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Gegen Schweinemast : Bürgerinitiative sorgt sich um die Zukunft des Dorfes

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Um fast 3000 Mastschweine will ein Landwirt in Simonsberg seinen Betrieb aufstocken. Das stört die Anlieger. Es wurde die Bürgerinitiative „Gute Luft für Finkhaus“ ins Leben gerufen. Sie will die Betriebserweiterung verhindern.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Rund 1000 Schweine gehören schon zum Betrieb. Jetzt plant ein Landwirt aus Simonsberg die Erweiterung seiner Anlage um 2986 Mastschweineplätze. Dies will die neu gegründete Bürgerinitiative (BI) „Gute Luft für Finkhaus“ verhindern. In diesem Ortsteil von Simonsberg hat der Bauer seinen Hof. In Finkhaus müssen mehr als 200 Menschen schon jetzt mit Geruchsbelästigungen leben – und das nicht nur, wenn Gülle ausgebracht wird, betont die BI in einer Pressemitteilung.

Doch der Geruch ist nur ein Argument, das die Gegner anführen. Sie wollen auch öffentlich ein deutliches Zeichen gegen Massentierhaltung und die damit verbundenen Qualen der Tiere setzen. Die Nordfriesen solidarisieren sich daher mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und deren Motto „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“. Und in diesem Fall ist für die BI der Tierschutz auch Menschenschutz. Denn mit immer mehr Tieren steigt erwiesenermaßen in den Ställen das Seuchen- und Krankheitsrisiko, was zum massiven Einsatz von Antibiotika führt: Oft dauerhaft, rein vorbeugend, wie es in dem Schreiben weiter heißt. Dadurch können gegen Antibiotika resistente Keime (zum Beispiel MRSA) entstehen, die für Menschen und Tiere Lebensgefahr bedeuten. Mediziner warnen bereits davor. Noch stärkere Emissionen, unter anderem von Ammoniak, das auf Ökosysteme schädlich wirkt, und die sehr gefährlichen Keime betrachtet die BI daher als Gefährdung der Gesundheit der Anwohner.

Ein weiteres Argument ist das Risiko für das Grundwasser, wenn die zusätzliche Gülle auf den Feldern in direkter Nachbarschaft der Wohnhäuser und des Kindergartens in Finkhaus ausgebracht wird. Deutschland hat EU-weit mit die höchsten Nitratwerte im Grundwasser – in hohem Maße mit verursacht durch Massentierhaltung, verweist die BI auf aktuelle Veröffentlichungen. Tatsache sei auch, dass es für Nitrate im Trinkwasser einen Grenzwert gibt, da diese bei hoher Dosierung Krebs auslösen können. Doch diesen Grenzwert einzuhalten, werde für Wasserwerke immer schwieriger, da Landwirte immer mehr düngen. „Gülle ist ja nicht mehr der Dünger von früher – heute kommt ein Chemiecocktail auf die Flächen“, warnt Ann-Kristin Thun von der BI. „Und über die Entwässerungsgräben gelangen diese Stoffe sogar in die Nordsee.“ Damit wären die Badestellen Lundenbergsand in Simonsberg und sogar der Husumer Dockkoog betroffen – ganz zu schweigen von der Geruchsbelästigung für die Erholungssuchenden, zu denen viele Urlaubsgäste gehören.

Zuständige Genehmigungsbehörde ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Betroffene haben die Möglichkeit, Einwendungen an das LLUR (Bahnhofstraße 38, 24937 Flensburg) zu schicken. Bisher gilt für Einwendungen eine Frist bis zum 17. Januar. Doch inzwischen hat Bürgermeisterin Angela Feddersen nach einem Gespräch mit BI-Vertretern zugesagt, eine vierwöchige Fristverlängerung zu erwirken. Die Gemeindevertretung, der auch der Landwirt angehört, benötigt noch Zeit, um das Thema für eine eigene Stellungnahme tiefer zu durchdringen. Auch im Gemeinderat gibt es Bedenken.

Werner Burck vom Bürgerbündnis Eiderstedter Forum, der die BI begleitet, macht noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Es wäre wichtig, dass die Gemeinde ein schlüssiges Konzept vorlegt und Visionen entwickelt, wie sie sich ein Simonsberg 2020 vorstellt.“ Aus der Runde der BI-Mitglieder ist sofort Bereitschaft signalisiert worden, an einem solchen Zukunftsprojekt mitzuarbeiten. Denn allen geht es darum, dass ihr Heimatdorf für viele Menschen Lebensqualität und verschiedenen Branchen eine Chance für Entwicklung bietet. Gesundes Wohnen, Naherholung für die Bürger und Tourismus einerseits und Agrarfabriken andererseits passen wirklich nicht zusammen. Und die BI-Mitglieder treibt zusätzlich die Sorge um, ob es denn bei dieser einen Erweiterung der Mast-Anlage bleibt.

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