Hilfe für die Stadt : Bürger spendiert Brückenbau

So sieht  es heute mitten in der Stadt am Mittelburggraben aus.
So sieht es heute mitten in der Stadt am Mittelburggraben aus.

Ein Friedrichstädter Unternehmer will die Middelbrüch im Stadtzentrum aus Holz errichten, die Stadt zahlt nur das Material. Gegenüber den ursprünglichen Plänen werden so rund 25.000 Euro eingespart.

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05. Juni 2014, 15:00 Uhr

Die Freude war allen Mitgliedern des Friedrichstädter Bauausschusses anzusehen. In ihrer Sitzung im Rathaus ging es diesmal nicht um Probleme, sondern um die Middelbrüch. Und da hatte Bürgermeister Eggert Vogt allen Fraktionen im Vorwege eine positive Mitteilung machen können. Der Friedrichstädter Unternehmer Gerhard Utermark hat sich nämlich bereit erklärt, die Brücke über den Mittelburggraben wieder aus Holz zu errichten, lediglich für die Materialkosten soll die Stadt aufkommen. Da er eine Tischlerei betriebt, ist er dafür prädestiniert. Das Angebot wurde dankend angenommen, schließlich spart die Stadt dadurch rund 25.000 Euro gegenüber der eigentlich vorgesehenen Stahl-Holz-Konstruktion.

Doch genau über diese Bauweise hatte es im Vorfeld heftige Diskussionen gegeben. In einer Fachausschuss-Sitzung sprach sich unter anderem die SPD-Fraktion gegen eine Kombibrücke aus, eine Holzbrücke gehöre zu Friedrichstadt. Und genau dieses Argument gebrauchte auch Gerhard Utermark in der Sitzung. „Das ist das Herz unserer Stadt, da gehört eine Holzbrücke hin. Daher habe ich mich entschlossen, die Stadt zu unterstützen.“ Außerdem hat Utermark nach eigenen Angaben schon mit einigen anderen Unternehmern und einigen Bürgern gesprochen – und er rechnet durchaus mit der einen oder anderen Brücken-Spende. „Vielleicht finden sich auch noch Butenfriedrichstädter, die gern etwas für ihre Stadt tun wollen, denn wir wissen doch alle um die Finanznot der Stadt“, sagte er.

Die Middelbrüch überspannt den Mittelburggraben östlich der Steinbrücke am Marktplatz. Der Orkan „Christian“, der Ende Oktober vergangenen Jahres tobte, hatte die Holzbrücke schwer beschädigt. Der Sturm warf eine mächtige Weide um, die genau auf die Brückenanker am nördlichen Ufer fielen. Das Bauwerk verdrehte sich und musste sofort gesperrt werden. Die Fußgängerbrücke sollte anfänglich mit Bordmitteln des Bauhofes repariert werden, doch erwiesen sich die Schäden als zu gravierend. Ein Sachverständiger untersuchte den Bau und stellte fest: „Nahezu irreparabel“. Die Reparaturkosten würden sich demnach auf knapp 60.000 Euro belaufen. Im Vergleich zu den Kosten für eine neue Brücke noch relativ günstig, doch gleichzeitig wurde festgestellt, dass die tragenden Holzteile, die teilweise in der Gracht stehen, bereits stark angegriffen sind. Daher prognostiziert der Gutachter einer reparierten Brücke auch nur eine Lebensdauer von rund zehn Jahren. Ein Neubau, beispielsweise aus Stahl mit Holzverkleidung, würde rund 70 Jahre, eine reine Holzbrücke hingegen nur 30 Jahre halten. Die Kosten für einen Neubau wurden auf rund 120.000 Euro geschätzt.

Letzte Details müssen noch geklärt werden, da das Planungsbüro eigentlich schön Pläne für eine Stahl-Brückenkonstruktion erarbeitet hatte. Doch ist sich das Gremium einig gewesen, die alte Middelbrüch quasi wieder aufzubauen. Lediglich ein Detail könnte geändert werden. Bislang standen auf jeder Brückenseite je zwei tragende Stützen in der Gracht. Und genau der Übergang zwischen Wasser und Luft setzt dem Holz arg zu. Daher soll die neue Brücke auf einer Stahlgründung stehen. Knapp über der Wasseroberfläche würden dann Holzpfosten gesetzt. Damit würde sich auch die Lebensdauer einer solchen Brücke erheblich verlängern. Utermark sah es übrigens als selbstverständlich an, dass es eine Bauaufsicht geben wird, wie sie zuvor von Ernst-Otto Huß gefordert worden war.

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