zur Navigation springen

Aus NAch 112 JAhren : Bredstedts Friesenverein löst sich auf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine vorgestellte Variante eines Rettungsschirmes vom Kassenwart geht nicht auf. Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Professor Dr. Thomas Steensen wurde kein adäquater Nachfolger gefunden.

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 18:57 Uhr

Nur 19 von 122 Mitgliedern waren zur entscheidenden Versammlung des Friesenvereins Bredstedt erschienen. Mit 16 Ja- und drei Nein-Stimmen besiegelten sie das Aus für den 1902 gegründeten Traditionsverein. „Wir werden den Verein auflösen“, bekräftigte der zweite Vorsitzende, Ulrich Fiedler.

In einer vorgeschalteten Abstimmung war es zunächst darum gegangen, den Verein in kleinerer Variante zu erhalten. Doch schon hier zeichnete sich das Unheil ab. Nur vier Mitglieder stimmten für die von Kassenwart Ralf Quintus-Winter vorgestellte Variante eines Rettungsschirmes. Zwölf sprachen sich dagegen aus, drei enthielten sich. „Wir hätten die Möglichkeit, den Verein auf Sparflamme zu halten, sprich keine Vorträge, Veranstaltungen und Treffen mehr zu bieten und beitragsfrei zu fahren“, hatte der Kassenwart zuvor erläutert. Trotzdem hätten die Akteure der Tanz- und Trachtengruppe Bredstedt wie bisher unter dem Vereinsdach als Träger, vor allem unter dem Namen Friesenverein, agieren können. Für die Zahlung ihrer Versicherungsbeiträge hätten sie selbst sorgen müssen.

Der Gesetzgeber hätte lediglich verlangt, einen ersten und zweiten Vorsitzenden zu stellen. Hier wäre als erster Vorsitzender Heinrich Bahnsen, früherer Chef des Nordfriesischen Vereins, in die Bresche gesprungen. Der zweite Vorsitzende hätte zumindest noch seine restliche Amtszeit von einem Jahr fortgesetzt.

Nach dem Willen der Mitglieder soll nun das vorhandene Kassenguthaben nach Abzug von Versicherungsbeiträgen, Notarkosten und sonstigen Auslagen nach einem Jahr dem Nordfriesischen Verein überwiesen und der Tanz- und Trachtengruppe zugute kommen. Sie wird wohl unter das Dach des Nordfriesischen Vereins schlüpfen.

Das Archiv sowie die Friesenfahne sollen künftig vom Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege verwahrt werden. Die Fahne soll in deren Geschäftsräumen im Bürgerhaus für jedermann sichtbar aufgehängt werden. Das Lottospielgerät wird dem DRK-Ortsverein Bredstedt vermacht. Ulrich Fiedler wurde beauftragt, die Vereinsauflösung als Liquidator abzuwickeln.

Noch im Herbst vergangenen Jahres feierte der Friesenverein Bredstedt unter Leitung des ehemaligen Vorsitzenden, Professor Dr. Thomas Steensen, auch Direktor des Nordfriisk Instituts, das 111. Vereins-Jubiläum und die Werbetrommel wurde gerührt. Daher kommt die Auflösung zunächst überraschend. Steensen hatte sich vor zwei Jahren zum Vereins-Chef wählen lassen, um den Verein vor der Auflösung zu retten. Es hatte sich erneut kein neuer Vereins-Chef gefunden. Steensen hatte von jeher eine begrenzte Amtsperiode angekündigt. Er wollte sich schnellstens um einen Nachfolger bemühen.

Im Mai dieses Jahres hatte Steensen dann sein Amt niedergelegt und seinen Austritt aus persönlichen Gründen erklärt. Er verwies in der außerordentlichen Mitgliederversammlung auf interne Differenzen mit dem Vorstand (wir berichteten). Bereits in dieser Versammlung gab es ein mehrheitliches Votum für die Auflösung. Aufgrund der Intervention von Heinrich Bahnsen, Vereinsmitglied und Mitglied im Nordfriesischen Verein, kam es nach Abstimmung zur Vertagung mit dem Ziel, nach einer Lösung zum Erhalt zu suchen. Ehrenmitglied Hans Hansen erklärte nach der Sitzung: „Es tut zwar weh, aber es ist eine vernünftige Entscheidung. Uns fehlen junge Leute und Mitglieder die Verantwortung übernehmen wollen.“ Ehrenvorsitzender Nils Dahl: „Ich würde es gerne sehen, wenn wir uns zukünftig an die schöne Zeit im Friesenverein erinnern und ihr nicht nachtrauern.“ Der Friesenverein habe vorwiegend für den Erhalt der friesischen und plattdeutschen Sprache gestanden. Dafür trage nun jeder selbst die Verantwortung.








zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen