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Fischbrötchen gestohlen – Prozess am Amtsgericht : Blutiges Ende eines Brötchen-Diebstahls

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

24-jähriger Bredstedter verletzte einen Augenzeugen, der ihn festhalten wollte, am Kopf.

Die Zahl der im Laufe eines Jahres zwischen St. Peter-Ording und List auf Sylt in Gastronomie, Fachgeschäften und auf Volksfesten verkauften Fischbrötchen dürfte in die Millionen gehen. Speziell Krabbenbrötchen sind durch die immens gestiegenen Kosten für die Fischer kaum noch zu bezahlen. Matjes-, Bismarck- oder Bratfisch-Brötchen, welche auch immer – Fischbrötchen bleiben für Einheimische wie für Urlauber so etwas wie ein Grundnahrungsmittel, auf das sie nicht verzichten mögen. So wie ein 24-jähriger Bredstedter, als er im Oktober 2016 in einem Supermarkt an seinem Wohnort nach einem Brötchen mit Bratfisch griff, sich das mit einem Croissant unter den Pullover steckte, um es an der Kasse vorbei zu schmuggeln.

Bei einem einfachen Ladendiebstahl blieb es indes nicht, er verteidigte Fisch und Backwaren auch noch gegen einen Zeugen, der ihn festhalten und zurück in den Supermarkt ziehen wollte. Er solle erst bezahlen, was er essen möchte und werde womöglich auch noch für den Diebstahl zur Rechenschaft gezogen.

Wer hier an der Küste – und sicher auch andernorts – Fischbrötchen stiehlt, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen, vor allem dann, wenn er auch noch gewalttätig wird. Der Angeklagte zog seinem Verfolger nämlich den Pullover übers Gesicht und stieß gleich mehrmals mit dem Ellenbogen gegen den Kopf des Mannes, so dass er Platzwunden erlitt. Außerdem rief er „Verpiss dich, du Hurensohn“. So jedenfalls warf es ihm der Staatsanwalt zu Beginn der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Husum vor. Damit sammelten sich in den wenigen Augenblicken vor dem Supermarkt gleich mehrere Straftaten an: Diebstahl und Körperverletzung sowie Raub. Denn wer auf frischer Tat ertappt wird und mit Drohungen oder Gewalt versucht, die gestohlene Sache bei sich zu behalten, wird wie ein Räuber bestraft.

Der junge Mann widersprach der Beleidigung. Das habe er auf keinen Fall gesagt. „Sie kennen mich ja gar nicht, ich kann keiner Fliege etwas zu leide tun“, sagte er, räumte aber ein, am Morgen vor der Tat Bier und Wodka getrunken zu haben. An solchen Tagen falle es ihm schwer, richtig in die Spur zu kommen.

Heimkind, Hauptschule ohne Abschluss, kaum feste familiäre Bindungen, fortwährender Konsum auch harter Drogen und eine Reihe von Straftaten– da stellte die Richterin die Frage in den Raum, ob er wieder auf die Straße gelassen werden könne. Seine frühere Bewährungshelferin drückte die Hoffnung aus, dass sein Einstieg ins Methadon-Programm der beste Weg sei, um sein Leben in den Griff zu kriegen. Sein Anwalt Michael Siegmund fügte hinzu, dass zusätzlich ein Anti-Aggressionstraining „niemals schaden kann.“

Das Gericht machte aus allem eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten mit einer vierjährigen Bewährungsfrist – verbunden mit den vorgeschlagenen Auflagen.

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erstellt am 08.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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