Nordfriesland : Brandgefahr: Trockener geht nicht

An vielen Straßenrändern liegt knochentrockenes Gras. „Da genügt ein Funken für einen Flächenbrand“, sagt Christian Albertsen.
An vielen Straßenrändern liegt knochentrockenes Gras. „Da genügt ein Funken für einen Flächenbrand“, sagt Christian Albertsen.

Die Gefahr von Flächenbränden wächst in Nordfriesland. Der Kreiswehrführer mahnt zur Vorsicht und Umsicht.

shz.de von
13. Juli 2018, 15:00 Uhr

Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen blickt ernst drein: „Trockener geht nicht!“, bilanziert er und macht sich angesichts der Gefahrenlage große Sorgen: „Die Flächenbrände sind in Nordfriesland angekommen und manche davon werden nur durch Glück entdeckt“, sagt Nordfrieslands oberster Feuerwehrmann. So meldete der Pilot eines Rettungshubschraubers am Dienstag einen Waldbrand mitten im Bohmstedter Forst (Haaks). Das große Glück: Das Feuer konnte rasch gelöscht werden. Jedoch verunglückte eine Feuerwehrfrau beim Anrücken auf der mit Splitt abgestreuten Straße zwischen Ahrenshöft und Bohmstedt.

„Doch viel höher als bei Waldbränden ist derzeit die Gefahr von Grasbränden einzustufen“, warnt Kreiswehrführer Albertsen. „Für die nächsten Tage befinden wir uns in der Warnstufe 4 von 5 – das bedeutet allerhöchste Gefahr. An vielen Straßenrändern liegt derzeit knochentrockenes, abgemähtes Gras und wir sehen ja auch, viele Grasflächen sind bereits bräunlich verfärbt.“ Seine dringende Bitte an Einheimische und Urlauber: „Wer Brände wahrnimmt, sollte sofort den Notruf 112 wählen, eine möglichst genaue Ortsangabe abzugeben und – wenn möglich – vor Ort bleiben. Diese zehn Minuten Zeit hat doch eigentlich jeder.“

Grillverbot in Dänemark

Der Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes NF, Jan Erik Jessen, weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin: „Kosten kommen auf den Anrufer nicht zu – auch dann nicht, wenn das Feuer von selbst oder durch andere Maßnahmen erloschen ist, bevor die Feuerwehr eintrifft.“ Sollte jedoch ein Einsatzort nicht schnell genug gefunden werden, dann „kann sich das Feuer zu einem richtigen Flächenbrand ausdehnen“, so Christian Albertsen. Die Gefahr von Flächenbränden ist bereits groß, und steigt bei anhaltender Trockenheit rapide weiter an. In den dänischen Bereichen Tondern, Apenrade, Hadersleben und Sonderburg gilt schon ein generelles Verbot für Feuer in der Öffentlichkeit – Lagerfeuer, Grillen und Unkrautbrenner.

Auch regionale Wasserverbände bitten bereits um einen sparsamen Umgang mit Wasser, zumal es Albertsen zufolge Ende vergangener Woche die höchste Wasserabgabe-Menge seit 50 Jahren gegeben habe. Albertsen appelliert: „Rasensprengen und Autowaschen sind im Moment bestimmt entbehrlich. Wir haben ein Übriges getan und unsere Feuerwehren angewiesen, zu Übungszwecken kein Trinkwasser aus den Hydranten zu entnehmen, sondern sich auf Teiche, Auen und Brunnen zu beschränken.“

Gut vorgesorgt hat beispielsweise bereits die Witzworter Feuerwehr, wie Wehrführer Dierk Hansen berichtet: „Wir haben mehrere leere Güllebehälter mit Wasser befüllt und halten diese einsatzbereit vor, damit im Ernstfall keine Zeit verloren geht. Und es sind ja – vor allen Dingen außerorts – auch nicht überall Hydranten vorhanden.“ Brände aufgrund von Trockenheit gab es jüngst bereits in Bohmstedtfeld, Rantrum oder in Morsum auf Sylt. Und Christian Albertsen vermutet, dass noch nicht einmal alle Brände gelistet sind: „Denn einige Feuerwehren haben ihre Berichte dazu noch nicht geschrieben.“

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