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Manfred Kamper als seelsorger in griechenland : Botschafter Gottes im Land der Hoffnungslosigkeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Propst in Rente Manfred Kamper hilft für drei Monate als Seelsorger im krisengebeutelten Griechenland aus – hier sein Zwischenbericht aus Thessaloniki.

Es liegt gleich nebenan. Und doch scheint Griechenland ganz weit weg zu sein. Das Land ist in der Krise – einer Krise, die die Menschen wie eine Naturkatastrophe getroffen hat. So jedenfalls beschrieb es der Schauspieler, Gewerkschafter und Griechenland-Kenner Rolf Becker vergangenen März bei einem Vortrag im Speicher. Vor sechs Wochen brach Manfred Kamper in das krisengeschüttelte Land auf. Der Propst in Rente war gebeten worden, die seelsorgerische Vertretung einer 500-köpfigen deutsch-griechischen evangelischen Gemeinde in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, zu übernehmen. Kampers Frau Frigga begleitet ihn auf seiner Reise. Gemeinsam werden sie noch weitere sechs Wochen bleiben.

Hier ihre Zwischenbilanz: „Es ist gut, dass wir zu zweit in der Gemeinde sind“, schreibt Manfred Kamper in einem Rundbrief an Freunde und Verwandte. Der Flug verlief ohne Zwischenfälle. Noch auf dem Flughafen wurde das Paar vom Vorsitzenden der Gemeinde begrüßt und anschließend in die hoch oben auf dem Berg des Stadtteils Sykies gelegene möblierte Pfarrwohnung gebracht. „Damit uns die Eingewöhnung leichter fällt, gab es ein aus vielen Kleinigkeiten zusammengestelltes, typisch griechisches Abendessen in einer Taverne“ – ebenfalls hoch oben über der Stadt.

Gleich am nächsten Morgen gingen Kampers daran, die Gemeinde zu erkunden, die mitten in der Stadt einen festen Bezugspunkt hat. Dabei handelt es sich um eine Wohnung, in der sich die Gläubigen nicht nur treffen, sondern in der auch die Gottesdienste abgehalten werden. Einen eigenen Kirchraum gibt es nicht.

„Als wir ankamen, war der jährliche Basar gerade zu Ende gegangen – ein wichtiges Ereignis“, berichtet Kamper. Durch solche und andere Aktivitäten erwirtschaftet die Gemeinde den größten Teil der Einnahmen, die sie benötigt, um die laufenden Kosten zu decken. Eine Last, die vor allem von Frauen getragen wird. Dass die Gemeinde zum größten Teil aus Frauen besteht, hat seinen Grund: Die meisten hatten ihre Männer als Gastarbeiter begleitet und sind zum Teil als Witwen nach Griechenland zurückgekehrt. Viele sind schon sehr alt, aber noch immer aktiv – vor allem im Bereich der Diakonie. „Auch das unterstreicht, wie wichtig es ist, zu zweit hier zu sein“, schreibt Kamper.

Vor den beiden Husumern lag eine Menge Arbeit: In kürzester Zeit mussten sie die Gemeinde kennenlernen, ein Besuchsprogramm absolvieren, um sich vorzustellen und Kontakte zu knüpfen sowie wichtige Informationen zu sammeln. „Jeden Donnerstag leite ich den Gottesdienst“, schreibt Kamper. „Wenn ich Glück habe, gibt es einen Organisten.“ Der alte Herr, der die Orgel spielt, ist ehrenamtlicher freier Mitarbeiter. Wenn sie nicht gerade in der Gemeinde unterwegs sind, erkunden die beiden die Stadt. „Wir tun das mit dem Bus“, sagen sie und nennen es ein „richtiges Abenteuer“. Die Fahrfrequenz wurde stark ausgedünnt. Daher sind die Busse meist gnadenlos überfüllt. Manchmal wird sogar die Luft knapp. Auch das ist ein Zeichen der Krise, in der das Land noch immer steckt und die die Menschen hart getroffen hat. In den Nebenstraßen stehen viele Läden leer. Vor den Häusern reihen sich abgemeldete Autos aneinander. Die Besitzer können Steuern und Versicherung nicht mehr bezahlen. Der Verlust des Arbeitsplatzes oder drastische Einbußen bei den Gehältern wiegen schwer.

Besonders die Alten leiden, schreibt Kamper. Auch in ihrer Gemeinde leben Menschen, die Heizöl und Elektrizität nicht mehr bezahlen können. Manche sind froh, für einige Zeit zu Freunden und Verwandten nach Deutschland gehen zu können. Am schwersten wiegt für Kamper allerdings die Hoffnungslosigkeit der jungen Leute. „Der Generalkonsul beschreibt die Stimmung so: ,Weg, nichts wie weg‘“, sagt er. Das Ziel ist sehr oft Deutschland, weil dort Verwandte leben. „Aber natürlich würden die meisten viel lieber hier bleiben“, endet Kampers Bericht.

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erstellt am 20.Jan.2014 | 17:00 Uhr

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