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Erlebnisse von Schauspieler und Regisseur : Coming-out an Gemeinschaftsschule

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Theaterstück zum Thema Homosexualität von Jutta Schubert bezieht Neuntklässler in Bredstedt aktiv mit ein. Der Schauspieler Reiner Schleeberger und Regisseur Konrad Schulze berichten von eigenen Erlebnissen.

Sein „Guten Morgen“ war ein wenig zu akzentuiert, sein Gang zu federnd. Es konnte sich nicht um Geschichtslehrer Burkhardt handeln. Beringt und mit Hut hatte sich der Mann den Schülern der Klasse 9 d der Gemeinschaftsschule Bredstedt vorgestellt. Tatsächlich hieß er weder Burkhardt, noch war er Lehrer. Denn: Reiner Schleeberger ist Schauspieler am Schleswig-Holsteinischen Landestheater.

Der Darsteller ließ das Klassenzimmer zum Handlungsort für das Jugendstück „Coming-out“ von Jutta Schubert werden. Dabei handelte es sich um eine Ein-Personen-Inszenierung, in der es um Homosexualität geht. Die Neuntklässler mit ihrer Lehrerin Svea Frantz waren Publikum und Kulisse zugleich. Wie Kunst – in diesem Fall Schauspielkunst – als Mittel zum Zweck aktiver Präventionsarbeit dienen kann, zeigten dann eindrucksvoll sowohl der Akteur in seiner Spielzeit sowie Regisseur und Theaterpädagoge Konrad Schulze bei der anschließenden Nachbesprechung.

Dabei outete sich der Pädagoge, selbst schwul zu sein. Er habe, so berichtete Schulze, das Urstück der Autorin ein wenig umgeschrieben und seine eigenen Erlebnisse wegen der Authentizität mit hineinprojiziert.

Die Schüler waren gefesselt und verfolgten aufmerksam das Geschehen. Mit Informationen an der Tafel wurden belegt, dass zehn Prozent der Deutschen homosexuell sind. Oder auch, dass fünf Prozent der schwulen Teenager des Hauses verwiesen werden. 77 Prozent der schwulen Jugendlichen werden beleidigt oder bedroht. Nach Drehbuch-Vorlage berichtete der Schauspieler, wie er als Schüler darunter gelitten hatte, anders zu sein als seine Klassenkameraden. Pure Angst beschlich ihn täglich, dass irgendjemand seine Neigung entdecken könnte. Über seine erste Freundin Claudia sprach er auch. Die hatte er lange Zeit im Dunkeln darüber gelassen. Sie war zunächst enttäuscht über seine Offenbarung. Doch als wahre Freundin bekannte sie sich weiter zu ihm. Zudem erzählte er über seine erste große Liebe, Henrik, der seine Zuneigung nicht erwiderte, weil er eben nicht schwul war. Völlig unterschiedlich hatten die Eltern reagiert, als sie davon erfuhren. Während der Vater kein Wort sagte und Verständnis signalisierte, war die Mutter nach dem Motto „was wohl die anderen Leute sagen“ entsetzt.

Nicht nur starker Beifall am Ende, sondern auch engagierte Wortbeiträge aus der Klassengemeinschaft zeugten davon, dass das Plädoyer für Respekt und Toleranz angekommen war. Gut sei es immer, so eine Schülerin, offen und ehrlich mit der Homosexualität umzugehen und niemanden zu diskriminieren. „Wie würdet ihr reagieren, wenn sich ein Mitschüler outet?“, wollte der Regisseur wissen. „Ich würde es zwar komisch finden, aber ich könnte damit umgehen“, waren sich die meisten einig. Viele würden dazu neigen, so ein Schüler, Homosexualität aus Angst totzuschweigen, doch das könne nicht die Lösung sein. Außerdem seien die Begriffe normal oder anders ohnehin relativ.

Christine Friedrichsen, Gleichstellungsbeauftragte des Amts Mittleres Nordfriesland, hatte die Idee gehabt, das Theaterstück der besonderen Art im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Westküste denkt Queer“, gefördert von engagierten Privatpersonen und Institutionen in Kooperation mit dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung, an die Schule zu holen. Bei Schulleiterin Carmen Alsen fand sie offene Ohren, nicht zuletzt, weil die engagierte Fachfrau bereits im Herbst vergangenen Jahres schon einmal ein Theaterstück des Landestheaters zum Thema Alkohol an die Schule vermittelt hatte. „Ich fand die Vorstellung damals sehr beeindruckend, und ich dachte mir, dass es wichtig ist, auch die Homosexualität einmal in den Mittelpunkt zu stellen“, so Friedrichsen. Das Thema werde nun in den Klassen behandelt, so die Schulleiterin.

















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