zur Navigation springen

Hilfe für Analphabeten : Büffeln für die Integration

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die pensionierte Realschullehrerin Ursula Biber unterrichtet in Bredstedt Flüchtlinge – unter anderem aus Afghanistan – in Deutsch. Die Pädagogin hofft auf mehr ehrenamtliche Mithilfe, da die Zahl der Teilnehmer wächst.

von
erstellt am 21.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Nach wie vor beliebt, vor allem aber voll belegt, ist der seit Mitte des vergangenen Jahres in der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Husum in Bredstedt  installierte Kursus Alltagsdeutsch für Migranten. Martina Radtke, Leiterin der Jugendhilfe in Bredstedt, hatte den richtigen Riecher und traf mit dem Angebot voll ins Schwarze. Mittwochs und freitags heißt es für inzwischen 14 Teilnehmer zwischen 20 und 60 Jahren Büffeln was das Zeug hält. Sie sind allesamt Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Jemen, Armenien oder dem Iran.

Dass die deutsche Sprache ihre Tücken hat, wissen nicht nur die Deutschen selbst, sondern erfahren die Kursteilnehmer besonders deutlich. Mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement ist die pensionierte Realschullehrerin Ursula Biber bei der Sache. „Die Teilnehmer sind motiviert und wissbegierig. Ihnen ist es wichtig, dass sie sich im Alltag verständigen können und darüber sprechen sie auch untereinander“, berichtet die Fachfrau. Vor wenigen Tagen sind nun zwei Afghanen dazugestoßen. Sie sind Analphabeten. Dringend bräuchten sie Extrabetreuung und -schulung. „Das kann ich nicht alleine leisten“, so Biber. Tolle Mithilfe habe sie zwar durch Kursteilnehmer, doch besser wäre, wenn sich eine zweite ehrenamtliche Kraft finden würde. „Material habe ich und ich würde mit Rat und Tat unterstützen“, sagt die Pensionärin.

Sie selbst möchte die Arbeit nicht mehr missen. „Es ist eine Herausforderung und Bereicherung für mein Leben. Ich habe Spaß dabei und bekomme viel Dankbarkeit zu spüren“, fasst sie zusammen. Manchmal könne sie helfen, wenn es um das eine oder andere persönliche Problem gehe. Sie selbst sei erstaunt, dass es noch manche Vorurteile gegen Migranten gebe und nicht überall Akzeptanz herrsche. Die von Landrat Dieter Harrsen und seinem Team kürzlich angestoßene Initiative einer Willkommens-Kultur sei sehr wichtig. Wer die Migranten näher kennenlerne, merke bald, dass sie „Menschen sind wie du und ich“, sehr liebenswürdig und höflich, eben nur aus einer anderer Kultur kommend.

Niemand verlasse seine Heimat ohne Gründe. Das Wichtigste sei, dass sie sich in Deutsch verständigen und vor Ort zurechtfinden können. Sie lernen Lesen, Schreiben, die Grammatik, oder sich laut vor allen anderen zu artikulieren. Eine typische, oft geübte Aufgabe ist es, anhand eines Stadtplanes von Bredstedt zu erklären, wie man zu einzelnen Stationen kommt, wie beispielsweise vom Bahnhof zum Supermarkt, zu den Schulen oder zu den Räumen des Diakonischen Werkes. In den Stunden gehe es nicht bierernst zu, sondern locker. Kommunikation werde intensiv gelebt. Ein Handicap für viele sei die Anreise zum Unterricht. Viele wohnten in Langenhorn, Goldelund oder Drelsdorf. Das sei gerade für die jungen Mütter aufwendig – und dennoch würden sie es immer wieder für die Sache gern in Kauf nehmen. Wer die Pädagogin unterstützen möchte, darf sich direkt an sie wenden unter Telefon 04671/930856.








 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen