Tönning : Chemie-Alarm in Tönning

Die 15 Kilogramm schweren Chemikalien-Schutz-Anzüge werden dekontaminiert. Sie sind luftdicht abgeschlossen und bieten Vollschutz.
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Die 15 Kilogramm schweren Chemikalien-Schutz-Anzüge werden dekontaminiert. Sie sind luftdicht abgeschlossen und bieten Vollschutz.

Verpuffung in einem Unternehmen: Ursache waren vermutlich Flüssigkeiten in Plastikkanistern, die entsorgt werden sollten.

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11. Juli 2018, 22:00 Uhr

Der Alarm kam am Mittwochvormittag um 10.30 Uhr; der Einsatz hielt die 34 Feuerwehrkräfte, die mit insgesamt acht Fahrzeugen angerückt waren, bis 17 Uhr in Atem. Per Notruf wurde eine Verpuffung in einem Betrieb im Gewerbegebiet West mit anfänglicher Rauchentwicklung gemeldet. Die Tönninger Feuerwehr rückte sehr schnell mit mehreren Fahrzeugen aus; vor Ort trafen auch Rettungswagen des Landkreises und Streifenwagen der Polizei ein.

In der betreffenden Firma werden Pappen und Papier zusammengepresst und für den Weitertransport zur Aufarbeitung gebündelt. Daneben werden aber auch leere Plastikkanister, die zuvor mit unterschiedlichen Inhalten befüllt waren, zusammengepresst. Dabei müssen sich nach derzeitigem Ermittlungsstand in mehreren Kanistern noch Restflüssigkeiten befunden haben, die aufeinander trafen und chemische Reaktionen auslösten.

Ein Mitarbeiter, der am Transportband der gepressten Plastikkanister gestanden hatte, klagte über Unwohlsein und wurde nach Behandlung vor Ort auf die Intensivstation einer Klinik verlegt. Die zentrale Rettungsleitstelle in Harrislee löste zusätzlich Alarm für die Gefahrgut-Löschzüge (LZG) in Husum und Bredstedt aus; Mitglieder der Tönninger Löschzug-Gefahrgut-Außenstelle waren bereits mit der örtlichen Feuerwehr eingetroffen.

Nach Lagebesprechung stiegen die Atemschutz-Geräteträger Felix Fröhlich und Markus Peters vom Löschzug Gefahrgut (LZG) um 11.20 Uhr in die schweren gelben Chemikalien-Schutz-Anzüge (CSA) und begaben sich in die geräumte große Halle; ein weiterer CSA-Trupp wartete einsatzbereit. „Die Arbeit in diesen rund 15 Kilogramm schweren Anzügen bedeutet eine mega-große Anstrengung“, unterstrich vor Ort Vize-Kreiswehrführer Wolfgang Clasen, der mit der Tönninger Feuerwehr im Einsatz war. „Im Übrigen ist dies hier kein alltäglicher Einsatz.“

Gleich zu Beginn wurde das Betriebsgelände mit Flatterband abgesperrt, die Mitarbeiter befanden sich außerhalb der Betriebsanlagen. Der aus der Halle zurückgekehrte CSA-Trupp hatte dort einen minimal erhöhten Phosphorgehalt gemessen und wurde hernach in den kontaminierten Anzügen in einer Wanne abgespült und aus den schweren Anzügen befreit. In leichteren grauen Schutzanzügen konnten nun Gregor Zaczyk und Ralf Wehner die Halle betreten und das abgeschaltete Förderband starten.

Eine lückenlose Dokumentation der Abläufe nahm Lars Grüning im Reaktor-Erkundungstrupp-Wagen an der Einsatzstelle vor.

Zu 26 Einsätzen wurde der Löschzug Gefahrgut (LZG) im vergangenen Jahr alarmiert, der Tönninger Einsatz war bereits der 19. in diesem Jahr.

Ab 13 Uhr – mittlerweile waren die gepressten Pappenballen entfernt – traten die gepressten Plastikkanister auf dem Förderband ins Freie. Die sofort vorgenommenen Messungen ergaben leicht erhöhte Werte von Blausäure. Danach begann eine vom Vizekreiswehrführer als solche bezeichnete „Sisyphusarbeit“: Die zusammengepressten Kanister mussten auseinander genommen und einzeln per Abstrich und mit dem Messgerät kontrolliert werden. Wiederholt wurden in den Behältnissen Flüssigkeitsrestmengen entdeckt, in Messgläser gekippt und kontrolliert. Die Kanister wurden anschließend – getrennt nach sauren und alkalischen Inhalten – in Container umgefüllt. Die gesamte Arbeit an jedem einzelnen Kanister wurde über Stunden hinweg per Foto für die Staatsanwaltschaft dokumentiert.

„Es lässt alles darauf schließen, dass nicht restentleerte Flüssigkeiten beim Zusammenpressen der Kanister aus diesen ausgetreten sind und untereinander reagiert haben“, vermutete der LZG-Einsatzleiter Alexander Hofer.

Bilanz des stellvertretenden Kreiswehrführers Wolfgang Clasen beim Einsatzende um 17 Uhr: „Es hat hier vor Ort eine ruhige und reibungslose Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte stattgefunden. Außerdem hat sich von Vorteil erwiesen, dass wir als örtliche Wehr gute Beziehungen zum Löschzug Gefahrgut pflegen.“

Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer ließ sich am Einsatzort informieren und zeigte sich „eindrucksvoll überzeugt von der Arbeit der Einsatzkräfte“. Ausdrücklich dankte sie für den geleisteten Einsatz.

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