Sommerpausen-Plauderei : Christian Czock: „Ich sag’, es geht voran“

Christian Czock.
Christian Czock.

Interview-Reihe: Christian Czock, Fraktionsvorsitzender der CDU, spricht über Zoff in seiner Fraktion, Bau-Pläne und Ideen für Schobüll.

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08. August 2018, 10:00 Uhr

Husum | Sommerpausen-Plauderei: Während der Ferien geben wir den Fraktionsvorsitzenden der Husumer Parteien Gelegenheit, Revue passieren zu lassen, was sie im vergangenen Jahr besonders beschäftigt hat, und sprechen über Themen, die nach der Sommerpause anstehen.

Wir fangen mal ganz entspannt an: Was sind für Sie die Entwicklungen, über die sie sich, seitdem wir im vergangenen Jahr hier zusammengesessen haben, am meisten gefreut haben?

Darüber, dass wir als CDU die Kommunalwahl gewonnen haben. Unsere Arbeit wurde anerkannt. Wir stellen mit Martin Kindl den Bürgervorsteher, einen jungen, dynamischen Bürgervorsteher.

Ansonsten haben wir im vergangenen Jahr ja viel geschafft: Wir haben Gewerbeflächen gekauft, den Bau des neuen Hallenbads angeschoben, das Shopping-Center nimmt Form an, wir haben eine rege Bautätigkeit, was schön ist. Ich sag’, es geht voran.

Kurz zu Ihrer Aussage, die CDU habe die Kommunalwahl „gewonnen“. Das kann man ja so oder so sehen: Die CDU ist zwar stärkste Fraktion, hat aber im Vergleich zu 2013 Stimmen verloren. Und insgesamt war die Wahlbeteiligung in Husum miserabel.

Die Wahlbeteiligung ist leider nicht so toll gewesen, warum auch immer das so war. Wir machen ja Politik für den Bürger. Wir sind interessiert daran alle Bürger zu erreichen. Warum wir nicht genügend durchdringen, kann ich Ihnen auch nicht sagen.

Wie ist denn aktuell die Stimmung innerhalb Ihrer Fraktion? Nach der Wahl wirkte das nicht gerade harmonisch, da hat es ja gekracht.

Jeder hat vor der Wahl bestimmte Wünsche, die aber nach der Wahl nicht alle in Erfüllung gehen können. Das ist einfach so. Wir haben alles intern besprochen und ich glaube, dass alle jetzt mit dem, was sie haben, zufrieden sind.

Mal abgesehen von den Ämterwünschen – auch bei der Frage, wie man mit der Standort-Entscheidung des Hallenbades umgehen soll, war sich die CDU höchst uneinig.

Wir haben einen Beschluss der CDU, dass wir den Standort im Gewerbegebiet favorisieren. Dazu gibt es einen einstimmigen Beschluss der Fraktion zu diesem Thema.

Wenn wir schon beim Hallenbad sind: Peter Cohrs hat neulich in einer Sitzung die Summe von 100 Millionen Euro in den Raum geworfen, die die Stadt Husum in den kommenden Jahrzehnten für den Bau und den Betrieb des Bades ausgeben werde. Ob es nun 100 Millionen werden oder nicht – dass das Bad für Husum teuer wird, steht fest.

Das jetzige Bad ist für Husum auch schon teuer. Wir haben jetzt schon ein jährliches Defizit von einer halben Million Euro. Das ist schon da, das wird durch das neue Bad nur größer werden, das ist der Punkt. Die Zahl, die Peter Cohrs genannt hat, ist nicht unrealistisch.

Wir müssen aber als Kreisstadt ein Schwimmbad vorhalten, das ist auch wichtig für die Schulen, die Vereine und die Bundeswehr.

Sie sprachen von Projekten, in die Bewegung gekommen ist. Es gibt ja aber auch welche, bei denen ist das nicht so. Beispielsweise beim Dockkoog.

Den Dockkoog müssen wir aufteilen in „vor dem Deich“ und „hinter dem Deich“: Was hinter dem Deich passieren wird, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen – ich weiß es nicht. Da muss man abwarten, was mit dem Hotel passiert, da kann die Stadt nichts machen. Wir planen ja mit einem neuen Hotel, einem Campingplatz und genügend Parkflächen. Bis das umgesetzt wird, kann es noch ein paar Tage dauern, da gebe ich Ihnen recht. Doch uns sind als Stadt einfach die Hände gebunden: Uns gehört das Land nicht, andere entscheiden das. Das ist schwierig.

Vor dem Deich, also auf der Dockkoog-Spitze, da wird an den Plänen für einen Badesee weiter gearbeitet. Da tut sich also was.

Welche Themen liegen Ihnen nach der Sommerpause besonders am Herzen?

Unter anderem der soziale Wohnungsbau. Es wird in Husum viel gebaut, was ich gut finde. Wir bauen aber überwiegend höherpreisig, es fehlt an bezahlbarem Wohnraum, weil viele da nicht ran wollen, weil es sich wohl nicht so richtig rechnet.

Die Husumer CDU hat vor einigen Monaten Kontakt aufgenommen zu einem auswärtigen Wohnungsbauunternehmer, der sagt, er könne soziale und bezahlbare Wohnungen in Husum bauen. Zwischen dem Unternehmen und dem Bürgermeister gab es auch schon Kontakt. Wenn wir geeignete Fläche haben, bauen die hier.

Welche Flächen schweben Ihnen denn vor?

Da haben wir noch nichts konkretes, vielleicht werden es private Flächen.

Schobüll steht im Übrigen auch noch auf der Agenda.

Was denn in Schobüll? Da gibt es ja viele Themen.

Alles. Schobüll ist sehr lebenswert. Es wohnen dort überwiegend ältere Menschen in Häusern auf großen Grundstücken. Wenn man sich jetzt überlegt, wie wir den Zuzug von jüngeren Menschen ermöglichen wollen, müssen wir uns etwas einfallen lassen. So, wie es momentan ist, wird das nichts. Denn jüngere Leute können die Schobüller Preise nicht bezahlen.

Wir müssen mit den Schobüllern gemeinsam eine Lösung finden. Denn wenn wir das nicht machen, bricht die Infrastruktur dort irgendwann weg: Dann ist der Kindergarten, die Grundschule, der Kaufmann weg. Und das wäre zu schade. Eine Idee wäre es, die ganz großen Grundstücke zu teilen.

Über genau diese Idee haben wir schon vor einem Jahr auch schon geredet.

Das ist bei den Schobüllern angekommen, das war ja wichtig. Wir wollen sie ja mitnehmen. Die merken dort ja selber, dass die leersteheden Häuser von solventen Außenstehenden gekauft werden, die sie als Ferienhäuser nutzen. Der Ort blutet aus – und das ist nicht im Sinne der Schobüller.

Ein letztes Thema, das uns auch im Herbst weiter beschäftigen wird: Harmsens Koppel. Es ist einfach so, dass wir viele Pendler haben, die müssen irgendwo parken. Die parken bisher die Straßen in Rödemis voll. Und deshalb wollen wir den Parkplatz auf Harmsens Koppel. Das Thema ist sehr emotional, ich hoffe, dass wir das auf einer vernünftigen Ebene hinkriegen. Das entlastet die Seitenstraßen in Rödemis und dann werden die Bürger auch wieder zufriedener sein.

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