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Mehr Arbeit beim TSBW in Husum : Chancen für Menschen mit Potenzial

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk in Husum hat einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erstellt.

Es ist ein Meilenstein in der Geschichte des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW) in Husum – als erste Einrichtung dieser Art leistet es einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Den Rahmen dafür bildet der Aktionsplan „Vielfältige Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt ermöglichen“, der gestern im Freizeithaus des TSBW vorgestellt wurde.

Partizipation, Empowerment und Inklusion. „Worte, mit denen ich zunächst nichts anfangen konnte“, gab Andreas Thies unumwunden zu. Der junge Mann absolviert derzeit eine Ausbildung zum Bürokaufmann beim TSBW und moderierte die Präsentation vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Unter ihnen auch Andreas Fleck. Der Abteilungsleiter aus dem Kieler Sozialministerium vertrat Ministerpräsident Torsten Albig, der eine Sonderkonferenz zum Thema Solidaritätszuschlag in Brandenburg dem Husumer Termin vorziehen musste.

Fleck gab zu, immer gerne nach Husum zu reisen, weil er dort immer auf Personen treffen würde, die Ideen und Visionen hätten. Der neue Aktionsplan sei ein weiterer Beleg dafür. Das TSBW ist die erste nichtstaatliche Organisation im nördlichsten Bundesland, dass die Ziele der UN-Konvention mit einem Aktionsplan umsetzt. Zwar bestimmen die Leitgedanken der Konvention schon seit Jahren die Konzepte und den Alltag des TSBW, doch mit dem neuen Projekt würden die ehrgeizigen Ziele der Husumer Einrichtung konsequent weiterentwickelt. So sollen bis zum Jahr 2019 50 Prozent der Ausbildungen betrieblich verzahnt sein. Bislang sind es nur 15 Prozent. Weiteres Ziel ist es, nicht weniger als 70 Prozent der Absolventen des TSBW nach ihrer Ausbildung dauerhaft auf dem ersten Arbeitsmarkt sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen – derzeit liegt die Quote bei 53 Prozent. Der nächste Jahrgang der Bürokaufleute erhalte sogar eine hundertprozentige Zusage, einen sozialversicherungspflichtigen Anschlussvertrag zu bekommen, gab TSBW-Einrichtungsleiter Hans-Jürgen Vollrath-Naumann bekannt. Grund dafür ist ein Dienstleistungsunternehmen, das auf dem Gelände des TSBW ansässig ist und dort ein Call-Center betreibt. Dessen Geschäftsführer, Matthias Gehm, beschäftigt schon seit einigen Jahren ehemalige Auszubildende des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks und versprach, diese auch in Zukunft einzustellen. Allein in Husum sollen 80 Arbeitsplätze entstehen. „Das ist keine soziale Tat“, betonte Margrit Haupt-Koopmann. Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit und zugleich Schirmherrin des Aktionsplans sieht für die Arbeitgeber zahlreiche unternehmerische Vorteile, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Diese seien motivierter und leistungsbereiter, erklärte sie. „Wir müssen endlich lernen, Menschen mit Behinderungen als Menschen mit Potenzialen zu sehen.“

Für Prof. Dr. Ulrich Hase, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen und auch Schirmherr des Projekts, ist der Aktionsplan ein Weg zur Öffnung in die Gesellschaft. Damit schloss sich der Kreis, in dessen Mittelpunkt das Thema „Inklusion“ steht. „Ich bin nicht behindert, ich werde durch viele Dinge behindert“, sagte Hase und forderte ein Umdenken in der Gesellschaft.

Inklusion sei aber in erster Linie eine Sache des Wollens, betonte Andreas Fleck abschließend. Er nahm die Politik und Wirtschaft in die Pflicht. „Geld ersetzt nicht die Kreativität und den guten Willen.“

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erstellt am 28.Nov.2014 | 16:00 Uhr

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