohe Bekanntheit erzielen konnte. Drittens, weil ich ordentliche Ergebnisse für den Wahlkreis erreichen konnte – unter anderem, dass die zehn Millionen Euro für die Sanierung der Kirchen auf Eiderstedt im Bundeshaushalt stehen. Hinzu kommen Mittel für die Minderheiten-Arbeit, wie etwa für das Nordfriisk Instituut. Ich sehe, dass die Bürger das honorieren.


Welche drei Kreis-Themen stehen bei Ihnen ganz oben auf der Agenda?
Das Wichtigste ist erstens, die Region lebenswert und zukunftsfähig zu halten. In Hinblick auf die demografische Entwicklung müssen wir gegensteuern, damit an unserer Westküste nicht ganze Landstriche eines Tages entvölkert sind. Wir werben daher im Wahlkampf unter anderem dafür, dass wir schnelles Internet in jedes Dorf bekommen – nicht etwa, damit jeder Spiele nutzen oder Waren bestellen kann, sondern damit jeder Bürger die Möglichkeit hat, auch von zu Hause aus zu arbeiten.

Hier weiter gedacht kommen wir zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daher machen wir uns für die kostenfreie Kindertagesstätte stark. Da werden wir den Bund stärker einbinden müssen.
Der dritte Punkt ist die medizinische Versorgung, das gilt für die Krankenhäuser, aber auch für die hausärztliche Versorgung. In meinem Wahlkreis habe ich in Büsum eines der fünf Modellprojekte in ganz Deutschland dazu besichtigt. Die Gemeinde stellt ein Versorgungszentrum hin, in dem Ärzte angestellt werden. Mittlerweile sind 80 Prozent unserer Medizinabsolventen weiblich. Die wollen sich gleich nach dem Studium nicht selbstständig machen, zehn Jahre ihre Praxisräume abzahlen und rund um die Uhr für Patienten bereit stehen. Zu den Neuerungen zählt auch die Telemedizin, wie sie in den Offshore-Parks erprobt und vorgeschrieben ist. Da muss der Bund noch rechtliche Hürden beseitigen.

Was ist Ihr Rezept, um die Wähler wieder mehr mitzunehmen?
Wir haben wohl die spannendste Plakataktion in ganz Deutschland geschafft. Auf anderen sehe ich nur Einheits-Beliebigkeit. Wir haben vier Themen gesetzt, eines, das mit Präsident Trump in fröhlich-satirischer Pose, ist sicher besonders spektakulär, mit dem wir es aber in jedes Wohnzimmer geschafft haben. Die Rückmeldungen waren einzigartig. Sogar die Auslandspresse hat berichtet. Vor allem aber kamen Menschen zu uns, die Plakate handsigniert haben wollten. Wir haben Sprachwitz und klare Aussage gemixt – mit Erfolg.

Wir machen nach wie vor stark Wahlkampf an Haustüren. Außerdem sind wir stark in sozialen Medien unterwegs und greifen auf, was die Leute bewegt. Diese andauernde Präsenz ist für uns Politiker immer wichtiger geworden. Manche Kollegen spielen da noch nicht so eifrig mit.
Kommen wir auf die B5 zu sprechen: Welche konkreten Möglichkeiten haben Sie als Mitglied des Bundestages, um den Ausbau voranzubringen?
Die B5 ist fest verankert im Verkehrswegeplan des Bundes. Die nächsten fünf, sechs Jahre ist das Projekt damit gesichert. Es darf nun nicht passieren, dass die Landesregierung die Planung nicht voranbringt und das Geld am Ende nicht abgerufen wird. Bernd Buchholz, Verkehrsminister in Schleswig-Holstein, hat eingeräumt, dass die gemeinsam von Bund und Land gegründete Planungsgesellschaft Deges die Arbeit nicht übernehmen wird. Und wenn wir es so machen, wie es der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr vorhat, kommen wir auf vier Bauabschnitte zu je vier Jahren, somit würde die Gesamtzeit 16 Jahre betragen. Und für alle vier Abschnitte bräuchten wir jeweils ein Management für die Umgehung der Baustellen. Da laufen wir auf ein Desaster zu. Wir drängen darauf, dass das in einem Paket erledigt wird, wie es Reinhard Meyer, der Vorgänger von Bernd Buchholz, betrieben hat. Konkret müsste das genauso mit der Deges nachverhandelt werden.

Blenden Sie bitte mal alles aus, was wir bis hierher gesprochen haben: Eine Fee kommt vorbei und Sie dürfen sich für NF etwas ganz Neues wünschen – die Standardthemen einmal ausgenommen?
Meine Vision ist, dass wir in 20 Jahren in Nordfriesland eine ganz neue Struktur der Mobilität haben, die die heutige bei weitem schlägt. Ich gehe davon aus, dass wir elektronisch noch mehr vernetzt sind, also erfahren, wenn unser Nachbar beabsichtigt, von Husum nach Langenhorn zu fahren. Da könnten wir ja gemeinsam fahren. Denken Sie nur an die vielen Fahrten in dieselben Richtungen, die wir heute allein in unserem Landkreis unternehmen. Dazu müssten wir sämtliche Verkehre klug vernetzen.
Das müssten wir politisch beschließen, nach Systemen Ausschau halten, die Kosten klären. Da es Neuland wäre, müssten wir uns Zeit nehmen. Vielleicht geht es ja auch schon in 15 Jahren.

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