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Teamwork der Rettungskräfte : Busunglücke sind auch ihr Albtraum

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

120 nordfriesische Feuerwehrleute trainieren mit Kollegen vom Rettungsdienst, von der Polizei und vom Technischem Hilfswerk, wie durch Teamwork Verletzte aus Bussen geborgen werden können. Ein solcher Unglücksfall ist einer der schlimmsten für die Retter.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Es wird landesweit die größte Rettungsübung dieser Art sein. Wenn morgen und übermorgen 120 Feuerwehrleute aus ganz Nordfriesland in Husum trainieren, geht es um das Bergen von Verunglückten aus einem Bus – schnell muss eine große Zahl an Verletzten in Sicherheit gebracht werden: eine Herausforderung. Und da funktionierendes Teamwork entscheidend ist, um im wahren Ernstfall Leben retten zu können, werden auch Kolleginnen und Kollegen von der Kreisleitstelle, vom Rettungsdienst, der Polizei und dem Technischen Hilfswerk (THW) an der Großübung aktiv mitwirken. Dazu kommen 100 bis 150 Helfer für Auf- und Abbau, Absperrungen und Essensausgabe sowie Statisten als Opfer in drei Reisebussen und sechs Kleintransportern, die Unternehmer aus der Region bereitwillig zur Verfügung gestellt haben; schließlich gilt es, rund 200 Feuerwehr- und Rettungsdienstleute plus THW und Polizei zu mehr Erfahrung zu verhelfen. Das für den Übungstag benötigte, neueste hydraulische Schneidmaterial „spendiert“ eine Fachfirma.

„Gerade Nordfriesland, eines der beliebtesten Urlaubsgebiete Schleswig-Holsteins, wird täglich von hunderten Bussen durchfahren. Es ist also nicht die Frage, ob ein Busunfall bei uns passiert, sondern wann“, betont der Koldenbütteler Jochen Misdorf, Kreisfachwart und Kreisausbilder für technische Hilfe. „Busrettung ist mit das Schlimmste. Sie haben in Sekunden viele Verletzte und Schwerstverletzte mit Knochenbrüchen und in Sitze eingeklemmt.“ Misdorf hat das Praxisseminar „Busunfall“ zusammen mit Klaus-Dieter Darow (Süderlügum), Sacha Münster (Berufsfeuerwehr Flensburg) und Günther Neumann (Hattstedt), Kreisausbilder für Atemschutzgeräteträger, für den Kreisfeuerwehrverband Nordfriesland organisiert.

Vor der Praxis kommt jedoch die Theorie. Am Freitagabend beschreiben in der Kreisfeuerwehrzentrale Referenten große Busrettungsszenarien – auch das, was bei ihnen schief ging und besser gemacht werden kann, verschweigen sie nicht. Es sind: Rainer Blaas von der Berufsfeuerwehr Flensburg und Michael Schermer von der Wehr Bargteheide, die bereits vier „Rettungstage“ auf ihrem Fortbildungsprogramm hatte. Bei den beiden jüngsten – 2011: Busrettung und 2012: Massenkarambolage – war auch eine Abordnung der Kreisausbilder aus Nordfriesland vor Ort, die Bargteheide für ihre Übung als Vorbild betrachten. Michael Schermer spricht in Husum über Aufbau und Ansätze bei der technischen Rettung. Rainer Blaas berichtet über einen schweren Einsatz vor zwei Jahren, als ein Van bei Glücksburg gegen einen Linienbus geprallt war.

Ernst wird es dann am Sonnabend. Auf dem Gelände des Kreisfeuerwehrverbandes versammeln sich die Retter um 8 Uhr zum Anschauungsunterricht. Genaue Kenntnisse über bauartliche Besonderheiten verschiedener Bustypen (Gelenk-, Doppeldecker-, Reise- und Behindertenfahrzeuge) – sind unabdingbar, um an einem Unglückstag nicht im Chaos zu versinken und womöglich wertvolle Zeit mit der Suche nach dem Notausstieg zu verschwenden. . . An verschiedenen Übungsstationen kann das Schneiden mit neuen Werkzeugen geübt werden. „Ein Bus hat ein anderes Blech als ein Pkw – es ist viel dicker“, merkt Misdorf an. Die „dramatischen Verformungen“ eines Unfallbusses machten die Sache nicht einfacher. Punkt 18 Uhr startet dann der „Workshop“ auf dem Parkplatz bei Max Bahr.

Bedarf an Busrettungs-Schulungen ist vorhanden, weiß Misdorf, der Anrufe aus ganz Deutschland bekommen hat. Doch diese Großübung findet exklusiv nur für Nordfriesen statt.

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