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ehemalige Stapelholmkaserne : Bundeswehr übt in Seeth: Gewehrsalven vor Flüchtlingsheim

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rund um die Erstaufnahme-Einrichtung für Asylsuchende in Seeth, übt die Bundeswehr aus Husum. Mittlerweile hat sie die Gefechtsübungen unmittelbar in Nachbarschaft zur Kaserne eingestellt.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Wer im Fernsehen einmal Bilder aus der syrischen Stadt Aleppo gesehen hat, der weiß, was die Menschen dort erlebt haben. Tag und Nacht Gefechte, Bombenabwürfe, Explosionen und überall auf den Straßen Tote. Viele der Flüchtlinge sind traumatisiert, bedürfen eigentlich dringendster psychologischer Betreuung. Doch das ist bei der großen Schar der Zuflucht suchenden Menschen gar nicht möglich, nicht zu leisten. Auch nicht in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes, in der ehemaligen Stapelholmkaserne in Seeth.

Rund um die eigentliche Kasernenanlage von rund 42 Hektar befindet sich noch ein großer Truppenübungsplatz, der nach wie vor von der Bundeswehr aus Husum genutzt wird. Daher sind auf dem Kasernengelände durchaus auch hin und wieder Schüsse zu hören. Allerdings sagt dazu Heidemarie Skomske, Leiterin der DRK-Betreuung in der Erstaufnahme-Einrichtung, dass dies bislang eigentlich noch kein Thema bei den Flüchtlingen gewesen sei. „Die haben bei ihrer Ankunft ganz andere Sorgen, sind froh, endlich ein festes Dach über dem Kopf zu haben.“ Zudem seien so viel Dinge zu erledigen, wie etwa ärztliche Untersuchungen, Erfassung und Versorgung mit den nötigsten Dingen, dass das Thema Übungen der Bundeswehr bislang ihres Wissens keine große Rolle gespielt habe. Jedoch, so Heidemarie Skomske, wolle man diese Thematik, wenn die Erstaufnahme-Einrichtung ganz ohne zu haken läuft, sicherlich noch einmal beleuchten. Dann sollen auch Gespräche mit den Asylsuchenden geführt werden.

Beispielsweise sagt der ehemalige Bundeswehrsoldat Thies Thomsen: „Wenngleich der Primat bei der Politik liegt und den militärischen Ausbildungsbetrieb bestimmt, so denke ich – auch als ehemaliger Berufssoldat – sollte so viel Empathie gegenüber den vielen Flüchtlingen entgegen gebracht werden, dass zumindest Schusswaffen nicht in deren unmittelbarer Nähe eingesetzt werden sollten. Solche Ausbildungsdienste müssten dann auf andere militärische Einrichtungen verlegt werden.“

Und das geschieht zum Teil bereits, denn die Bundeswehr hat ihren Übungsbetrieb durchaus schon der Lage angepasst. So finden in unmittelbarer Nachbarschaft der Kaserne keinerlei Übungen mehr statt. Die Flüchtlinge sehen also von ihrem Standort aus keine Soldaten am Zaun. Auch gebe es grundsätzlich keine Detonationsübungen mehr (etwa Handgranatenwerfen). Ganz auf Übungen kann die Bundeswehr dort aber nicht verzichten, doch wird dessen Nutzung möglichst kasernenfern betrieben. Beispielsweise Richtung Süder- und Norderstapel. Dort finden dann zwar auch noch Gefechtsübungen statt, doch ist deren Lärm nur noch schwach auf dem Kasernengelände der Unterkunft zu hören.

Bereits während des Bürgerinformationsabends in der Kaserne Seeth, zwei Tage vor Ankunft der ersten Flüchtlinge, hatte ein Bürger auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht und darum gebeten, dass nach Lösungen gesucht werden sollte. Ralf Heßmann, Vorsteher des Amtes Nordsee-Treene und selbst Offizier, versprach sich darum zu kümmern – und, so war von der Bundeswehr zu hören, daraufhin seien auch teilweise Übungen abgeändert worden. Gänzlich darauf könne man jedoch nicht verzichten, unterstreicht Sprecher Bernd Berns. Man wolle weiterhin den teils traumatisierten Flüchtlingen möglichst den Gefechtslärm ersparen, indem auch darüber nachgedacht werde, wenn machbar, auf andere Übungsplätze auszuweichen.

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