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Kürzere Schulwege : Bredstedts Oberstufe auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schulverband Mittleres Nordfriesland wird am Dienstag, 28. Oktober, entscheiden, ob die Gemeinschaftsschule Kindern einen dritten Abschluss anbietet. Laut Schulelternbeirat sind mehr als 80 Prozent der Eltern dafür.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Ob an der Gemeinschaftsschule (GSS) Bredstedt mit Förderzentrum eine gymnasiale Oberstufe errichtet wird oder nicht, ist letztendlich eine politische Entscheidung. Der Schulverband Mittleres Nordfriesland wird darüber am Dienstag, 28. Oktober, ab 20 Uhr in der Aula der Landwirtschaftsschule (Theodor-Storm-Straße 2) einen Beschluss fassen. Der Elternbeirat hat Eltern, Schüler und Freunde der Schule schriftlich aufgefordert, an der Sitzung teilzunehmen. Möglichst zahlreich, um zu zeigen, dass die Errichtung „Bürgerwille“ ist. „Wir wollen nicht demonstrieren“, macht die Vorsitzende des Schulelternbeirates, Sandra Kohn, deutlich. Allerdings würden die Zahlen einer internen Schulbefragung für sich sprechen. „Mehr als 80 Prozent der Schüler der achten bis zehnten Klassen sowie der Elternschaft sind dafür“, sagte sie.

Für den Verbandsvorsteher, Sven Paulsen, gibt es zu dem Thema nicht mehr viel zu sagen. Es sei mehrmals darüber diskutiert worden, auch öffentlich. Sandra Kohn bezweifelt allerdings, dass beispielsweise Eltern, deren Kinder derzeit noch auf die Grundschule gehen, von der derzeitigen Situation, beziehungsweise Möglichkeit, etwas mitbekommen haben. Sollte sich der Verband dagegen entscheiden, sei „die besondere Chance für unsere Kinder, Schule und Region auf Dauer vergeben“, heißt es in einem offenen Brief des Elternbeirates an den Schulverband.

Die SPD-Bordelum bekräftigt in einer Pressemitteilung noch einmal ihre Forderung nach der Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Gemeinschaftsschule Bredstedt. Diese Schule sei geradezu prädestiniert für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe, nicht nur wegen ihrer hervorragenden räumlichen und sachlichen Ausstattung, besonders auch wegen ihrer zentralen geografischen Lage, unterstreicht SPD-Ortsvereins–Vorsitzender Dieter Paulsen. „Die Schüler unserer Region hätten die Möglichkeit, ohne einen Schulwechsel die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Dann bräuchten unsere Kinder nicht mehr nach Niebüll oder Husum zu fahren“, betont der SPD-Politiker. Eine gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule Bredstedt stärke nicht nur langfristig den Schulstandort Bredstedt, sondern auch den allgemeinen Bedeutungsgrad der Stadt, ergänzt Dieter Paulsen.

Die Idee zur Errichtung einer gymnasialen Oberstufe in der Stadt kam aus der Stadtvertretung Bredstedt (SPD), woraufhin sich eine Arbeitsgruppe auf Anraten des Schulverbandes gründete, die aus vier Verbandsmitgliedern sowie jeweils zwei Eltern- und Lehrervertreter bestand. Nach mehreren Treffen wurden Eckpunkte festgelegt und diese dann in einer Nicht-Öffentlichen-Sitzung mit den Verbandsmitgliedern beraten. Was folgte war eine öffentliche Sitzung, in der die Ergebnisse der Arbeitsgruppe publik gemacht wurden. Unter anderem mit anwesend: Der Schulleiter der Hermann-Tast-Schule Husum (HTS) sowie die Schulleiter der Beruflichen Schulen Husum und Niebüll. Der Leiter der HTS habe laut Sitzungs-Protokoll deutlich gemacht, dass die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe in Bredstedt aus seiner Sicht lediglich einen experimentellen Charakter habe. Ohne Gewissheit auf Bestand. Der Tenor der Beruflichen Schulen sei gewesen, dass die Plätze, die in Bredstedt geschaffen werden sollen, bereits in Husum und Niebüll vorhanden seien. Die Leiter hätten in diesem Zusammenhang entsprechende Kooperationsverträge mit der GSS Bredstedt angeboten, um Plätze in den Beruflichen Schulen zu garantieren. Darüber hinaus seien die beiden Einrichtungen bereits finanziert und durch eventuell wegfallende Schüler aus dem Mittleren Nordfriesland wäre vielmehr ein Qualitätsverlust an den bestehenden Standorten zu befürchten.

Waltraud Schnoewitz, Bürgermeisterin aus Goldelund, liegt das Thema „sehr am Herzen, da für unsere Kinder dieses Angebot mit einem wesentlichen kürzeren Schulweg sehr interessant sei und die Lebensqualität in unserem Dorf dadurch aufgewertet werden könnte“, teilte sie unserer Zeitung mit. Auf Nachfrage gab sie zu verstehen, dass nach ihrem Empfinden im Verband Tendenzen erkennbar seien, dagegen zu stimmen. „Nach meiner Meinung müsste die Öffentlichkeit mehr in die Diskussion einbezogen werden“, so die Bürgermeisterin.

Schulleiterin Carmen Alsen befürwortet die gymnasiale Oberstufe, die Gemeinschaftsschule wäre mit der Errichtung komplett. Ein Anbau sei nicht von Nöten. „Wir haben die Kapazitäten, allerdings müssten die Fachräume und Lehrmittel, wie Bücher, aufgestockt werden.“ Auch Fachkräfte seien vorhanden und würden vom Land ergänzt. „Die Schüler hätten durch eine gymnasiale Oberstufe die Möglichkeit, von der fünften bis zur 13. Klasse im Rahmen von G9 an einer Schule zu bleiben und gemeinsam zu lernen“, so die Leiterin. In den vergangenen zwei Jahren seien annähernd jeweils 20 Schüler aufgrund nicht erbrachter Leistungen oder freiwillig von umliegenden Gymnasien auf die Gemeinschaftsschule Bredstedt gekommen, um dort den Mittleren Bildungsabschluss zu erwerben.

Für Carmen Alsen ebenfalls ein Grund, in Bredstedt von vorne herein drei, anstatt zwei Bildungsabschlüsse anzubieten. So würden die Schüler dann von Anfang an in ihrem sozialen Umfeld bleiben und müssten nicht die Schule wechseln. Bevor eine gymnasiale Oberstufe installiert werden kann, müssen vom Land Vorgaben erfüllt sein. Unter anderem heißt es laut Schulgesetz, das spätestens drei Jahre nach Eintritt des ersten Jahrgangs in die Einführungsphase der Oberstufe dauerhaft eine Anzahl von mindestens 50 Schülern erreicht werden muss. „In Bredstedt ist das möglich, allerdings können wir mit Blick auf das Meldeverhalten der Eltern keine Garantie dafür geben“, sagte die Schulleiterin. Nach ersten Berechnungen würden durch die Errichtung einer Oberstufe Kosten in Höhe von etwa 200.000 Euro auf den Schulverband Mittleres Nordfriesland zukommen. „Ich wünsche mir, dass wir uns die Bildung unserer Kinder leisten können“, so Sandra Kohn.








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