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Stolz auf die Anerkennung : Bürgerpreis: Von Enttäuschung keine Spur

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Abenteuerliche Reise der Bürgerpreis-Kandidaten in die Landeshauptstadt. Der Husumer Speicher und die Theaterbühne „Junge Lüüd ut Löwenstedt“ sind stolz auf ihre Teilnahme am Event.

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erstellt am 15.Nov.2015 | 07:00 Uhr

Was für ein Glück, dass nicht nur ein Vertreter aus Nordfriesland zur Verleihung des Deutschen Bürgerpreises Schleswig-Holstein gefahren war. Denn obgleich die zehnköpfige Abordnung des Husumer Speichers ganz bewusst auf öffentliche Verkehrsmittel gesetzt und zudem noch einen Vorlauf von zweieinhalb Stunden einkalkuliert hatte, wäre sie um ein Haar zu spät in die Kieler Sparkassen-Akademie gekommen. Grund: Der Zug fuhr nur bis Rendsburg, „und wenn wir auf die Durchsage am Bahnsteig vertraut und den Anschlusszug nach Neumünster genommen hätten, wären wir wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig eingetroffen“, fasst Speicher-Geschäftsführerin Noren Fritsch die unfreiwillige Odyssee am Tag danach zusammen. So aber legte die Speicher-Crew eine Punktlandung hin. Und weil auch die Theaterbühne „Junge Lüüd ut Löwenstedt“ zur Preisverleihung angereist war und dafür sogar eigens einen Bus gechartert hatte, war die Rücktour für beide Gruppen deutlich entspannter.

Obgleich das soziokulturelle Zentrum aus Husum und die plattdeutsche Theatergruppe aus Löwenstedt in unterschiedlichen Kategorien antraten, ging es im Grundsatz für beide, aber auch für alle anderen Einrichtungen, die den Weg nach Kiel gefunden hatten, um ein und die selbe Idee: Mit dem Deutschen Bürgerpreis, der zum 13. Mal verliehen wurde und unter der Schirmherrschaft des Landtages steht, werden Einrichtungen ausgezeichnet, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement aktiv zum sozialen und gesellschaftlichen Leben im Land beitragen.

In diesem Jahr stand die Preisverleihung unter dem Motto: „Kultur leben – Horizonte erweitern“, wobei die Speicher-Leute als „Altershelden“ und die Löwenstedter in der Kategorie „U 21“ an den Start gingen. Dass beide am Ende leer ausgingen und der Preis an das Rendsburger Theaterprojekt „Szol Ha“ verliehen wurde (wir berichteten), war für beide „völlig in Ordnung“. Deren Bewerbung stand ganz im Zeichen des aktuellen Flüchtlingsthemas, und so wertete Fritsch die Entscheidung der Jury auch als „absolut richtiges Signal“. Und auch wenn von den 500 Euro Preisgeld am Ende schon 100 für die Fahrt nach Kiel draufgingen, hat sich die Reise für den Speicher auf jeden Fall gelohnt. „Wir haben alte Kontakte aufgefrischt und neue geknüpft“, sagt die Speicher Geschäftsführerin und lobt die festliche, doch zugleich entspannte Atmosphäre in der Sparkassen-Akademie. Dass der Speicher im kommenden Jahr einen zweiten Anlauf nehmen wird, bezweifelt sie allerdings. „Das ist doch eine Menge Arbeit“, sagt Fritsch. „Und ich finde, für einen solchen Preis bewirbt man sich nur einmal.“

De „Junge Lüüd ut Löwenstedt“ schafften es in ihrer Kategorie ebenfalls nicht auf den Platz ganz oben auf dem Treppchen, aber die Teilnahme selbst und die Platzierung unter den zehn Finalisten, sind auch für sie, die seit 30 Jahren plattdeutsches Theater, meist zeitgenössische jugendgerechte Stücke spielen, Anerkennung genug. Wie Theater-Chefin Gesa Retzlaff auf Nachfrage berichtet, „haben wir einen wunderbaren Abend erlebt. Als wir gesehen haben, mit welchen anderen Projekten wir in die engere Wahl gekommen sind, habe ich nur gedacht: Wow, das ist aber toll.“ Derzeit sind 30 Spieler im Alter ab zwölf Jahren bei den jungen Leuten aus Löwenstedt aktiv. Weitere 50 Personen aus dem Dorf unterstützen die Truppe durch ihre Mitgliedschaft. In ideeller Hinsicht steht ganz Löwenstedt hinter den jungen Leuten, denn die Gemeinde stellt einen Raum für den Fundus und die Kirchengemeinde den Probenraum.

Das nächste Stück – „An de Arche Klock acht“ – feiert bereits Anfang Dezember Premiere. Darin streiten drei Pinguine über Gott. Ist der liebe Gott wirklich lieb? Sieht er alles? Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht? Und noch während sie debattieren, beginnt es plötzlich zu regnen: Die große Sintflut kommt. Zwei Tickets für die Arche Noah sind noch zu kriegen. Aber was ist mit dem dritten Pinguin? Die Vögel fassen einen waghalsigen Plan  .  .  .

Den Speicher gibt es seit 33 Jahren. Derzeit kümmern sich 50 ehrenamtliche Mitarbeiter um den Betrieb und um die Programmgestaltung des Hauses. Im Jahr kommen rund 20  000 Besucher in das sozio-kulturelle Zentrum an der Hafenkante, dessen Wirkungskreis weit über Husum und das nähere Umland hinausreicht.

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