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Nordfriesland : Budenzauber made in Bramstedtlund

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine international tätige Firma aus Wanderup kauft das ehemalige Bundeswehr-Depot – und will ihren Sitz und die Produktion nach Nordfriesland verlegen.

von
erstellt am 21.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Als Weihnachtsdorf hat sich Wanderup auch überregional einen Namen gemacht. Dagegen ist nur Eingeweihten bekannt, dass aus der Gemeinde im Nachbarkreis Schleswig-Flensburg auch ein Exportschlager besonderer Art kommt: Holzhütten für (Weihnachts-)Märkte und andere Groß-Events im In- und Ausland. In allen nur denkbaren Größen und Variationen werden diese gebaut, verkauft oder vermietet von der Fjord Hütten GmbH. Diese hat jetzt das rund 18 Hektar große, ehemalige Bundeswehr-Materiallager im nordfriesischen Bramstedtlund gekauft und will ihren Firmensitz sowie die Produktion möglichst noch in 2017 dorthin verlegen.

Einst in einer kleinen Garage gestartet, hat sich die heute 15 Mitarbeiter zählende Markthütten-Firma inzwischen international einen Namen gemacht. Derzeit hat sie rund 700 bis zu 200 Quadratmeter große Holzhäuser im Angebot. Rund 70 Prozent seines Jahresumsatzes – zuletzt 1,7 Millionen Euro – erzielt der Betrieb, indem die selbst gebauten Unterstände vermietet werden. Vor allem in der Weihnachtszeit ist die Nachfrage bundesweit groß. Aber auch ins schweizerische Zürich sind schon einmal 100 Hütten geliefert worden. Kopenhagen, Malmö, Glasgow, Belfast oder auch China und Japan zählt Fjord-Hütten-Geschäftsführer Christian Naber weitere internationale Geschäftskontakte auf. Und zurzeit bahnt sich gerade ein Geschäft im Königreich Bahrain an. „Wir verkaufen mittlerweile fast weltweit“, sagt Naber.

Dass der prosperierende Betrieb nun nach Bramstedtlund nahe der deutsch-dänischen Grenze umsiedeln möchte, hat handfeste logistische Gründe: „Wir stoßen in Sachen Produktion und Lagerkapazitäten überall an Grenzen“, erläutert Naber. Neben dem Standort in Wanderup mussten bereits weitere Lager im Landesteil Schleswig angemietet werden.

Dieses Problem ist gelöst, denn Platz gibt es auf dem Gelände in Bramstedtlund, wo die Bundeswehr dereinst im großen Stil Sanitätsmaterial lagerte, in Hülle und Fülle. 20 Hallen stehen auf dem Areal, darunter viele Lagerhallen, in denen Fjord Hütten bereits sein Lager aufgeschlagen hat. Wenn auch der für die zivile Nutzung nötige Bebauungsplan aufgestellt sein wird, sollen möglichst rasch auch Firmensitz, Verwaltung und Produktion in Bramstedtlund gebündelt werden. Dann könnten alle Hütten an einem Ort produziert, gelagert und renoviert werden, und es bleibe noch Platz, um zu wachsen und die Firma weiterzuentwickeln. Bis zu 15 zusätzliche Arbeitsplätze stellt Naber für die kommenden Jahre in Aussicht. Denn die Holzhäuschen sind gefragt: „Der Markt ist da“, so der Geschäftsführer. Und die Holzhäuschen werden je nach Kundenwunsch individuell gestaltet – bis hin zur „Oktoberfest Spring Edition“ für Tokio.

„Wir sind sehr frohen Mutes, dass alles gut funktionieren wird“, sagte er bei einem Pressegespräch im Husumer Kreishaus. Dort wurde das laufende Projekt auch als Erfolg für das Konversionsmanagement der Wirtschaftsförderung Nordfriesland (WFG) vorgestellt. Denn die Kontakte zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin der ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaft und möglichen Investoren vermittelte Steffen Volk, als WFG-Mitarbeiter zuständig für das Konversionsmanagement Region Nord. Eineinhalb Jahre lang begleitete er erfolgreich den Kauf der ehemaligen Militäranlage, die laut Ausschreibung für einen Betrag in der Größenordnung von 475.000 Euro den Besitzer wechselte.

Ebenso wie Christian Naber bereitet die Neuansiedlung des Betriebes in Bramstedtlund auch allen anderen Beteiligten nur Freude: „Für uns ist diese ein Glücksfall. Wir hoffen natürlich, dass die Firma mehr Mitarbeiter einstellen möchte“, ließ Rosemarie Lorenzen, Bürgermeisterin der rund 200 Einwohner zählenden Gemeinde, übermitteln. „Willkommen in Nordfriesland!“, sagte Landrat Dieter Harrsen. Für den Kreis sei es ein Gewinn, dass mit der Fjord Hütten GmbH ein Betrieb aus der Region das Areal gekauft hat und damit Arbeitsplätze im nördlichen Schleswig-Holstein gesichert werden, meinte er erleichtert: „Ehrlich gesagt, hatte ich schon Sorgen, ob diese Hallen künftig zivil zu nutzen sind.“

Neben diesem Areal in Bramstedtlund versucht das Konversionsmanagement der Wirtschaftsförderung Nordfriesland (www.wfg-nf.de), noch weitere Flächen an den Mann oder die Frau zu bringen. „Die Bundeswehr hat mit gut ausgebauten Straßen, Lagerhallen und teilweise sogar Werkstätten und Wohngebäuden viel Infrastruktur nach Nordfriesland gebracht. Wir werben dafür, dass diese nun von Unternehmen und Betrieben der Region gewinnbringend genutzt wird.“ Betrieben, die viel Platz brauchen oder zum Beispiel hohe Lärm-Emissionen haben, könnten attraktive Angebote vermittelt werden, avisiert Steffen Volk.

Dazu zählen nach seinen Aussagen der geplante, rund 40 Hektar große Gewerbepark am ehemaligen Flugplatz Leck ebenso wie Technik-Hallen in der ehemaligen Stapelholmer Kaserne in Seeth sowie drei weitere Konversionsflächen in Bramstedtlund, Ladelund und Bargum.

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