Feuerwehr : Brandgefährlicher Zustand: Friedrichstadt kann sich keine Drehleiter leisten

Die Drehleiter der Feuerwehr Friedrichstadt versah seit 1974 zuverlässig ihren Dienst, wie hier bei einem Brand in der Altstadt im Jahr 2014. Rechts wird mit Steckleitern gearbeitet.
Die Drehleiter der Feuerwehr Friedrichstadt versah seit 1974 zuverlässig ihren Dienst, wie hier bei einem Brand in der Altstadt im Jahr 2014. Rechts wird mit Steckleitern gearbeitet.

Dass es in Friedrichstadt nach wie vor keine Drehleiter gibt, bereitet Feuerwehrleuten große Sorgen – doch die Stadt kann sich das Gerät nicht leisten.

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23. März 2018, 06:00 Uhr

Friedrichstadt | Die fehlende Drehleiter ist bei den Friedrichstädter Feuerwehrleuten nach wie vor Thema Nummer eins. „Wir wissen, dass eine Drehleiter Geld kostet, aber man muss ja darüber reden. Der augenblickliche Zustand ist sehr gefährlich“, erklärten Wehrführer Birger Thomsen und sein Stellvertreter Thorsten Mahmens in der jüngsten Jahresversammlung.

Ein kurzer Rückblick: Die Oldtimer-Drehleiter der Pflichtfeuerwehr Friedrichstadt versah seit 1974 zuverlässig ihren Dienst. Doch Ende 2016 wurde ihr bei der jährlichen technischen Kontrolle der Tüv-Stempel versagt. Ersatzteile für das Gerät gibt es nicht mehr. Allerdings gibt es auch keinen Ersatz, denn eine Drehleiter kostet etwa 700.000 Euro. Geld, das die Stadt nicht hat. Und auch mit Zuschüssen ist nicht zu rechnen. Damals teilte der Kreis mit, dass das fehlende Spezialgerät kein großes Problem sei, denn die nächste Drehleiter sei in Husum stationiert und könne jederzeit bei Bedarf angefordert werden. Im Landkreis sind jetzt – außer auf den Inseln – nur noch in Husum, St. Peter-Ording, Bredstedt und Niebüll Drehleiter-Einsatzfahrzeuge vorhanden. Das Friedrichstädter Exemplar steht nun unbenutzt in der Wache. Es wurde zuletzt bei einem Feuer im Sommer 2014 eingesetzt.

Drehleiter aus Husum braucht etwa 40 Minuten

Doch nicht nur bei Bränden ist die Drehleiter wichtig. Immer wieder müssen auch Notfallpatienten damit aus oberen Stockwerken gerettet werden. Auf die Frage, wie es den um die vorhandenen Steckleitern steht, antwortet Thomsen: „ In der Innenstadt gibt es wenig Stellmöglichkeiten. Überall stehen Fahrzeuge und ist Kopfstein-Pflaster.“ Diese Leitern lassen sich bis zu zwölf Meter ausziehen. „Aber da darf maximal nur eine Person rauf – und die muss auch alleine wieder runterklettern können. Mit einem verletzten Kind auf dem Arm geht das nicht.“ Vizechef Thorsten Mahmens nickt. „Ich bin hundertprozentig der Meinung, dass Friedrichstadt eine Drehleiter braucht. Kaum ein Haus in der Innenstadt ist unter hundert Jahre alt. Da gibt es keine Brandwände“, betonte er. Das Problem in Friedrichstadt sei, dass hier die Häuser so dicht zusammenstehen. „Wenn in der Innenstadt ein Haus brennt, dann muss man davon ausgehen, dass die Gebäude nebenan in Mitleidenschaft gezogen werden“, so Thomsen. Bis zum Eintreffen der Drehleiter aus Husum vergehen etwa 40 Minuten.

Was kann die Stadt jetzt tun? „Wir sind noch dabei, Möglichkeiten auszuloten. Eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden wäre zum Beispiel denkbar. Doch das geht nicht von heute auf morgen“, erklärte Eggert Vogt auf Anfrage unserer Zeitung. „Wenn wir das Geld in der Schublade hätten, würden wir es dafür nutzen. Aber das haben wir als Bedarfszuweisungs-Empfänger eben nicht“, machte der Bürgermeister deutlich und wies darauf hin, dass die Feuerwehr im April ein neues Löschfahrzeug für 370.000 Euro bekomme und auch das neue Feuerwehrgerätehaus mit zwei bis drei Millionen Euro zu Buche schlage. Das müsse alles mit Krediten finanziert werden. „Ich kann die Sorgen der Feuerwehr gut verstehen, aber im Moment müssen wir die Situation so akzeptieren wie sie ist.“

Auch der vor wenigen Monaten gegründete Förderverein Feuerwehr Friedrichstadt kann da wenig helfen. „Das Problem treibt uns natürlich auch um“, sagt Vorsitzende Christiane Thomsen. Der Verein kümmere sich allerdings um die Unterstützung der Kameradschaft und die Traditionspflege der Löschtruppe und der Jugendfeuerwehr. Die Anschaffung einer Drehleiter gehöre zur Ausstattung, für die die Gemeinde zuständig ist und bei der es sich um Summen handelt, die die Möglichleiten des Fördervereins bei Weitem übersteigt. „Wenn es aber Aktionen gibt, um Geld zu sammeln oder Ähnliches, sind wir sofort dabei.“

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