Baumschutz in Husum : Bürger sorgen sich um alte Eiche

Diese Eiche prägt ein ganzes Quartier.
Diese Eiche prägt ein ganzes Quartier.

In einem Schreiben fordern Anlieger Bürgermeister Uwe Schmitz auf, den Baumriesen neben dem Altstadtparkhaus auf jeden Fall zu erhalten.

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05. September 2018, 17:53 Uhr

Im Zweifelsfall würden sie sich auch anketten, versichern die sechs Frauen, die sich um eine imposante Eiche in der Straße Am Fischergang – neben der Einfahrt zum Altstadtparkhaus – versammelt haben. Damit es aber gar nicht so weit komme, würden sie schon jetzt aktiv. Was die Damen umtreibt, ist der Verdacht, den mehr als 100 Jahre alten Baumriesen könnte ein ähnliches Schicksal ereilen wie die Blutbuche auf einem Baugrundstück in der Asmussenstraße (wir berichteten).

Damit sich das nicht wiederholt, „haben rund 50 Anwohner rund um die Straßen Am Fischergang, Neustadt und Nordbahnhofstraße einen Brief an Bürgermeister Uwe Schmitz beschrieben“, berichtet Ingrid M.*, die die Idee dazu hatte, beim Lokaltermin im Fischergang. Und wie zur Bestätigung lässt die alte Eiche drei, vier reife Eicheln aufs Pflaster plumpsen. Die anwesenden Frauen nicken bestätigend und berichten, dass auch M. es war, die sich den verwahrlosten Grünstreifen vor der Eiche nicht länger anschauen mochte und bei der Stadt anfragte, ob sie diesen pachten und mit Stauden bepflanzen dürfe.

Nach einigem Hin und Her erhielt sie „bis auf Weiteres“ die Genehmigung und fand in ihren Nachbarn dankbare Mitstreiter. Inzwischen kümmert sich die Anlieger-Gemeinschaft auch um den Grünstreifen auf der anderen Straßenseite – bis hoch zur Einmündung in die Nordbahnhofstraße. Eine bunte Pflanzenvielfalt beweist, wie wichtig ihnen dieses Anliegen ist. „Bisher war das hier ein Hundesch . . . platz“, blickt M. zurück und hat in Kooperation mit Klaus Lorenzen, Leiter der Tiefbauabteilung im Bauamt der Stadt, und Dirk Dibbern vom Kommunalen Service-Betrieb sogar dafür gesorgt, dass unter der Eiche eine Sitzbank aufgestellt wurde.

Wie Isolde Brendler, Agnes Rolfs, Ulla Hermann, Marlies Stallmann und Inke Carstensen erinnert M. daran, dass die Eiche einst im Garten von Annelene Kröger stand. Die Straße Hinter der Neustadt entstand ja erst, als die Untere Neustadt zur Fußgängerzone umgebaut wurde. Und auch wenn Kröger das „nicht schriftlich hat“, legte sie damals großen Wert darauf, dass die Eiche erhalten bleibt. Und so soll das auch bleiben.

Bürgermeister Uwe Schmitz hat M. inzwischen zurückgeschrieben und ihr mitgeteilt, dass die Stadt als Grundstücks-Eigentümerin alle Möglichkeiten ausschöpfen werde, den Erhalt des Baumes zu gewährleisten. Zugleich klärt der Verwaltungs-Chef darüber auf, dass ein Abriss des Altstadtparkhauses nicht vor Eröffnung des Shopping-Centers geplant sei. Auch gebe es noch keine konkreten Überlegungen hinsichtlich der Nachnutzung. Im Zuge der Planungen und des Abrisses verspricht Schmitz, externen Sachverstand hinzuzuziehen und für den Fall, dass das Grundstück verkauft werden sollte, den Erhalt des Baumes schriftlich zu fixieren.

Komplizierter ist für den Bürgermeister die Frage nach Einführung einer Baumsatzung. Das Thema sei außerordentlich vielschichtig und solle in der nächsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 29. September (Beginn 17 Uhr) im Rathaus erörtert werden, so Schmitz. Bundesrecht, Sicherheitsaspekte, Denkmalschutz – da käme einiges zusammen. Davon, dass im Vorweg einer Baumsatzung zunächst ein Kataster erstellt und dafür Personal bereit gehalten werden müsse, gar nicht zu reden. Oft sei umsichtige Bauleitplanung ein wirksamerer Schutz als so eine Baumsatzung. Wichtig ist, dass die Suche nach neuem Wohnraum nicht alles andere in den Schatten stelle beziehungsweise – andersherum betrachtet – der Erhalt von Bäumen die Erschließung von neuem Wohnraum nicht verhindere, mahnt er.

*Name von der Redaktion geändert

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