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Besuch aus Russland : Chronik eines angeordneten Schüleraustausches

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Sie sind von weit her angereist, um sich einmal in Husum umzuschauen. 20 Gaststudenten aus dem südrussischen Woronesch besuchen die Hermann-Tast-Schule und schlagen damit ein neues Kapitel in der Beziehung zwischen Russland und Schleswig-Holstein auf.

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erstellt am 02.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Die Verbindung besteht schon seit Jahrhunderten. Sie begann mit Katharina der Großen und ihrem Ehemann Zar Peter III., der Schloss Gottorf gegen die dänischen Invasoren verteidigte. Jetzt wird der Beziehung zwischen Schleswig-Holstein und Russland ein weiteres Kapitel hinzugefügt – geschrieben von 20 Schülern aus der südrussischen Millionenstadt Woronesch. Als Initiator agierte dabei der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, der immer noch gerne „seine“ Hermann-Tast-Schule (HTS) besucht.

„Mein Herz hängt immer noch an diesem Ort“, sagte der HTS-Abiturient von 1966, als er den Ursprung des Austausches erklären will. So sei es nicht verwunderlich gewesen, dass er nach einem Treffen mit dem abgelösten russischen Präsidenten Dmitri Medwedew seinen alten Freund und Schulleiter Walter Fedders anrief.

„Im vergangenen Jahr bin ich dann nach Russland gereist, um den Austausch zu organisieren“, erzählte Fedders. Ende September erreichten die Austauschschüler vom Gymnasium 6 am Don dann die Stormstadt. „Ich war überrascht, dass alles so schnell ging“, sagte Carstensen. Medwedew habe den Austausch gleich nach ihrem Gespräch angeordnet, so Carstensen. Die Umsetzung überließ er aber seinem Gast, der daraufhin einen russischen Freund anrief.

Der heißt Alexei Gordejew und war russischer Landwirtschaftsminister in der Amtszeit des Initiators. Carstensens Agrarstudium in Kiel und verschiedene Delegationsaufgaben führten die beiden zusammen. „Wir sind aber nicht nur politisch befreundet. Das ist eine enge menschliche Verbindung“, erklärte der gebürtige Nordstrander. Mittlerweile ist der enge Freund zum Gouverneur der Oblast (Region) Woronesch ernannt worden. Wie auch sein Vorgesetzter Medwedew, war Gordejew von der Idee begeistert und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auf seine Einladung hin reisten Fedders und zwei seiner Kollegen schließlich nach Woronesch, um den Austausch zu besiegeln.

„Wir möchten uns sehr herzlich für diese Möglichkeit bedanken“, sagte die stellvertretende Direktorin des Gymnasiums in Woronesch, Lidia Tscherbatych. In der Schülerbibliothek der HTS stellten sich die Austauschschüler, die alle seit der zweiten Klasse Deutsch lernen, jetzt dem ehemaligen Landesoberhaupt vor. „Diese Schüler sind alle sehr diszipliniert“, lobte Fedders und hofft gemeinsam mit dem früheren Politiker, dass „sie sich in einigen Jahren gerne an Husum erinnern“. Carstensen legt besonderen Wert auf die Erfahrung vor Ort: „Sie sollen Husum begreifen. Das kann ein Lehrer allein nicht vermitteln“, urteilte der einstige HTS-Schüler.

Die 20 Gäste aus Woronesch, besuchen während ihres zweiwöchigen Aufenthalts die Hansestädte Hamburg und Lübeck sowie die Nordsee-Insel Sylt. Neben Exkursionen zum Multimar Wattforum in Tönning und dem Theodor-Storm-Haus verbringen sie auch Zeit mit ihren Gastfamilien. „Zunächst hatten wir noch Angst, dass uns unsere Gasteltern falsch verstehen“, erzählte die 17-jährige Anastasia. Diese Bedenken waren aber schnell beseitigt. An anderer Stelle bereitete Carstensen den Gästen aber möglicherweise ungewollt Sorgen: „Euer Gouverneur hat mir einen Brief geschickt. Ihr seht also: Man beobachtet Euch!“

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