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Delfin-Therapie für Zweijährigen : Cilians schwerer Weg ins Leben

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der zweijährige Cilian aus Wester-Ohrstedt hat gleich mehrere Handicaps - er hört schlecht, läuft unsicher und zeigt autistische Züge. Seine 23-jährige Mutter setzt nun große Hoffnungen auf eine Delfin-Therapie. Ohne Hilfe ist diese jedoch nicht zu finanzieren.

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erstellt am 26.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Wester-Ohrstedt | Die Schwangerschaft verlief noch unauffällig. Seit seiner Geburt ist das Leben des zweijährigen Cilian Zietz jedoch von Rückschlägen geprägt. Im Krankenhaus wäre er fast gestorben. Die Ärzte stellten fest, dass er fast taub ist. Und bei seiner Entwicklung zeigen sich Anzeichen von Autismus. Seine junge Mutter Tabea muss sich allein um ihn kümmern und meistert die Situation nur mit viel Mühe und großem Engagement.

„Er ist eigentlich noch ein Baby“, sagt die 23-Jährige aus Wester-Ohrstedt (Nordfriesland). Der ausgebildeten Hauswirtschafterin fiel schon früh auf, dass ihr kleiner Schatz mehr schläft als andere Säuglinge. Außerdem bewegt er sich unkontrolliert – hat keine Balance – und kann nur schwer schlucken. Für seine Mutter werden die täglichen Mahlzeiten daher schnell zur Geduldsprobe, da Cilian fast alles wieder ausspuckt. Eine Stunde braucht es, um den Brei aus der Schüssel verschwinden zu lassen.

Um seine Schwerhörigkeit behandeln zu lassen, trieb Tabea Zietz schon fünf Monate nach Cilians Geburt die Adresse eines Arztes in Hamburg auf, der ihrem Sohn Cochlear-Implantate einsetzen sollte. Eigentlich werden diese bei Kleinkindern erst nach zwölf Monaten eingesetzt. Nach anderen Komplikationen wurde sein Leben auf einer Intensiv-Station gerettet. Erst danach war die Operation, bei der die Schädeldecke aufgefräst werden muss, möglich.

Mit Hilfe der Implantate soll Cilian nicht nur hören, sondern auch sprechen lernen. „Sein Wortschatz umfasst bis jetzt nur acht Wörter“, sagt seine Mutter. Sein Sprachverständnis hinkt zudem weit hinterher. Der Aufforderung, einen Ball zu holen, kann er denn auch, im Gegensatz zu anderen zweijährigen Kindern, nicht nachkommen.

Auch das Laufen hat er erst vor Kurzem mühsam erlernt. „Er wirkt noch sehr unbeholfen auf seinen dünnen Beinen“, beschreibt Mutter Tabea. Unebenheiten im Boden lassen ihn stürzen. Treppen kann er gar nicht überwinden.

Um ihrem Sohn zu helfen, absolvierte seine Mutter schon früh nach seiner Geburt einen wahren Besuchs-Marathon bei Ärzten. „Ich habe 10.000 Kilometer in drei Monaten zurückgelegt“, berichtet die junge Hauswirtschafterin. Mit dabei hatte sie immer ihre Lehrbücher, denn ihre Ausbildung wollte sie nicht aufgeben. Ihre Prüfung bestand sie schließlich im Juni 2011.

Dass ihre Jugendzeit zu Ende ist und sie früh Verantwortung übernehmen muss, hatte sie schon vor der Geburt gewusst. Dass sie nur in sehr eingeschränktem Umfang arbeiten könnte, dachte sie aber nicht. Momentan finanziert sie alles über einen 100-Euro-Job als mobile Haushaltshilfe und ist auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Von Cilians Vater, so erzählt sie, erhalten sie und ihr Kind keine Unterstützung – „weder finanziell noch physisch“, sagt Tabea Zietz.

So muss die 23-jährige Mutter alle Arzt- und Therapietermine selbst wahrnehmen. Zweimal in der Woche geht es zur Krankengymnastik. Einmal im Monat zur Reha in der Gehörlosenschule in Schleswig. Einmal im Jahr steht ein Besuch in Hamburg zur Kontrolle der Implantate auf Cilians Programm. Hinzu kommen wöchentliche Fahrten zum Logopäden und einer Hör-Frühförderung. Entspannung hingegen ist für Cilian das therapeutische Reiten, durch das er auch sein Gleichgewichtgefühl verbessert hat.

Warum seine Entwicklung insgesamt stagniert, konnte bislang aber kein Arztbesuch klären. Eine andere Mutter wies Tabea Zietz zu Beginn dieses Jahres schließlich auf Cilians autistische Verhaltensweisen hin. So dreht der Kleine seine Spielzeuge lieber als mit ihnen zu spielen. Im Internet recherchierte seine Mutter, dass Probleme beim Gehen und Essen auch durch Autismus entstehen können. Ein sogenannter ADOS-Test (Diagnostische Beobachtungsskala für autistische Störungen) im pädagogischen Zentrum im Ostseebad Pelzerhaken sollte diese Vermutung bestätigen. Cilians Ergebnis landete im auffälligen Bereich.

Im Internet findet die verzweifelte Mutter noch etwas: Autistische Kinder profitieren von Delfin-Therapien. „Cilian hilft das therapeutische Reiten schon sehr viel. Da kann die Delfin-Therapie nur noch größere Erfolge bringen“, hofft die 23-Jährige. Um das Geld dafür zusammenzubekommen, ist die junge Frau selbst aktiv: Sie verkauft selbstgefertigte Armbänder, plant ein Benefizkonzert und möchte Spendendosen in Geschäften aufstellen. Kontakt: cilianundtabea@hotmail.de oder auf der Facebookseite für den Zweijährigen.

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