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Nordfriesland : Bürgerinitiative gegen CO2-Endlager will Fracking-Verbot umsetzen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Volksinitiative zum Schutz des Grundwassers will das Fracking über das Landeswassergesetz verbieten lassen.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 09:00 Uhr

Nachdem der Bundestag im Juni 2016 ein Gesetzespaket zum Thema Fracking (Gas- und Ölförderung durch Aufbrechen von Gestein) verabschiedet hatte, ist das Fracking-Problem weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Doch nach Informationen der Bürgerinitiative „Kein CO2-Endlager“ plant der Mineralölkonzern Exxon aktuell, in Niedersachsen neue Anträge auf Fracking zu stellen. Auch andere Mineralölkonzerne stünden in den Startlöchern. Und das auch für Schleswig-Holstein zuständige Landesbergamt in Hannover habe eine Stelle für einen Fracking-Spezialisten ausgeschrieben. Die Bürgerinitiative warnt deshalb: „Auch für Schleswig-Holstein sind neue Anträge auf Fracking zu erwarten. Dies gilt insbesondere dann, wenn CETA (das Freihandelsabkommen mit Kanada) ratifiziert ist und die kanadischen Konzerne uneingeschränkt in Europa investieren können.“

Wegen der großen Gefahren fordert die Initiative „Kein CO2-Endlager“ seit Jahren, Fracking zum Schutz der Bevölkerung und der Natur zu verbieten. Zwar seien die Genehmigungen der Jahre 2012 bis 2015 auf 25 Prozent der Landesfläche in Schleswig-Holstein – zum Beispiel auch für Rosenkranz-Nord in Nordfriesland – wegen der Proteste von den Konzernen wieder zurückgegeben worden. Doch es seien neue Anträge und Genehmigungen auf der Grundlage des Fracking-Gesetzes für Schleswig-Holstein zu erwarten.

Deshalb sammelt die Bürgerinitiative seit sechs Monaten in Zusammenarbeit mit vielen anderen Organisationen Unterschriften für die Volksinitiative zum Schutze des Wassers. Dadurch soll die Landesregierung aufgefordert werden, Fracking über das Landeswassergesetz für ganz Schleswig-Holstein zu verbieten und insbesondere das Trink- und Grundwasser zu schützen. „Da die Bürgerinitiative bislang nicht erkennen kann, dass in Kiel ein Schritt in diese Richtung erfolgt ist, ist es deshalb umso wichtiger, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die Volksinitiative unterstützen, damit die Landesregierung den Wunsch der Bevölkerung für ein Fracking-Verbot wahrnimmt und umsetzt“, heißt es dazu. Schriftführerin Karin Lüders bittet alle Einwohner Schleswig-Holsteins, die Volksinitiative zum Schutz des Wassers zu unterstützen, „damit auch unsere Kinder und Enkel sauberes Grundwasser nutzen und saubere Luft atmen können“.

Unterschriftenlisten liegen einer Mitteilung zufolge in den Ämtern Südtondern, Mittleres Nordfriesland und Nordsee-Trene sowie bei Einzelhändlern, Buchhandlungen, Restaurants und anderen Unterstützern aus, können unter Telefon 04667/466 angefordert oder von der Homepage www.vi-wasser.de heruntergeladen werden.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Dr. Reinhard Knof, weist mit Blick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass Fracking „eine Katastrophe für Mensch und Natur“ sei. Es gefährde die Gesundheit, da in Fracking-Gebieten wegen der freigesetzten Chemikalien die Krebsraten, Anzahl der Totgeburten und Missbildungen signifikant ansteigen. Durch unkontrollierbare Rissbildung könnten Methan und andere Chemikalien bis ins Grundwasser gelangen. Ferner würden giftige Chemikalien mit hohem Druck in den Boden gepresst. Fracking verstärke massiv die Klimaerwärmung, da Erdgas (Methan) in die Luft gelange und mehr als 30 Mal so klimawirksam sei wie Kohlendioxid. Studien zeigen laut Knof, dass beim Fracking die drei- bis sechsfache Menge an Gas in die Luft freigesetzt wird, wie bei der konventionellen Förderung.

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