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Deichverstärkung auf Eiderstedt : Bürger sorgen sich um Erholungswert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mehr als 100 Zuhörer verfolgten die Informationsveranstaltung zur geplanten Deichverstärkung im nördlichen Eiderstedt in Simonsberg. Dr. Johannes Oelerich, Direktor des LKN, beantwortete die zahlreichen Anfragen.

Zwei Stunden voller Informationen und Fragen – und keine davon langweilig. Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN), verstand es, seine gut 100 Zuhörer über die Deichverstärkung Nördliches Eiderstedt aufzuklären. Dabei wich er auch unangenehmem Nachbohren nicht aus und signalisierte mehrfach: „Ich kann Sie verstehen. Wir geben Ihre Bedenken weiter.“ Eingeladen hatte der LKN weil, wie der Direktor unterstrich, „wir in den nächsten Jahren größere Maßnahmen am Deich vorhaben.“ Mit am Tisch der Fachleute saßen der Geschäftsbereichsleiter Küstenschutz Frank Barten, Projektingenieur Jorne Heinrich, Fachbereichsleiter Landespflege Berthold Witterbrok, Fachbereichsleiter Liegenschaften Jürgen Hermannsen sowie Küstenschutzreferent Michael Heinrichs aus dem Landwirtschaftsministerium.

Innerhalb der informativen Einführung stellte Projektingenieur Heinrich das Vorhaben umfassend vor. „Die Außenböschung in den drei betreffenden Gebieten Simonsberger Koog, Adolfskoog und Uelvesbüller Koog ist steil. Der Deichverteidigungsweg sollte befahrbar sein, er entspricht aber in weiten Teilen nicht mehr den Anforderungen. Teilweise wird neben den Spuren gefahren. Innerhalb der Deichverstärkung ist neuerlich eine fünf Meter breite Deichkrone vorgesehen – anstatt zweieinhalb oder drei Meter. Da kann man dann problemlos eine Kappe draufsetzen.“ Die Maßnahme erstrecke sich vom Hotel Lundenbergsand bis hinunter nach Uelvesbüll. Die eigentliche Kronenhöhe betrage dann 9,50 Meter, der Deichverteidigungsweg werde 3,50 Meter breit sein. In Höhe des Hotels Lundenbergsand ist eine Außendeichverstärkung geplant, betroffen sind in diesem Bereich Flurstücke mit 1600 sowie 22.900 und 29.000 Quadratmetern überplanter Fläche. Im sich anschließenden Adolfskoog sind unter anderem überplante Flächen von 12.900 Quadratmetern betroffen – aber davon befinden sich keine im Privatbesitz. Im Anschluss daran sind weitere Flächen betroffen. Alle überplanten Binnenflächen betragen etwa 16 Hektar, dazu kommt eine Salzwiese von vier Hektar. Weiter werden Trocknungs- und Lagerflächen von zehn Hektar sowie Bodenentnahmeflächen von mindestens 25 Hektar benötigt. Baubeginn wird voraussichtlich 2019 sein.

„Wenn diese Planung kommt, ist kein Haus betroffen“, beruhigte der Direktor. „Wir trauen uns zu, den Deich nach außen zu verstärken.“ Bürgermeisterin Angela Feddersen trug anschließend vor, dass sie die Deichverstärkung begrüße. Es seien viele 100 Tonnen Segmentablagerungen vorhanden, zudem gebe es extreme Schlickmassen an der Badestelle – „auch diese könnte man verwenden. Für unsere Bürger wäre schwer verständlich, wenn die Straße von Lundenbergsand überplant würde. Wir sprechen uns eindeutig für eine seeseitige Deichverstärkung aus. Schlickwiesen wachsen nach – Grün- und Ackerflächen sind für immer verloren.“ Die Ansprache wurde mit starkem Beifall quittiert.„Wenn möglich, werden wir Boden aus dem Speicherbecken und aus der Badestelle verwenden“, so Oelerich. Berthold Witterbrok aber ergänzte: „Wenn wir einen Hektar Salzwiese überbauen, müssen wir binnendeichs vier Hektar Ersatz schaffen.“

Wie viel Geld man als Ausgleich für Flächen bekomme, wollte daraufhin ein Bürger wissen. Darauf Jürgen Hermannsen: „Es gibt den Preis für den normalen Verkehrswert. Wir haben in der Regel keine Flächen zum Ausgleich anzubieten.“ Kritik eines weiteren Einwohners: „Wir haben hier jetzt ihre Vorstellungen gehört und gesehen. Gibt es Alternativen?“ Der LKN-Direktor: „Wir kommen mit jener Variante, von der wir glauben, dass wir sie durchbekommen. Wenn wir bauen – dann so, dass auch Sie und Ihre Kindeskinder etwas davon haben. Wir als Ingenieure trauen uns zu, die Deichlinie bis 2100 zu halten.“ Daraufhin kritisierte ein weiterer Einwohner, dass es nur die eine Variante gebe, die nun „durchgeprügelt“ werde. Oelerich: „Wenn wir Massen von mehr als einer Million Kubikmetern bewegen müssen, dann müssen wir sehen, welche Straße das trägt.“ Wie lange denn mit Schwerlastverkehr gerechnet werden müsse, wollte daraufhin ein weiterer Bürger wissen. „Wenn alles klappt, könnten wir 2019 anfangen und 2025 fertig sein. Wir haben zehn Kilometer vor der Brust.“ Wo man anfange, stehe noch nicht fest. „Wir müssen uns da nach der Baufirma richten“, so Oelerich. „Ich kann Sie verstehen, wenn der Erholungswert geschmälert wird, wenn da vier Lkw pro Stunde durchfahren“, zeigte sich der Direktor verständnisvoll. Doch dann folgte ein Zuruf aus dem Zuhörerraum: „Der Erholungswert ist dahin!“ Auf die Frage nach Kosten beantwortete er: „In Büsum kamen wir auf 7,5 Millionen Euro für zwei Kilometer. Auf Nordstrand wird der Deich erheblich teurer werden.“ Im Hinblick auf die Boden-Entnahmeflächen sagte der LKN-Direktor: „Klei-Flächen müssten wir kaufen – möglichst deichnah. Das Verständnis für weite Anfahrten hält sich bei den betroffenen Bürgern in Grenzen.“

Am Ende der Veranstaltung – nach vielen Fragen und Antworten – äußerte ein Einwohner dankbar in Richtung des LKN-Direktors, dass man diese Veranstaltung angeboten habe. „Kommen Sie doch mal wieder.“ Spontane Entgegnung von Dr. Oelerich: „Dann sagen wir doch gleich hier: Wir kommen wieder.“ Auch nach dem offiziellen Teil gingen die Gespräche noch weiter. Die Fachleute verblieben dazu im Saal und gingen auf die Bürger ein.

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