Engagierte Bürger : Buntes Tönning, lebendiges Tönning

Viel alte Bausubstanz gibt es noch in der Innenstadt. Die Initiative möchte die Geschichte der Häuser bekannter machen.
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Viel alte Bausubstanz gibt es noch in der Innenstadt. Die Initiative möchte die Geschichte der Häuser bekannter machen.

Mit Pinsel und Farbe will eine Initiative die Stadt interessanter machen – im Frühjahr soll es losgehen. Außerdem plant sie einen Tönning-Führer und hat schon eine Vortragsreihe gestartet.

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20. Januar 2015, 12:00 Uhr

Wer durch Tönning bummelt, der fühlt sich in etlichen Straßen und Gassen der Innenstadt in die Vergangenheit versetzt. Es ist noch viel alte Bausubstanz erhalten: niedrige Häuschen und stattliche Treppengiebelhäuser, mehrstöckige Arbeiterblocks und vornehme Villen. Sie erinnern an die große Zeit Tönnings als Handels- und Hafenstadt im 17. und 19. Jahrhundert. Tönning hat Charme mit seinem Marktplatz, seinem Schlossgarten und seinem Hafen.

Dass Tönning aber noch mehr zu bieten hat, darauf möchte die Initiative „Geschichte trifft Zukunft“ aufmerksam machen. Nicht nur in der Theorie, sondern auch ganz praktisch und anschaulich. Und damit hofft die Gruppe, die Eiderstadt wieder interessanter für Laden- und Café-Betreiber sowie kleine Manufakturen zu machen und damit auch wieder interessanter für Besucher. Denn: „Ich höre immer wieder von Urlaubern und Tagesgästen: Hier ist ja nichts. Hier kann man gar nicht bummeln“, sagt Prof. Dr. Waltraud Kokot, die die Initiative gegründet hat. Dabei wollen sie nicht als Heilsbringer von außen missverstanden werden, sie wollen nur ihren Beitrag für eine lebenswerte Zukunft in der einstigen Kreisstadt leisten.

„Wir wollen Ideen liefern und gemeinsam mit den anderen umsetzen“, betont Waltraud Kokot. Sie schätzen sehr wohl die Arbeit der Vereine und Verbände, vor allen Dingen des Runden Tisches Tönning und der Gesellschaft für Stadtgeschichte, der Kirche und der Verwaltung. Die Initiative hat sich bei ihnen bereits vorgestellt. „Wir sind kein Verein, und wir wollen niemand Konkurrenz machen“, betont Waltraud Kokot. Mit der Gesellschaft für Stadtgeschichte gibt es bereits ein erstes Projekt: eine Vortragsreihe zum Thema „Unbekanntes Tönning“. „Denn oftmals weiß man gar nicht, was sich in den Gebäuden abgespielt hat, wer dort wohnte, wozu sie dienten“, sagt die Professorin.

Waltraud Kokot kennt Tönning seit 20 Jahren. Damals war die Ethnologin aus Hamburg auf der Suche nach einem leicht erreichbaren Wochenendhaus, dabei stieß sie auf Tönning. Vor drei Jahren, mittlerweile im Ruhestand, zog sie dann permanent an die Eider. Die Stadt ist ihr ans Herz gewachsen. Sie und ihre Mitstreiter finden, dass sie viel Potenzial hat, dem noch ein wenig auf die Sprünge geholfen werden kann. So plant die Initiative eine Bestandsaufnahme der historischen Gebäude in der Innenstadt. Ihr geht es vor allen Dingen um die Zeit seit 1900. Das soll einfließen in einen Tönning-Führer, der ähnlich wie der der Eiderstedter Kultursaison gestaltet werden soll. Dabei greift die Gruppe auch auf Informationen der Gesellschaft für Stadtgeschichte zurück.

Ganz praktisch an die Verschönerung des Ortes will die Initiative im Frühjahr gehen, und dann Tönning tatsächlich bunter machen. In Absprache mit Verwaltung und Hausbesitzern sollen Fassaden angestrichen werden, um der Stadt in manchen Ecken ein frischeres Aussehen zu geben und diese Straßen auch interessant für Besucher zu machen. In den Schaufenstern leerstehender Geschäfte sollen Kunst und Wissenswertes zur Stadtgeschichte gezeigt werden. Langfristig hätten dann dort auch Cafés und Läden oder offene Werkstätten eine größere Chance, ist die Initiative überzeugt. Denn: Eines zieht das andere nach sich. Von vielen ihrer Bekannten aus Hamburg weiß Waltraud Kokot, dass diese auf der Suche nach einer Kleinstadt sind, wo es möglich ist, einen Laden oder eine Manufaktur zu betreiben. Das kann die Galeristin Helga Hoppe, die ebenfalls bei der Initiative mitmacht, bestätigen. Sie hat am Herrengraben ihre Galerie. „In der Nachbarschaft ist noch die Töpferei und die Schmückerei und ein Stück weiter der Wollladen, der auch Kurse anbietet. Wir ergänzen uns. Die Leute kommen.“ Helga Hoppe und ihr Mann Jörg leben seit mehr als 20 Jahren auf Eiderstedt, erst hatten sie in Osterhever eine Galerie, vor drei Jahren kamen sie dann nach Tönning. Waltraud Kokot hat sie über die Eiderstedter Kultursaison kennengelernt, für die sie sich ebenfalls engagiert. An Tönning mag sie die Überschaubarkeit und die Hilfsbereitschaft der Menschen, dass die Nachbarschaft noch funktioniert.

„Tönning benötigt ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Waltraud Kokot, die sich beruflich intensiv mit Stadtgeschichte und -entwicklung, besonders von Hafenstädten, befasst hat. „Beispielsweise als die Stadt der Kunsthandwerker und Handwerker. Dann könnte sich Tönning auch überregional als etwas Besonderes etablieren. Wir müssen vermeiden etwas nachzuahmen, also ein zweites Friedrichstadt zu werden.“

Die Initiative passt sehr gut zu der Aufbruchsstimmung, die in Tönning herrscht. So arbeitet die Verwaltung mit vielen Akteuren an einem Leitbild für die Stadt. Außerdem wird die Ortsgestaltungssatzung überarbeitet.

Wer sich in der Initiative engagieren möchte, wendet sich an Waltraud Kokot unter E-Mail wkokot@uni-hamburg.de.

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