Oster-Ohrstedt : Buddeln, Kühe füttern, fürs Leben lernen

Nah an der Natur und den Tieren sollen die Kleinsten im Backensholzer Kindergarten groß werden.
Nah an der Natur und den Tieren sollen die Kleinsten im Backensholzer Kindergarten groß werden.

Familie Metzger-Petersen will auf Backensholz einen Hof- und Waldkindergarten einrichten – das Projekt soll ab August 2018 starten.

Avatar_shz von
15. Dezember 2017, 12:00 Uhr

„Wir sind zu zwei Dritteln mit den Planungen durch. Jetzt suchen wir Eltern, die uns im kommenden Jahr ihre Kinder anvertrauen möchten“, sagt Jasper Metzger-Petersen, der gemeinsam mit seiner Frau Lena auf dem Backensholzer Hof einen Bauernhof- und Waldkindergarten realisieren möchte – einen, in dem die Kinder ganz nah an der Natur aufwachsen können. Mit allem Drum und Dran, so wie es früher in großen Bauernfamilien üblich war.

„Wenn die Kinder morgens ankommen, gehen sie direkt in den hofeigenen Wald, wo wir eine Art Camp einrichten werden. Natürlich wird der Wald vorher von potenziellen Gefahren befreit, so dass sich alle dort unter Aufsicht sicher bewegen können“, erklärt das Ehepaar das Konzept. Ein Container soll als Schutz- und Ruheraum, Lernort und Büro dienen, eine „Hexe“ als Wärmequelle und zum naturnahen Kochen. Als WC werden Kompost-Toiletten genutzt. Das Frühstück wird von zu Hause mitgebracht, und es wird Wert darauf gelegt, dass es vollwertig und müllfrei verpackt ist. Die Getränke stellt die Kita, das Mittagessen gibt es täglich frisch zubereitet im hauseigenen Restaurant, in Bioqualität direkt vom Hof. Danach dürfen die Lütten auf dem Naturspielplatz toben, bis sie von ihren Eltern abgeholt werden.

Ganz wichtig ist dem Initiator aber auch die tägliche Begegnung mit den Tieren des Bauernhofs. Dort sollen die Kinder durch gezielte Aktivitäten lernen, was die Landwirtschaft in ihrem ursprünglichen Sinne ausmacht. So dürfen sie beim Eiersammeln und Einholen der Kühe zum Melken helfen, oder auch selbst Hand anlegen beim Säen, Pflanzen, Ernten von Kräutern, Kartoffeln, Obst und Gemüse. „Vor allem möchten wir ihnen beibringen, wie man mit den Tieren umgeht – angstfrei und zugleich respektvoll“, so der junge Familienvater.

„Ein verantwortungsvolles Leben zu leben, müssen wir lernen, und das so früh wie möglich“, findet der studierte Landwirt. Hinzu kommt der Wunsch, jedem Kind die Zeit zu geben, die es braucht, um all das zu entdecken und zu verstehen, was dieses Leben ausmacht. „Oft fehlt den Erwachsenen die Zeit, stehenzubleiben und in Ruhe all die wichtigen Fragen zu klären, und natürlich auch die Möglichkeit, ihre Kinder zu ermutigen, eine Kuh anzufassen, zu streicheln, zu füttern und die Zusammenhänge begreifbar zu machen – von der Geburt des Kälbchens bis zur Herstellung von Käse. Genau das wollen wir ihnen hier bieten“, sagt Jasper Metzger-Petersen.

Eine Online-Umfrage bestätigte ihn und seine Frau darin, dass der Bedarf für so einen besonderen Kindergarten da ist, in der eigenen Gemeinde ebenso wie in den angrenzenden Ämtern. „Die Finanzierung steht, das Team steht in den Startlöchern, und auch wir selbst können es kaum noch erwarten, dass es endlich losgeht“, sagt er. Am 1. August 2018 soll der Betrieb mit 15 Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren aufgenommen werden, an fünf Tagen pro Woche jeweils von 8 bis 14 oder auch von 7 bis 15 Uhr. „Das kommt ganz auf den tatsächlichen Bedarf an“, so Metzger-Petersen. Betreut werden sie von zwei erfahrenen Pädagoginnen und einer Fachkraft, die übrigens aus eigenem Antrieb auf ihn zugekommen sind, als er vor etwa 15 Monaten erstmals laut über seine Idee nachdachte. „Damals hatte ich gerade erfahren, dass ich Vater werde“, sagt er. „Inzwischen ist unser Sohn Fiete sechs Monate alt und der damals noch vage Gedanke zu einem greifbaren und zugleich faszinierenden Projekt geworden.“

Damit der Betrieb gleich nach den Sommerferien 2018 starten kann, soll ein Verein gegründet werden, der den Kindergarten betreiben wird. Die Eltern der Kinder werden Mitglied im Verein und bekommen entsprechende Mitbestimmungsrechte. Als Träger fungiert der Hof; genauer gesagt: Familie Metzger-Petersen.

„Ich persönlich finde die Idee grundsätzlich super und unterstütze sie gerne“, erklärt Oster-Ohrstedts Bürgermeister Michael Bartels. Innerhalb des Gemeinderats gebe es allerdings noch Redebedarf. „Der eine oder andere macht sich Sorgen wegen der Kosten, die auf die Gemeinde zukommen könnten. Es ist und bleibt ein spannendes Thema.“

Wer sich vorstellen kann, seinem Kind die Chance zu geben, auf dem Backensholzer Hof, umgeben von vielen Tieren, groß zu werden, kann sich unter jasper@backensholz.de vorerst unverbindlich anmelden und erhält dann weitere Informationen.



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen